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Bedeutsamer Anstieg der Anbaufläche in Argentinien und China - US-Landwirte planen Anbau auch in 2001

27. Januar 2001;Dr. Angela Werner, Frankfurt a. M.

Angesichts weltweit wachsender Bedenken gegenüber dem Einsatz der Grünen Gentechnik und der Verwendung der entsprechenden Produkte wäre ein Anbaurückgang gentechnisch veränderter (GV)-Kulturpflanzen im vergangenen Jahr durchaus zu erwarten gewesen. Dies ist jedoch nicht der Fall. So wuchs die mit transgenen Pflanzen bestellte Fläche im Vergleich zu 1999 um 11 Prozent auf 44,2 Mio. ha weltweit, wie die international tätige US-Agentur ISAAA ermittelte, die den Einsatz der Biotechnologie in der Landwirtschaft beobachtet. Der Anstieg ist aber längst nicht mehr so rasant wie noch von 1996 auf 1997, als sich die Anbaufläche mehr als versechsfacht hatte. Zwischen den Anbauländern und auch innerhalb der Kulturen gibt es aber deutliche Unterschiede.

So wurden im vergangenen Jahr in den USA, die mit 30,3 Mio. ha zu den Hauptanbauländern von GV-Kulturen zählt und rund 68 Prozent der globalen mit transgenen Pflanzen bestellten Fläche auf sich vereinigt, nur ein Flächenzuwachs von 6 Prozent gegenüber Vorjahr registriert. In Argentinen, das mit einem Anteil von 23 Prozent an zweiter Stelle steht, wurde die Fläche um 49 Prozent ausgedehnt, vor allem bei Sojabohnen und Baumwolle. Auch in China, wo 1 Prozent der GV-Pflanzen weltweit angebaut werden, wurde ein deutlicher Anstieg des GV-Baumwollanbaus registriert. So nahm die mit transgenen Pflanzen bestellte Fläche in China laut ISAAA um 66 Prozent zu. In Kanada hingegen, das mit 3 Mio. ha einen Anteil von 7 Prozent am globalen Anbau von GV-Pflanzen hat, wurde für das vergangene Jahr ein massiver Rückgang um 25 Prozent beobachtet, der vor allem zu Lasten des GV-Rapsanbaus geht. Dies führt die ISAAA auf drei Faktoren zurück: erstens auf Rückgang der nationalen Rapsanbaufläche um 0,6 auf 4,9 Mio. ha in 2000; zweitens konkurrierten transgene Herbizid tolerante Rapssorten mit konventionell gezüchteten Herbizid toleranten Sorten, und drittens könnte der niedrige Rapspreis die Landwirte dazu bewegt haben, vorwiegend konventionelle Varietäten anzubauen, um die Saatgutkosten niedrig zu halten. Die USA, Argentinien, Kanada und China vereinigen zusammen 99 Prozent des weltweiten Anbaus von GV-Kulturen auf sich.

Von der Fläche her weniger bedeutend sind Australien und Südafrika, prozentual gesehen beobachtete die ISAAA für diese beiden Länder aber den größten Zuwachs. Dort hat sich die Fläche in 2000 gegenüber 1999 sogar verdoppelt. So hat Südafrika deutlich mehr Mais und Baumwolle angebaut. In Australien wurden laut ISAAA der Anbau von GV-Baumwolle auf gut 150.000 ha ausgedehnt. Darüber hinaus werden auch in Mexiko und Uruguay sowie in einigen europäischen Ländern GV-Pflanzen angebaut. Rumänien, Bulgarien, die Ukraine werden in der Aufstellung der ISAAA genannt, ebenso Spanien, Deutschland, Frankreich und Portugal, wo Bt-Mais wächst. Allerdings liegt die Anbaufläche in den genannten Ländern laut ISAAA jeweils unter 100.000 ha und ist nicht genauer beziffert.

GV-Sojabohnen dominieren im Anbau

Betrachtet man die einzelnen GV-Kulturen, so werden Sojabohnen weltweit am häufigsten angebaut mit nach wie vor steigender Tendenz. So wuchs die Anbaufläche in 2000 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 25,8 Mio. ha an. Vor allem in den USA und Argentinien wurde der Anbau deutlich ausgedehnt. Damit wurden im vergangenen Jahr auf 58 Prozent der mit gentechnisch veränderten Kulturen bestellten Gesamtfläche weltweit GV-Sojabohnen angebaut. Von 1997 bis 2000 hat sich die Anbaufläche verfünffacht. Nur bei transgenen Sojabohnen konnte ein solch kontinuierlich steiler Anstieg beobachtet werden. Der Anteil transgener Sojabohnen an der weltweiten Sojafläche, die das ISAAA mit 72 Mio. ha angibt, belief sich in 2000 auf 36 Prozent.

Am zweithäufigsten wird transgener Mais angebaut, der in 2000 auf 10,3 Mio. ha wuchs. Damit hat er einen Anteil von 23 Prozent an der globalen Anbaufläche transgener Pflanzen. Im vergangenen Jahr büßte der GV-Maisanbau im Vergleich zum Vorjahr allerdings sieben Prozent ein. Der Anbaurückgang für Mais fiel laut ISAAA in den USA am größten aus. Niedriger Befallsdruck mit dem Maiszünsler und Unsicherheit, wie sich der Markt für GV-Mais entwickeln würde, könnten nach Einschätzungen von ISAAA-Beobachtern die Gründe dafür sein. Global gesehen wurde dieser Rückgang durch deutliche Zuwächse bei der Anbaufläche von GV-Mais in Argentinien wieder kompensiert. Hier stieg der Anteil von 5 auf 20 Prozent der nationalen Maisfläche. Auch in Südafrika gab es eine deutliche Anbauausdehnung bei GV-Mais. Im langjährigen Rückblick von 1997 bis 2000 hat sich die GV-Maisfläche jedoch gerade mal gut verdoppelt. Gemessen an der gesamten Maisanbaufläche von weltweit 140 Mio. ha entfallen sieben Prozent auf GV-Mais.

Der Anbau von GV-Baumwolle erfreute sich im Jahr 2000 dagegen großer Beliebtheit und wuchs auf 5,3 Mio. ha, was einem Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diesen Anstieg führt die ISAAA überwiegend auf den Zuwachs von 17 Prozent in den USA zurück. Aber auch in China wurde die Anbaufläche um 10 Prozent ausgedehnt. GV-Baumwolle hält damit einen Anteil an der mit transgenen Pflanzen bestellten Fläche weltweit von 12 Prozent und liegt damit auf Platz drei. Hinsichtlich des Anteils an der globalen Baumwollfläche steht GV-Baumwolle an zweiter Stelle. 16 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle ist transgen.

An vierter Stelle liegt GV-Raps, der im Jahr 2000 auf 2,8 Mio. ha wuchs und damit einen Anteil von sieben Prozent an der Fläche transgener Pflanzen hat. Gegenüber dem Vorjahr wurden aber 18 Prozent weniger GV-Raps gepflanzt, vor allem in Kanada. An der gesamten Rapsanbaufläche weltweit hat GV-Raps damit nur einen Anteil von 11 Prozent.

Herbizidtoleranz am weitesten verbreitet

Hinsichtlich der gentechnisch veränderten Merkmale werden Herbizid tolerante transgene Kulturpflanzen weltweit am häufigsten angebaut. Fast ein Drittel aller GV-Pflanzen weisen Herbizidtoleranzen auf. Sie verzeichneten auch im Fünfjahresrückblick die größten Zuwachsraten, was nicht verwunderlich ist, da sie als erste für den Anbau zur Verfügung standen. Im vergangenen Jahr wurden auf 32,7 Mio. ha Herbizid tolerante Kulturen wie Sojabohnen, Mais und Baumwolle angebaut, 16 Prozent mehr als 1999. Sojabohnen überwiegen auch hier mit Abstand. 58 Prozent aller Herbizid toleranten Pflanzen sind Sojabohnen. Sie werden nach Informationen des ISAAA überwiegend in den USA, Argentinien, Kanada, Mexiko, Rumänien und Uruguay angebaut.

Insekten resistente Pflanzen wie Bt-Mais und Bt-Baumwolle nehmen mit einer Anbaufläche von 8,3 Mio. ha Platz zwei ein. Sie bestreiten zusammen 18 Prozent (Vj. 22 Prozent) der mit transgenen Pflanzen bestellten Fläche weltweit, wobei Bt-Mais mit 15 Prozent den größten Anteil beisteuert. In 2000 wurden im Vergleich zu 1999 allerdings 7 Prozent weniger Insekten resistente Kulturpflanzen angebaut. Dies ist vor allem auf den Anbaurückgang bei Bt-Mais zurückzuführen. Dieser wird laut ISAAA vorwiegend in den USA, Kanada, Argentinien, Südafrika, Spanien und Frankreich angebaut.

Von wachsender Bedeutung sind nach Aussagen des ISAAA GV-Pflanzen, deren Genom mehrere gentechnische Veränderungen aufweist: beispielsweise Baumwolle, die sowohl gegen Insekten als auch gegen ein Herbizid tolerant ist. Hier beobachtete die ISAAA einen Zuwachs um 10 Prozent. Dieser Trend werde weiter anhalten, so der ISAAA-Bericht.

Tendenzen für 2001

Ob auch in diesem Jahr mehr transgene Pflanzen weltweit angebaut werden und wenn ja wie viel, ist schwierig abzuschätzen. Doch scheint das Interesse bei den Landwirten trotz weltweiter Bedenken seitens der Verbraucher und diverser Pannen mit GV-Produkten nach wie vor zu bestehen. Diese Tendenz lässt sich zumindest für die USA ableiten, wie aus einer nicht repräsentativen Befragung von 400 Landwirten durch das US-Landwirtschaftsministerium USDA hervorgeht. Die meisten der befragten US-Farmer wollen in diesem Frühjahr den Anbau von GV-Pflanzen nur geringfügig reduzieren, berichtet der Nachrichtendienst Reuters. Insgesamt soll laut USDA-Umfrage der Anbau von gentechnisch verändertem Mais, Sojabohnen und Baumwolle insgesamt nur um knapp vier Prozent geringer ausfallen.

Betrachtet man die einzelnen Kulturen, so ergibt sich ein differenzierteres Bild. Etwa 4 Prozent weniger Herbizid tolerante Sojabohnen und 15 Prozent weniger Bt-Mais wollen die Befragten US-Farmer anbauen. Als Gründe gaben aber nur einige die Panne mit Starlink-Mais an. Etwa 60 Prozent der Befragten erklärten allerdings, diese Panne habe keinen Einfluss auf ihre Entscheidung gehabt. Eine Ausdehnung hingegen ist geplant für Herbizid toleranten Mais um 6 Prozent, für Insekten resistente Bt-Baumwolle um 8 Prozent und für Herbizid tolerante Baumwolle sogar um 12 Prozent. Mehr als 56 Prozent der Befragten hätten laut USDA das GV-Saatgut bereits gekauft. Gut 80 Prozent der Befragten wollen allerdings nicht in eine getrennte Erfassung von konventioneller und GV-Ware investieren, obwohl auf Grund der Starlink-Panne Händler höhere Ansprüche an die Reinheit inländischer wie auch an Importwaren stellen.

Über kurz oder lang müssen sich aber sowohl US-Farmer als auch Landwirte in anderen Ländern, die nicht zu vernachlässigende Mengen an GV-Erntegut erzeugen, den Anforderungen der Marktteilnehmer und der Verbraucher stellen und für den globalen Handel gemeinsame, tragfähige Grundlagen vereinbaren. Denn das Interesse am Anbau von GV-Pflanzen ist vor allem in Ländern, wo die Verbraucherbedenken nicht oder noch nicht so massiv vorhanden sind, groß, wie der ISAAA-Bericht gezeigt hat. Dass der Anbau von GV-Pflanzen auf Null zurückgeht, ist daher nicht zu erwarten, so rasante Anstiege wie vor fünf Jahren allerdings auch nicht. Denkbar wäre entweder ein ebenso moderater Anstieg oder gar eine stagnierende Anbaufläche für GV-Pflanzen. Sicherlich dürften aber künftig die Vermarktungsmöglichkeiten und die Akzeptanz der Verbraucher die Anbauentscheidungen der Landwirte deutlich mehr beeinflussen als bisher.
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