Die Düngemittelmärkte präsentieren sich in einer ruhigen Verfassung. Agrarhandel und Landwirte nutzen die Gelegenheit zur frühen Einlagerung. Die weiteren Aussichten auf dem Markt für Stickstoffdünger schätzt Verkaufsexperte Ernst Buchner von Borealis ein.

Ernst Buchner: „Für einen Anstieg der Stickstoffpreise spricht die Attraktivität gegenüber Harnstoff.“
-- , Foto: Borealis
Ernst Buchner: „Für einen Anstieg der Stickstoffpreise spricht die Attraktivität gegenüber Harnstoff.“

agrarzeitung: Wie beurteilen Sie den Start in die Düngesaison?

Buchner: Der Start im Juli 2015 verlief deutlich besser als im vergangenen Jahr. Die Preise lagen Ende August leicht über denen des Vorjahrs. Die Einlagerung ist gut gestartet und wir sehen die nitrathaltigen Düngemittel wie Kalkammonsalpeter, kurz KAS, wieder auf der Überholspur.

Wie reagieren Handel und Landwirtschaft auf die Preiserhöhungen?

Buchner: Der Startpreis für KAS lag im Juli mit 225 Euro je Tonne leicht unter dem Vorjahresniveau und wurde vom Handel sehr gut angenommen. Im Vergleich zu Harnstoff ist die Stickstoffkomponente von KAS wesentlich attraktiver als 2014. Aktuell liegt das Kursniveau für KAS bei rund 240 Euro je Tonne. Weitere Steigerungen im Sommer wurden vom Handel akzeptiert und nun ist die Preistendenz – dem Einlagerungsprinzip folgend – leicht steigend. Auch in den Nachbarländern wurden die sehr attraktiven Einlagerungskonditionen überall gut genutzt.

Was spricht für einen Anstieg der Stickstoffpreise bis zum Frühjahr 2016? Welche Argumente sprechen dagegen?

Buchner: Die Nachfrage nach KAS ist durch die aktuellen niedrigen Harnstoffpreise leicht gedämpft. Unsichere Faktoren sind die gesunkenen Preise sowohl für Getreide als auch für Milch und Fleisch. Und natürlich die volatilen Düngerpreise. Dies führte zu einer Kaufpause, die aber nicht so unüblich ist. Mit ein Grund könnten auch die gute Ernte und die daraus resultierenden vollen Getreideläger sein, die noch für die Düngereinlagerung blockiert sind. Für einen Anstieg der Stickstoffpreise spricht die Attraktivität des Nitrat-Stickstoffs gegenüber dem Harnstoff – sowohl preislich als auch in der Wirkungsweise.

In den kommenden Monaten werden wir unserer Einschätzung nach eine zurückkehrende Nachfrage nach KAS sehen, insbesondere bedingt durch die steigenden Getreidenotierungen und die leicht steigenden internationalen Harnstoffkurse.

Mit welchen Aktionen bewerben Sie eine frühe Einlagerung?

Buchner: Wir setzen auf agronomische Beratung und weisen auf die hohe Qualität unserer NPK-Mehrnährstoffdünger oder unseres KAS hin. Spezielle Aktionen oder Anreize braucht es nicht. Auch bei unseren Vario-Mischdüngern betonen wir die hohe Qualität der Rohstoffe, die für qualitätsvolle Ernteergebnisse vonnöten sind.

Auch aufgrund des Euro-Dollar-Wechselkurses sind unsere Angebote vergleichsweise attraktiv. Und es ist sinnvoll nun einzulagern, weil Preissteigerungen zu erwarten sind. Dies ist auch die Empfehlung, die wir jedes Jahr aussprechen: Beginnen Sie mit der Einlagerung im Juni und lagern Sie kontinuierlich über die Monate hinweg ein – geteilt auf drei bis vier Mal über die Einlagerungszeit. So können sowohl das Risiko als auch die Chancen gesplittet werden.

Experte im Vertrieb
Ernst Buchner (56) hat Betriebswirtschaft studiert und ist bereits seit 1986 im österreichischen Düngemittelunternehmen tätig. Im Jahr 2000 stieg er in der damaligen Agro Linz zum Exportleiter des Düngemittelvertriebs auf und 2003 folgte die Gesamtverkaufsleitung. Zwei Jahre später war Buchner federführend bei der Gründung der damaligen „Linzer Agro Trade GmbH“ mit dabei. Dies ist die Vertriebsgesellschaft von Düngemitteln der jetzigen Borealis AG. Nach weiteren Akquisitionen durch die Mutterfirma Borealis AG heißt der Düngemitteldistributeur aus Österreich seit 2012 Borealis L.A.T. Das Vertriebsunternehmen beschäftigt rund 330 Mitarbeiter in elf Ländern.

Ein wichtiger Absatzmarkt ist Südosteuropa. Borealis mit Sitz in Linz weist für 2014 einen konsolidierten Umsatz in Höhe von 8,3 Mrd.€ aus. Der Konzern ist globaler Anbieter von Polyolefinen, Basischemikalien und Düngemitteln. (da)

Mehrnährstoffdünger waren vor einigen Jahren abgeschrieben, jetzt sind sie wieder auf dem Vormarsch. Wie erklären Sie sich diesen Wandel?

Buchner: Mehrnährstoffdünger waren aus unserer Sicht nie abgeschrieben, jedoch ist ein Umschwung sicherlich bemerkbar. Dies erklären wir uns einerseits durch die Preisunwürdigkeit der Einzelkomponenten, wie zum Beispiel Diammoniumphosphat, die zu einer verstärkten Nachfrage von hochwertigen Complex-Düngern führte.

Der starke Dollarkurs im Vergleich zum Euro macht den Export außerhalb Europas attraktiv und führt zu reduzierten Mengen innerhalb Europas.

Aus agronomischer Sicht sind Mehrnährstoffdünger wieder im Kommen, weil steigende Streubreiten von oftmals 24 und 36 Metern den qualitätsbewussten Landwirt wieder verstärkt zu Complex-Düngern greifen lassen, um eine hohe Verteilgenauigkeit der Nährstoffe am Feld zu erzielen.

Rechnen Sie wieder mit größeren Einfuhren von Harnstoff aus Nordafrika?

Buchner: Die Harnstoffimporte in die EU sind im Vergleich zum Vorjahr um geschätzte 30 Prozent rückläufig. Wir rechnen daher für die kommenden Monate mit steigenden Harnstoffeinfuhren nach Europa unter anderem aus Algerien und Ägypten. Obwohl zum Beispiel die Versorgungslage in Ägypten mit Erdgas unklar ist. Importe aus anderen Ländern wie der Ukraine dürften wegen der bekannten Schwierigkeiten in den Produktionsländern zurückgehen.

Wir setzen auf vertrauensvolle Partner und qualitativ hochwertige Dünger. Diese Faktoren garantieren eine optimale Versorgung mit Düngern zur rechten Zeit und ermöglichen somit optimierte Ernteergebnisse für die Landwirtschaft.

Die Fragen stellte Daphne Huber-Wagner
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