Die Düngesaison naht mit Riesenschritten. In der Landwirtschaft hält sich die Kaufbereitschaft in Grenzen. BSL-Geschäftsführer Christian Gaisböck beschreibt die aktuelle Marktsituation.


BSL-Geschäftsführer Christian Gaisböck: „Niedrige Erzeugerpreise für Getreide, Milch sowie in der Schweineproduktion führen zu einer erheblichen Anspannung.“
-- , Foto: BSL
BSL-Geschäftsführer Christian Gaisböck: „Niedrige Erzeugerpreise für Getreide, Milch sowie in der Schweineproduktion führen zu einer erheblichen Anspannung.“

agrarzeitung: Ist eine frühe Einlagerung von Düngern noch zeitgemäß?

Gaisböck: Die Nachfrage seitens der Landwirtschaft ist aktuell verhalten. Das Gleiche trifft für das Kaufverhalten der Wiederverkäufer zu. Die Einlagerung ist absolut noch zeitgemäß, hier stellt der Handel auch eine ganze Reihe an Modellen zur Verfügung. Wenn jedoch die Quoten in den kommenden Tagen nicht spürbar steigen, befinden wir uns ab spätestens März in einer dramatischen Logistikfalle. Der Handel wird starke Probleme haben, den dann vorherrschenden Bedarf termingerecht erfüllen zu können.

Sind alle Düngersorten lieferbar?

Gaisböck: Ja, es können alle gewünschten Produkte geliefert werden. Der Großhandel hat sämtliche Düngersorten im Lager vorrätig und die Ware ist kontrahiert. Auffallend zurückhaltend ist die Einlagerungsnachfrage bisher bei Kalkammonsalpeter. Hier sind landauf, landab auch einmal größere unverkaufte Mengen zu verzeichnen.

Was geht im Tagesgeschäft?

Gaisböck: Aktuelle Anfragen sind zum größten Teil Streckengeschäfte, die direkt vom Lager zum Landwirt gelangen. Viele Kunden scheuen aufgrund der Preissituation den Kaufabschluss. Auch die Vorverkaufsmengen an die Landwirtschaft sind deutlich geringer als in den Vorjahren. Hauptgrund ist die finanzielle Situation der Betriebe, vor allem in den Grünlandregionen. Dies wird zu erheblichen logistischen Herausforderungen führen.

Wo ist die finanzielle Situation besonders angespannt?

Gaisböck: Niedrige Erzeugerpreise für Getreide, Milch sowie in der Schweineproduktion führen zu einer erheblichen Anspannung. In Gegenden wie Ostfriesland haben einige Wiederverkäufer und Landwirte bislang geringe Mengen an Kalkammonsalpeter eingelagert.

Wie reagiert der Handel?

Gaisböck: Der Handel bietet den betroffenen Betrieben die Verrechnung und Vermarktung von Getreidemengen sowie die Einlagerung von Düngemitteln in Ortsnähe zum Landwirt an. Auch verlängerte Zahlungsziele werden im laufenden Düngejahr 2015/16 verstärkt angeboten.

Wie schätzen Sie die Preissituation ein?

Gaisböck: Bei Kalkammonsalpeter halte ich eine weitere Seitwärtsbewegung für wahrscheinlich. Die Hersteller sind zum einen bemüht, die Preise stabil zu halten. Zum anderen sind die Werke derzeit voll ausgelastet. Wirtschaftliche Faktoren wie die US-Dollarschwäche, der Konjunktureinbruch in China und der Fall der Rohölpreise beeinflussen auf jeden Fall die Stickstoffmärkte. Diese Entwicklungen verunsichern auch den Landwirt in seinem weiteren Kaufverhalten.


Zur Person
Christian Gaisböck ist seit mehr als 20 Jahren im Saatgutgeschäft tätig. Zuletzt war der 40-Jährige bei der KWS beschäftigt und baute das Saatgutgeschäft in den südosteuropäischen Ländern aus. Vor einem Jahr wechselte Gaisböck zur BSL, einem Tochterunternehmen der HaGe Nord AG, wo er neben der Sparte Saatgut auch Dünger verantwortet. (da)

Wohin entwickelt sich Diammonphosphat, kurz DAP?

Gaisböck: Bedingt dadurch, dass DAP auf US-Dollar-Basis abgerechnet wird, wirken sich Kursveränderungen neben den üblichen Schwankungen zusätzlich auf den Angebotspreis umgerechnet in Euro aus. Im internationalen Harnstoffgeschäft sehe ich aufgrund der erhöhten Produktionskapazitäten weltweit keine größeren Kursaufschläge.

Wie reagiert die Agrarbranche auf die neue Düngeverordnung?

Gaisböck: Grundsätzlich wird sich im Düngeverhalten und Abverkauf etwas ändern müssen. Wir rechnen derzeit damit, dass der Einsatz von Stickstoff-Phosphatdünger eingeschränkt wird. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Nährstoffeffizienz zunimmt und zum Beispiel die Auswaschungsverluste abnehmen. Hier sind unsere Kunden, die Landwirte, voll und ganz gefordert. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass es uns gelingen wird, den Einsatz von Düngern effizienter zu gestalten. Insgesamt betrachtet geht kein Weg an der neuen Düngeverordnung vorbei. Ich bin überzeugt, dass sowohl die Landwirte als auch der Handel die Verordnung als Chance verstehen werden. So gibt es intelligente Lösungen wie Stickstoffstabilisatoren, mit Hilfe derer sich der Ausnutzungsgrad von organischen Düngemitteln deutlich erhöht. Davon profitieren Umwelt und Landwirte.

Das Gespräch führte Daphne Huber-Wagner
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