Der Agrartechnikspezialist vom Niederrhein hat in Haren an der Ems in ein neues Werk investiert. Seit Ende 2015 ist dort die Fertigung aller Feldspritzen unter einem Dach vereint. Geschäftsführer Anthony van der Ley begründet diesen Schritt und beschreibt Trends für das Maschinensegment.


Anthony van der Ley: „Das Produktprogramm werden wir mit einem Selbstfahrer weiter abrunden.“
-- , Foto: Lemken
Anthony van der Ley: „Das Produktprogramm werden wir mit einem Selbstfahrer weiter abrunden.“

agrarzeitung: Warum hat Lemken die Produktion von Feldspritzen an einem Standort konzentriert?

van der Ley: Vor zehn Jahren erweiterte Lemken mit dem Kauf der Unternehmen Jacoby und RTS die Produktpalette um Pflanzenschutzgeräte. Die Anbaufeldspritzen wurden ab 2011 am Standort Föhren in einem eigenen Werk gefertigt. Da dieses Werk den Erfordernissen einer schnellen und reibungslosen Spritzenherstellung bald nicht mehr gerecht wurde, war uns klar, dass wir die gesamte Feldspritzen-Produktion unter einem Dach vereinen werden.

Dann lief der Mietvertrag der Produktionshalle in Meppen aufgrund von Eigenbedarf aus. Wir standen vor der Entscheidung, entweder den gesamten Betrieb an unseren Stammsitz in Alpen zu verlagern oder in der Region neu zu bauen.

Wird das Sortiment an Feldspritzen dort künftig erweitert?

van der Ley: Heute hat Lemken innerhalb des Pflanzenschutzproduktprogramms für alle Anforderungen der Anwender das passende Gerät zur Verfügung. Angefangen mit einfacher Ausstattung lässt sich mit Primus und Sirius 8 das ‚Lower Segment‘ bedienen. Mit der neuen Anhängefeldspritze ‚Vega 12‘, die seit Frühjahr 2016 ausgeliefert wird, haben wir eine Maschine ebenfalls im Topsegment.

So wollen wir konsequent für ältere Baureihen über die gesamte Bandbreite Nachfolgegeräte in den Markt bringen.

Natürlich müssen wir das Produktprogramm nach oben mit einem Selbstfahrer weiter abrunden. Durch ständige Investitionen in Forschung und Entwicklung wollen wir auch für die Zielgruppen Lohnunternehmer, Maschinenringe und Großbetriebe die passende Technik zur Verfügung stellen.


Standort mit vielen Vorteilen
Investiert wurden in das Werk in Haren insgesamt 12 Mio. €. Auf dem verkehrsgünstig an der A31 gelegenen Grundstück entstand eine Produktionshalle mit etwa 10000 m2 Grundfläche. Die Montage erfolgt als Fließfertigung. Die Arbeitsplätze sind mit speziellen Montagebühnen, modularen Krananlagen sowie Kipp- und Schwenkvorrichtungen ausgestattet. Zwei Prüfrinnen von insgesamt 72 m Länge sorgen dafür, dass jede Maschine auf Herz und Nieren gecheckt wird, bevor sie die Halle verlässt.

Zum Standort gehören darüber hinaus ein Verwaltungsgebäude und eine Ausstellungshalle mit vier angeschlossenen Schulungsräumen. Hier können sich Mitarbeiter und Kunden direkt vor Ort über die Pflanzenschutztechnik informieren. Eine unmittelbar angeschlossene Freiluft-Ausstellungsfläche sowie 1,3 ha Ackerfläche bieten Möglichkeiten, die Feldspritzen dort auch im praktischen Einsatz zu erleben. Anthony van der Ley ist seit November 2012 Geschäftsführer von Lemken. (Sz)

Wie laufen die Geschäfte derzeit in diesem Segment hierzulande?

van der Ley: In der aktuell schwierigen Marktsituation ist es natürlich für einen relativ neuen Anbieter in diesem Segment anspruchsvoller, sich am Markt zu behaupten. Dennoch sehen wir unsere Chance, speziell mit unseren neuen Produkten und deren Vorteilen mittelfristig und auch langfristig gute Marktanteile zu erzielen.

Und wie sieht es sonst in Europa aus?

van der Ley: Dies gilt genauso für Europa. Hier haben wir natürlich auch wichtige Märkte wie zum Beispiel Frankreich für uns im Blick.

Das Zeitfenster für den Pflanzenschutz wird enger. Gleichzeitig muss die Technik Risiken für Anwender und Umwelt minimieren. Wie meistert Lemken diesen Spagat?

van der Ley: Bei allen unseren Neuentwicklungen legen wir ganz besonderen Wert auf die Funktionalität der Geräte. Optimale Wasserverbände und Zirkulationsleitungen mit Einzeldüsenschaltungen reduzieren die technischen Restmengen und sorgen für eine genauere Ausbringung.

Die Behälter sind dank glatter Innenflächen leicht zu reinigen – Folgeschäden infolge von Restmengen für die Pflanzenbestände werden damit reduziert.

Wo sehen Sie generell noch ‚Stellschrauben‘, um in diesem Techniksegment den Nutzen für die Landwirte zu erhöhen?

van der Ley: Da gibt es einige, wie zum Beispiel automatische Innenreinigung, programmierbarer Befüllstopp, automatisierte Klappvorgänge im Gestänge, automatische Gestängehöhensteuerung, automatische Teilbreitenschaltung und automatisiertes Vorgewendemanagement. Für uns steht auch im Fokus, die Leistungsfähigkeit der Pflanzenschutzgeräte weiter zu steigern – unter Berücksichtigung einer noch besseren Applikationsgenauigkeit, um die beste Wirksamkeit der Mittel sicherzustellen.

Die Fragen stellte Olaf Schultz
stats