Baywa

Im Agrarhandel hat Internationalität Vorfahrt


Baywa-Chef Klaus-Josef Lutz sieht sein Haus im Agrarhandel in erster Linie als globalen Spieler. Fragen zur Positionierung im europäischen und internationalen Handel haben für ihn eine höhere Dringlichkeit als das Regionalitätsprinzip der deutschen Genossenschaften. „Wir sind ein global agierendes Unternehmen“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Münchener Baywa AG auf einem Pressegespräch am heutigen Freitag in Frankfurt am Main. Die Frage sei vielmehr, wie sich europäische Wettbewerber im deutschen Markt positionierten, sagte Lutz. „Das ist Thema, nicht das Regionalitätsprinzip“, unterstrich Lutz.

Märka nicht auf dem Einkaufszettel

Einen Kauf des Agrarhändlers Märka GmbH in Zörbig strebt die Baywa nach Angaben des Vorstandschefs nicht an: „Wir sind nicht an der Märka interessiert“, teilte Lutz auf Anfrage von agrarzeitung.de mit. Nach az-Recherchen hat die Hausbank der Verbio-Tochter, die Rabobank in Frankfurt am Main, ein Bieterverfahren eröffnet, an dem sich zahlreiche Unternehmen aus dem Agrargroßhandel beteiligen.

Grundsätzlich sei nach den beiden Übernahmen im Agrarhandel aus dem Vorjahr erst einmal Konsolidierung angesagt, führte Lutz weiter aus. Für April erwartet die Baywa die Entscheidung der deutschen Kartellbehörden zur Übernahme des Mehrheitsanteils an dem niedersächsischen Landhändler Bonhorst GmbH. Lutz sieht noch „Optimierungspotenzial bei den Ostseehäfen“. Außerdem solle ein „Ausbau der Aktivitäten in Polen“ erfolgen. Ob dies über Bonhorst oder den zweiten Neuerwerb für die Agrarhandelssparte aus dem Vorjahr, dem niederländischen Getreide- und Ölsaatengroßhändler Cefetra BV, geschehen solle, sei „noch nicht entschieden“.

Transparenz im Rohstoffhandel

Klar positionierte sich der Vorstandsvorsitzende in der Debatte um das Für und Wider der Spekulation mit Agrarrohstoffen. Sollten die Preisfindungsmechanismen durch Eingriffe in den Warenterminhandel gestört werden, seien nicht nur institutionelle Anleger, sondern am Ende auch der Landwirt betroffen, so Lutz. Politische Initiativen in Sachen Transparenz unterstützt er in Maßen: Ein Positionsbericht nach Anlageklassen, wie es ihn für die Chicago Board of Trade gibt, wäre nach seiner Vorstellung für die Pariser Matif ebenfalls wünschenswert. Andere Regulierungsmechanismen, die in den USA bereits praktiziert werden, wie Positionsbegrenzungen bei Agrarrohstoff-Futures oder Obergrenzen für maximale Tagesschwankungen der Kurse betrachtet Lutz als nicht sinnvoll. (pio)
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