Rapssaat darf wegen des bestehenden Moratoriums der EU-Kommission im zweiten Jahr nicht mit Neonicotinoid-Beizen geschützt werden. Syngenta-Pressesprecher Peter Hefner erläutert die Konsequenzen für die Schädlingsbekämpfung.

Landwirte müssen sich auf mögliche Arbeitsspitzen im Herbst einstellen, sagt Peter Hefner voraus.
-- , Foto: Syngenta
Landwirte müssen sich auf mögliche Arbeitsspitzen im Herbst einstellen, sagt Peter Hefner voraus.

agrarzeitung: Sehen Sie in absehbarer Zeit Chancen, dass Neonicotinoide als Beizmittel für Raps wieder zugelassen werden?

Hefner: Die Hoffnung soll man nie aufgeben. Ich glaube, dass es keine stichhaltigen Argumente gibt, dem Raps den Beizschutz auf immer zu verwehren. Wenn wir uns aber die jüngste negative Bewertung der europäischen Behörde für Lebensmitttelsicherheit, kurz Efsa, hinsichtlich der Spritzanwendung von Neonicotinoiden anschauen, stimmt mich das nicht sehr zuversichtlich.

Was meinen Sie konkret?

Hefner: Ich finde, dass die wissenschaftliche Diskussion aus der Balance geraten ist und rein theoretische Betrachtungen Vorrang bekommen vor den Fakten aus dem praktischen Leben. Wenn man die Bienen wirklich schützen will, muss man die richtigen Themen diskutieren. Stellt irgendjemand noch die Frage, ob wir überhaupt ein Bienensterben haben, oder ob dieser Begriff in Wahrheit nicht für eine völlig falsche Debatte missbraucht wird? Die Rapsproduzenten müssen dies nun unmittelbar ausbaden.

Worauf müssen Rapsanbauer ohne diese Beizmittel achten?

Hefner: Was bisher durch den systemischen Schutz der Neonic-Beizen gewährleistet wurde, muss jetzt durch die erhöhte Wachsamkeit des Landwirtes ersetzt werden. Es ist noch wichtiger geworden, den Befall der im Herbst auftretenden Schädlinge genau zu beobachten und nach Schadschwellenkonzept zu bekämpfen. Wir kehren zum ‚Vor-Neonicotinoid-Zeitalter‘ zurück – mit hohem Kontrollaufwand und der Unsicherheit, ob wir punktgenaue Behandlungen hinbekommen. Die knappe Zeit im Herbst muss unter Umständen neu verteilt werden und der Schädlingsdruck kann zu schwer kalkulierbaren Arbeitsspitzen führen.

Kann man denn auch ackerbaulich was tun?

Hefner: Man kann überlegen, die Aussaatstärke etwa um zehn Prozent zu erhöhen, damit der Bestand die Verluste besser ausgleichen kann. Außerdem sollte man in Zukunft Kreuzblütler konsequent bekämpfen, denn sie sind ebenfalls Wirtspflanzen für den Rapserdfloh. Gegen die Kohlfliege kann man nur noch mit ackerbaulichen Maßnahmen vorgehen. Dazu zählen auch die sorgfältige und rasche Bearbeitung der Altrapsflächen, die räumliche Auseinanderlegung von Neusaaten und Altfläche sowie die Förderung der Durchwurzelung durch eine gute Saatbettstruktur.

Auf welche Punkte sollte man bei der Spritzung achten?

Hefner: Uns stehen leider nur noch Pyrethroide zur Verfügung, die bereits resistenzgefährdet sind. Dies bedeutet, dass der Landwirt umgehend bei Erreichen der Schadschwelle mit voller Aufwandmenge bekämpfen muss. Nicht hundertprozentig wirksame Spritzungen würden den Selektionsdruck in Richtung Resistenz weiter erhöhen. In punkto Anwendungshäufigkeit gilt deswegen ‚so oft wie nötig‘. Nachdem die Pyrethroide nicht systemisch wirken, müssen wir alle Schädlinge mit der Spritzflüssigkeit treffen. Primär bedeutet das, mit ausreichend Wasser – also 250 bis 300 Liter pro Hektar – bei einem mittleren Tropfenspektrum zu arbeiten.

Zur Person
Peter Hefner ist studierter Agrarwissenschaftler. Nach einer Kommunikationsausbildung wechselte er vom Marketing in die Medienarbeit. Seit Gründung des Unternehmens Syngenta ist Hefner als Pressesprecher für Deutschland und Österreich tätig sowie für die externe Kommunikation verantwortlich. (db)

Was ist aus Sicht eines Pflanzenschutzunternehmens wichtig?

Hefner: Raps ist für die Bienen eine wichtige Trachtquelle, für Industrie und Verbraucher ein Lieferant wertvoller Öle und für den Landwirt eine profitable Kulturpflanze in einer möglichst breiten Fruchtfolge. Ohne Insektizide ist ein Anbau nicht möglich. Alle sollten sich darüber im Klaren sein, dass wir bei der Schädlingsbekämpfung im Raps keinen Plan B mehr haben!

Die Fragen stellte Dagmar Behme
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