Trotz der Trockenheit im vorigen Jahr ist die Saatgutversorgung aus den Vermehrungen zumeist gesichert. Welche Konsequenzen das Greening für die Saatgutproduktion hat, beschreibt Hans-Peter Ruopp vom Bundesverband der VO-Firmen (BVO) im Interview.


Hans-Peter Ruopp bezweifelt die Sinnhaftigkeit von einigen Komponenten in Greening- Mischungen.
-- , Foto: BVO
Hans-Peter Ruopp bezweifelt die Sinnhaftigkeit von einigen Komponenten in Greening- Mischungen.

agrarzeitung: Mit welcher weiteren Entwicklung beim Leguminosenanbau rechnen Sie?

Ruopp: Eine Aussage zur Entwicklung der Anbauflächen für Leguminosen ist spekulativ. Da sich deren Anbaufläche zuletzt fast verdoppelt und mit insgesamt 162000 Hektar alle Erwartungen übertroffen hat, ist keine wesentliche Steigerung mehr zu erwarten. Spezifische Programme einzelner Bundesländer, die eine Kombination von Greening mit der Fördermöglichkeit aus der zweiten Säule zulassen, sind aufgrund der mehrjährigen Bindung eher schon am Limit. Sicher wird der Anbau in Veredelungsbetrieben mit Eigenverwertung nach wie vor eine Rolle spielen, auch größere Ackerbaubetriebe mit entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten werden weiterhin Körnerleguminosen anbauen. Zur Erfüllung der Greening-Maßnahmen wird eher ein weiterer Trend Richtung Zwischenfruchtanbau gehen.

Wie steht es um die Saatgutversorgung?

Ruopp: Zur Ernte 2015 wurden die Vermehrungsflächen für Körnerleguminosen deutlich ausgedehnt. Die Saatguterträge bei Ackerbohnen und Körnererbsen waren, abgesehen von einzelnen Ausfallerscheinungen, in vielen Regionen zufriedenstellend. Eine abschließende Aussage zur Verfügbarkeit ist noch nicht möglich, weil die Anerkennungsverfahren noch laufen. Die Gesamtversorgung bei diesen Arten sehe ich als gewährleistet, wobei sicher nicht alle spezifischen Sortenwünsche erfüllt werden können.

Bei Lupinen zeichnet sich trotz deutlicher Ausdehnung der Vermehrungsfläche eine sehr knappe Versorgung ab. Eine Entspannung durch Importware ist nicht absehbar.

Die Erträge aus der Sojabohnenvermehrung in Deutschland sind insgesamt enttäuschend. Mit ausschlaggebend dafür war der Wassermangel zum Zeitpunkt der Blüte. Im Vergleich zu 2014 ist die Saatgutausbeute um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Insgesamt dürfte die Saatgutversorgung für 2016 aber gewährleistet sein, da eher positive Signale aus Österreich kommen.

Die Zwischenfruchtmischungen haben eine enorme Vielfalt beschert. Profitieren die Vermehrer davon oder ist das lästig?

Ruopp: Viele der Einzelkomponenten der Zwischenfruchtmischungen sind entweder klimatisch bedingt in Deutschland nicht vermehrbar oder wirtschaftlich für die Vermehrung uninteressant. Klassische Produktionsländer für die Hauptkomponenten liegen in Ost-, Südost- oder Südeuropa. Lästig für deutsche Vermehrer ist dies daher keineswegs. Lästig sind eher die vielen fremden Arten, die in Greening-Mischungen zulässig sind. Man kann durchaus an der Sinnhaftigkeit von ‚abessinischem Senf‘ oder in Südafrika beheimatetem ‚Ramtillkraut‘ zweifeln. In Verbindung mit dem Begriff ‚Ökologie‘ scheint dies doch fragwürdig.

Wie kommen Saatgutvermehrer selbst mit den Greening-Auflagen für ihre Betriebe zurecht?

Zur Person
Hans-Peter Ruopp ist erster stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der VO-Firmen (BVO), Berlin. Er ist schon lange Vorstandsmitglied und Ansprechpartner für die Region Süddeutschland im BVO. Bei der Firma Beiselen GmbH in Ulm leitet er den Geschäftsbereich Saatgut. (az)
Ruopp: Einige Vermehrungsbetriebe haben sich bereits im vorigen Jahr verstärkt für die Vermehrung von Körnerleguminosen interessiert. Dies macht in Verbindung mit den Greening-Maßnahmen durchaus Sinn. Entscheidend ist, ob die Aufbereitungsanlagen, die in der Hauptsache Saatgetreide aufbereiten, auch für Leguminosen geeignet sind. Diese Arten sind wesentlich empfindlicher. Unsachgemäße Aufbereitung kann hier schnell zum Abfallen der Keimfähigkeit führen. Greening mit Zwischenfrüchten ist für Vermehrungsbetriebe unproblematisch.

Unterstützen VO-Firmen die Ansprüche der Züchter auf Nachbaugebühren?

Ruopp: Als BVO bekennen wir uns klar zur Erhebung und Zahlung der Nachbaugebühren, weil sie den Fortbestand der mittelständisch geprägten Züchterlandschaft in Deutschland sichern. Wir befürworten die freiwillige Auskunftserteilung seitens der Aufbereiter über die aufbereiteten Mengen und Sorten von Nachbausaatgut an den Sortenschutzinhaber. Aufbereitern von Nachbausaatgut raten wir deshalb, alle in der Praxis umsetzbaren Maßnahmen zu ergreifen, um Kenntnis von der Sortenbezeichnung zu erlangen, freiwillig über die aufbereiteten Mengen und Sorten gegenüber dem Sortenschutzinhaber Auskunft zu erteilen und die Kunden bei freiwilliger Auskunftserteilung darüber zu informieren.

An den gesetzlichen Aufzeichnungs- und Auskunftsverpflichtungen für den Nachbau aufbereitende Betriebe hat sich durch das jüngste Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe nichts geändert.


Die Fragen stellte Brigitte Stein
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