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Der Programmentwurf für den Zeitraum 2018 bis 2020 ist unterzeichnet, teilt die Initiative Tierwohl (ITW) heute mit. Damit stehe das Projekt auch über die erste Vertragsperiode bis Ende 2017 hinaus auf einer sicheren Grundlage. Die Händler sollen in den Tierwohlfonds höhere Beiträge einzahlen. Pro verkauftem Kilogramm Fleisch und Wurst werden in Zukunft 6,25 Cent statt bisher 4 Cent an die ITW fließen.

Audits künftig zweimal im Jahr

Für den Förderzeitraum 2018 bis 2020 sehe das Programm umfassende Weiterentwicklungen vor. Weil der Handel mehr Geld einzahlt, können die Mindestanforderungen für Landwirte angehoben werden. Zudem soll der Kriterienkatalog gestrafft werden. Als unmittelbar wirkende Änderung kündigt die ITW eine höhere Frequenz der Audits auf den teilnehmenden landwirtschaftlichen Betrieben an. Bisher seien diese einmal pro Jahr kontrolliert worden. Mit Beginn dieses Jahres würden die von der ITW beauftragten unabhängigen Auditoren zweimal jährlich unangekündigt die Teilnehmerbetriebe begutachten. Getragen werde die Initiative ab 2018 von den Handels-Unternehmen Aldi Nord, Aldi-Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Wasgau.

Steigende Beiträge als Kündigungsgrund

Der SB-Warenhausbetreiber Real hat den Vertrag gekündigt und wird Ende 2017 aus der ITW ausscheiden. Nach Informationen der Lebensmittelzeitung fehlen der ITW für 2018 bis Ende 2020 damit 6 Mio. € vom dann geplanten 100 €. Euro-Budget. Real kritisiert den Ausstieg wichtiger NGOs aus der ITW. Deutsche Tierschutzbund und ProVieh hatten sich aus der Initiative verabschiedet. Daneben führt die Metro-Tochter die steigenden Beiträge an und dass nicht alle Lebensmittelhändler in der Initiative engagiert sind. „Es gibt zurzeit eine klare Wettbewerbsverzerrung", erklärt Real-CEO Patrick Müller-Sarmiento. So müssten die Teilnehmer hohe Kosten tragen. Von der branchenweiten Kommunikation würden jedoch alle profitieren, auch die Unternehmen, die nicht an der Initiative Tierwohl teilnehmen.

Real setzt auf staatliches Label

Real wolle stattdessen das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt geplante staatliche Tierwohllabel unterstützen, das dann aber aus Sicht von Real „verbindlich für alle Marktteilnehmer gelten" müsse. Schmidt hat für Montag kommender Woche acht Präsidenten von Branchenverbänden eingeladen, denen er den Planungsstand für sein Label vorstellen will. Es wird erwartet, dass er es auf der Eröffnungspressekonferenz zur Grünen Woche am 18. Januar präsentiert. (jst/SB)
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