Gegen Schädlinge im Getreide werden die Bekämpfungslücken größer.
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Gegen Schädlinge im Getreide werden die Bekämpfungslücken größer.

Aktionsplan Vorratsschutz soll Lücken schließen:

Mit der verfügbaren Palette von Maßnahmen kann in Deutschland kein nachhaltiger Vorratsschutz gewährleistet werden. Diese Feststellung hat bereits 2013 der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP) getroffen. Es fehlt an wirksamen Pflanzenschutzmitteln und alternativen Verfahren. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Wirkstoffe im Vorratsschutz von 22 auf heute nur noch neun mehr als halbiert. Der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) sucht deshalb gemeinsam mit den relevanten Verbänden der Wertschöpfungskette unter Federführung des Julius Kühn-Instituts (JKI) in einem Aktionsplan Vorratsschutz nach Wegen, die Situation zu verbessern.
  • Vorbeugung bildet das Fundament:

    Ein wichtiger Ansatzpunkt ist das Fachwissen der Lagerbetreiber. Es bildet das wesentliche Fundament eines nachhaltigen Vorratsschutzes. Zur Auswahl geeigneter Lager und der angepassten Lagerhygiene gehören Kenntnisse, wie sich Kornfeuchte, Besatz und Temperaturen nach der Einlagerung auf den Schädlingsdruck auswirken. Fundierte Kenntnisse dieser Zusammenhänge sind unerlässlich, um den zentralen Bestandteil des Vorratsschutzes – die Vorbeugung – in der Praxis umzusetzen. Wertvolle Unterstützung leistet seit 2016 das JKI-Wissensportal zum Vorratsschutz.

  • Gesunderhaltung kostet Geld:

    Wenn Partien erst einmal mit Schädlingen belastet sind, können sie nur noch mit Preisabschlägen und zusätzlichen Kosten vermarktet werden. Deswegen sollten keine Lagerstätten genutzt werden, die nicht optimal für Getreide geeignet sind – auch nicht in Jahren mit großen Ernten. Der Handel bietet Einlagerungsmodelle an, in denen die Kosten für die Gesunderhaltung fair kalkuliert sind. Bei einer Vollkostenrechnung sind viele Einlagerungsmodelle des Handels eine gute Alternative zur Selbstlagerung durch die Landwirte.

  • Neue praktikable Maßnahmen erforderlich:

    Trotz Vorbeugung müssen ausreichend Bekämpfungsverfahren und Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen. Deswegen ist eine vorausschauende Entwicklung alternativer Vorratsschutz-Strategien genauso wichtig wie die Entwicklung und Genehmigung neuer Wirkstoffe. Um Resistenzen zu vermeiden, fordert der NAP, dass bis zum Jahr 2023 in 80 Prozent aller relevanten Anwendungsgebiete mindestens drei Wirkstoffgruppen zur Verfügung stehen sollen. Explizit mit eingeschlossen ist der Vorratsschutz.

  • Thema für Demonstrationsbetriebe:

    Um den integrierten Vorratsschutz in der Praxis zu stärken, wird zudem eine Leitlinie entwickelt, die auf Basis der acht allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes praktikable Verfahren im Vorratsschutz beschreibt. Zur Unterstützung der Praxiseinführung tritt der BVA für eine Erweiterung des Modell- und Demonstrationsvorhabens „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ um den Bereich Vorratsschutz ein. Einzubinden sind dabei der Agrarhandel, die Landwirtschaft sowie die Mühlen.

  • Noch passgenauere Ausbildung:

    Der BVA engagiert sich auch für die Ausbildung. Ab August 2017 wird für den Ausbildungsberuf zum „Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“ die neue Vertiefungsrichtung „Agrarlagerwirtschaft“ angeboten. Hier steht auch eine umfassende Informationsvermittlung zum integrierten Vorratsschutz auf dem Lehrplan.


Jenny Richter, Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft
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