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Ein Medikamentenskandal erschüttert derzeit den süddeutschen Schweinemarkt und verunsichert die Verbraucher. Tierärzte aus Niederbayern sollen illegal Hormonpräparate, vor allem jedoch Antibiotika, an Hunderte von Schweinemästern in Österreich und Bayern verkauft haben. Bayerns Gesundheitsministerin Barbara Stamm trat infolge dessen gestern von ihrem Amt zurück. Die Medikamente sollen zum Teil dem Mastfutter als Leistungsförderer beigemengt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen den Straubinger Großveterinär Dr. Roland Fechter, bei dem zehn weitere Tierärzte angestellt sind. Fechter wies mittlerweile in einer Pressekonferenz alle Vorwürfe zurück und äußerte den Verdacht, die Konkurrenz habe ihn grundlos angezeigt. Tatsächlich sei die niederbayerische Großpraxis der tierärztlichen Standesvertretung "wegen bestimmter Vorgehensweise und Verstöße gegen Berufsregeln" ein Dorn im Auge. Man komme den "schwarzen Schafen" in der Branche nur schwer auf die Schliche, weil sie das Meiste formell richtig machten, beklagte Karl-Heinz Simon, Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes der praktischen Tierärzte (BPT). Hinzu komme, dass die EU-Rückstandsrichtlinie 96/23, die allen landwirtschaftlichen Betrieben zwingend vorschreibt, ein Stallbuch zu führen, in Deutschland noch nicht umgesetzt ist. Die bayerische Tierärztekammer spricht in diesem Zusammenhang von einer "nationalen Schande". Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der morgigen Ausgabe der Agrarzeitung Ernährungsdienst. (HH)
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