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Landwirte tasten sich langsam heran – Großbetriebe mit Tierhaltung treiben Anbau voran

Agrarzeitung Ernährungsdienst 28. Oktober 2006; Von Dr. Angela Werner, Frankfurt a. M.

Die Landwirte in Tschechien sind gegenüber der Grünen Gentechnik aufgeschlossen. Auf 1.290 ha haben sie in diesem Jahr Bt-Mais angebaut. Eine weitere Ausdehnung wird erwartet. Auf den Markt gelangt er jedoch nicht, weil die Landwirte Vermarktungsschwierigkeiten befürchten.

Der Maiszünsler macht nicht nur Landwirten in Frankreich und Deutschland zu schaffen. Auch in der Tschechischen Republik hat er sich sukzessive ausgebreitet, erläuterte der Enthymologe Frantisek Muska vom Amt für Pflanzengesundheit kürzlich auf einer Veranstaltung der Biotech-Organisation „Agricultural Biotechnology in Europe“ (ABE) in Brno. Jährlich richtet der Maiszünsler 20 Prozent Schaden an. Für die tschechischen Landwirte ist der gentechnisch veränderte Bt-Mais daher eine willkommene Bekämpfungsalternative. Der Anbau ist seit 2005 erlaubt. Wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 270 ha angebaut, waren es in diesem Jahr schon 1.290 ha. Insgesamt bestreitet Bt-Mais jedoch weniger als ein halbes Prozent der tschechischen Maisfläche von 275.000 ha, die überwiegend im südlichen Mähren und in Böhmen liegt. Die Landwirte hat der Bt-Mais laut einer Umfrage des Landwirtschaftsministeriums vor allem durch die um 5 bis 20 Prozent höheren Erträge, die Reduzierung des Mykotoxingehalts und die Bekämpfung des Maiszünslers überzeugt.

Futterqualität überzeugt

Für Karel Klaska, Leiter für Pflanzenbau und Maschinen der Bonagro a.s. in Blazovice, überwiegen trotz höherem bürokratischen Aufwand die Vorteile. Ihn hat vor allem die Futterqualität überzeugt, da der Mais an die eigenen Tiere verfüttert wird. Der Betrieb bewirtschaftet insgesamt 4.150 ha, hält 1.050 Milchkühe und 1.850 Rinder und erzeugt jährlich 1.250 t Schweinefleisch. In diesem Jahr wurden 20 ha Bt-Mais angebaut, 2007 sollen es mehr werden. Auch für Viteszstav Navratil, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Rostenice a.s., stehen die ökonomischen Vorteile im Vordergrund. Das Unternehmen bewirtschaftet 8.800 ha Ackerland, unterhält eine eigene Futtermittelproduktion sowie einen Schlachtbetrieb und erzeugt jährlich 1.000 t Schweinefleisch sowie 2.000 t Geflügelfleisch. Der GV-Mais, der in diesem Jahr auf 150 ha steht, wird auch hier ausschließlich für die Futterversorgung der Tiere gebraucht. Neben dem Eigenverbrauch können die Landwirte ihren Bt-Mais auch an die staatliche Intervention verkaufen. Auf den freien Markt in Tschechien gelangt so gut wie kein GV-Mais.

Skepsis im Handel

Eine unerbittliche Front zwischen GVO-Befürwortern und Gegnern hat sich zwar noch nicht etabliert. In Verarbeitung und Lebensmittelhandel herrscht jedoch eine gewisse Skepsis vor, ob GV-Produkte überhaupt gut zu vermarkten sind, entsprechend ist ihre Zurückhaltung. Landwirt Jan Dobrovolny, der 1.700 ha bewirtschaftet, hat daraus bereits seine Konsequenzen gezogen. Im kommenden Jahr wird er wohl seinen Bt-Maisanbau nicht ausdehnen. „Ich bin nicht mutig genug“, erklärte er in Brno. Aus seiner Sicht wären Kontrakte eine Lösung, um den GV-Maisanbau zu fördern. Die Rostenice a.s. geht einen anderen Weg. „Wir bauen gerade eine Biogasanlage, die unser Unternehmen und angrenzende Kommunen mit Energie versorgen soll“, erklärt Navratil. Der Bt-Maisanbau soll daher im kommenden Jahr deutlich ausgeweitet werden, um die Versorgung der Anlage zu gewährleisten.

Koexistenz geregelt

Um die Befürchtungen der Erzeuger und des Handels auszuräumen, setzt das Landwirtschaftsministerium vor allem auf Aufklärung und klare gesetzliche Vorgaben, erklärt Marie Cerovska von der Abteilung Pflanzenbau. Seit März dieses Jahres gibt es konkrete Regeln zur Koexistenz von GVO-, konventionellem und ökologischem Anbau für Bt-Mais und GV-Kartoffeln, so Cerovska. Damit ist Tschechien in puncto Koexistenz schon einen wichtigen Schritt weiter als Deutschland oder Frankreich. Eine Verletzung der Regeln kann mit bis zu 17.000 € geahndet werden. Bislang hätten die Kontrollen aber nur wenige Regelverletzungen aufgezeigt. Auch Auseinandersetzungen zwischen GVO-Anbauern und Öko-Produzenten gebe es nicht, da so gut wie keine Bt-Maisfelder an Öko-Mais angrenzen, sagt Cerovska. Ferner umfasst die Ökomais-Anbaufläche lediglich 1.000 ha, gerade 0,36 Prozent der gesamten Maisfläche. Feldzerstörungen sind ebenfalls noch nicht an der Tagesordnung. Aber auch in Tschechien müssen die GVO-Anbauflächen gemeldet werden und das Register ist auf Anfrage öffentlich zugänglich. Ganz glücklich ist Cerovska mit diesem Ansatz nicht, denn darin sieht sie auch eine Gefahr, die Feldzerstörungen Tür und Tor öffnen könnten.

Koexistenzregeln in Tschechien

1. Registrierung:
Etwa anderthalb Monate vor der Aussaat müssen die Flächen dem Landwirtschaftsministerium gemeldet und die benachbarten Farmer informiert werden. Eine Informationspflicht besteht auch nach erfolgter Aussaat. Das Register ist öffentlich zugänglich.

2. Mindestabstände:
– Mais: zwischen Bt-Mais und konventionellem Mais 70 m, zwischen Bt-Mais und Öko-Mais 200 m
– Kartoffeln*: zwischen GV-Kartoffeln und konventionellen 3 m zwischen den Reihen und 10 m am Ende des Feldes.

3. Pufferzonen:
Mantelsaat um Bt-Mais mit 35 Reihen konventionellen Maises (etwa 25 m).

4. Aufzeichnungspflicht:
Um die GVO zurückverfolgen zu können, müssen die Aufzeichnungen mindestens fünf Jahre lang aufgehoben werden.

*Bislang sind noch keine GV-Kartoffeln zugelassen.
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