Es gibt noch keine neue Internetseite, aber sonst steht alles fest: Aus drei kleinen Landhandelsunternehmen im Grenzgebiet zwischen Niedersachsen und Westfalen ist nun eins geworden – der AMW Agrarhandel Mitte-West. Die Situation sei angespannt, sagt Bernd Tiemann, Geschäftsführer beim privaten Landhändler Hassel, im Gespräch mit agrarzeitung.de. Der Landhändler Hassel ist eines der drei fusionierenden Unternehmen und will mit den neuen Partnern künftig dem Druck von anderen genossenschaftlich organisierten Agrarhändlern standhalten.

Außendienst ist das A und O

„Unsere direkten Konkurrenten haben beispielsweise einen Angestellten nur für den Außendienst im Einsatz“, erklärt Tiemann. Das sei momentan das A und O für das Geschäft. Mit den neuen Partnern – der Wissinger Mühle aus Bissendorf und der Merschmühle aus Glandorf – könne in naher Zukunft nun ebenfalls ein Außendienstler eingestellt werden. Neben dem wirtschaftlichen Druck sei darüber hinaus die fehlende Unternehmensnachfolge oft ein Grund dafür, dass Familienunternehmen sich einen Partner suchen, sagt ein Marktkenner. Auch bei der Wissinger Mühle sei das der Hauptgrund für die Fusion gewesen, berichtet Tiemann.

„Der Konzentrationsprozess setzt sich weiter fort und wird sich unter den derzeitigen Markt- und agrarpolitischen Bedingungen möglicherweise noch beschleunigen“, sagt Arnim Rohwer, Geschäftsführer beim Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA). Der Erfolg der Branche hänge künftig stärker davon ab, wie flexibel der Handel auf die Veränderungen reagiere. „Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit anderen Agrarhandelsbetrieben, wie sie etwa die Proland-Gruppe in Rheinland-Pfalz oder der Moland-Agrarhandel in Nordrhein-Westfalen praktizieren“, betont Rohwer. Auch Fusionen gehörten dazu

Auch Genossen schließen sich zusammen

Bei den Genossen hat ebenfalls eine Konzentration stattgefunden. Im genossenschaftlich organisierten Agrarhandel der Region Nord/West beispielsweise sind von 44 Unternehmen im Jahr 2011 nur noch 37 übrig. Bei den Veränderungen handelt es sich in den meisten Fällen eher um kleinere Genossenschaften, die sich größeren Einheiten angeschlossen haben, heißt es zur Begründung beim Regionalverband in Hannover.

Nennenswerte Strukturveränderungen waren etwa 2013 die Fusion der Saatzucht Raiffeisen Warengenossenschaft Müden/Flettmar mit der RWZ Kassel und 2015 die Fusion der RWG Twistringen mit der RWG Grafschaft Hoya zur heutigen RWG Niedersachsen Mitte. Und auch das genossenschaftliche Agrarhandelsgeschäft, das zum Teil noch durch die Volks- und Raiffeisenbanken abgewickelt wird, verändert sich. Von 27 Banken im Nordwesten im Jahr 2011 sind – vor allem wegen Fusionen kleinerer Institute – nur noch 20 vorhanden.

Im Süden lagern die Kreditgenossenschaften aus

Im Süden zeigt sich bei den Genossen eine ähnliche Entwicklung, der Rückgang ist aber vor allem bei den Kreditgenossenschaften mit Warengeschäft zu verzeichnen. Von 75 im Jahr 2012 gab es vergangenes Jahr nur noch 62. Das ist laut dem Genossenschaftsverband Bayern deshalb so, weil viele Institute ihr Warengeschäft zum Teil in Warengenossenschaften auslagern. Als Bestandteil einer Bank bringe das Warengeschäft einen immer höheren Verwaltungs- und Prüfungsaufwand mit sich.

Auch wenn die Anzahl der Raiffeisen-Warengenossenschaften innerhalb der vergangenen vier Jahre mit 33 fast konstant geblieben ist, so hat es in Bayern dennoch Fusionen gegeben, zum Beispiel den Zusammenschluss der Raiffeisen-Handels-GmbH im Jura mit der Raiffeisen Waren-GmbH Neumarkt in der Oberpfalz 2015. Gerade plant das Unternehmen einen weiteren Schritt und will sich mit der Warensparte der Raiffeisenbank Parsberg-Velburg vereinen. Darüber hinaus ist im Süden der Zusammenschluss der Raiffeisen-Waren GmbH Weißenburg-Gunzenhausen und der Raiffeisen-Handels-Gesellschaft Heilsbronn zur Raiffeisen Waren und Handels GmbH Altmühlfranken im Jahr 2015 zu nennen. (sp)
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