Wolfgang Wildt: „Glyphosat bleibt bei der pfluglosen Bestellung unverzichtbar.“
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Wolfgang Wildt: „Glyphosat bleibt bei der pfluglosen Bestellung unverzichtbar.“

Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes leiden unter der schlechten Erlössituation in der Landwirtschaft. Zudem erschweren strenge Auflagen die Arbeit der Dienstleistungsunternehmen. Präsident Wolfgang Wildt will den Fachverband der Agro-Service-Unternehmen zukunftsfest machen.

agrarzeitung: Wie verändert die Novelle der Düngeverordnung die Arbeit der Agro-Service-Betriebe?

Wildt: Wir gehen davon aus, dass die im Bereich Düngung tätigen Mitgliedsunternehmen über den notwendigen Sachverstand verfügen, um die Landwirtschaft bei der im Raum stehenden praktischen Umsetzung die inhaltlichen Bestimmungen der novellierten Dünge-VO unterstützen zu können. Von Beginn an hat sich unser Verband über den Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft und Bundesverband Lohnunternehmen aktiv in die umfangreichen Diskussionen zum Entwurf der Novelle der Düngeverordnung eingebracht. Auch die Mitglieder werden ständig über die jeweils aktuellen Sachstände informiert.

Wie stellen sich die Dienstleister auf ein kleineres Zeitfenster bei der Ausbringung von Dünger ein?

Wildt: Im Zusammenhang mit der Verlängerung der Sperrfristen für den Einsatz stickstoff-haltiger Düngemittel werden, insbesondere bei den flüssigen organischen Düngern sowie bei den Gärresten, saisonale Kapazitätsaufstockungen notwendig sein. Das erfordert in den erwartbaren Arbeitsspitzen höhere Transport- und Ausbringekapazitäten sowie mehr qualifiziertes Personal, das zur Verfügung gestellt werden muss.


Gemeinsamer Verbandsauftritt ab 2017
Die Mitgliederversammlungen der Agroservice & Lohnunternehmerverbände Sachsen/Thüringen und Nordost e. V. haben Anfang Februar die Fusion auf dem Wege der Umwandlung des Fachverbandes zum „Agroservice & Lohnunternehmerverband e. V.“ beschlossen. Die dazu notwendigen Dokumente wie Verschmelzungsbericht, Verschmelzungsvertrag und Verbandssatzung wurden im Entwurf auf der Mitgliederversammlung in Brehna beschlossen, sodass die Fusion durch Umwandlung zum 1. Januar 2017 wirksam wird.
Bewährte verbandliche Instrumente wie die gemeinsamen Fachausschüsse, die Mitgliedschaften in Bundesverbänden und weiteren Einrichtungen werden fortgeführt, verspricht Präsident Wolfgang Wildt: „Über die Einrichtung von Regionalgruppen tragen wir den Anforderungen als Tarifvertragspartei der Gewerkschaft Bauen-Agrar- Umwelt Rechnung.“
Den verbandlichen Ehren- und Hauptämtern ist es gelungen, die Mitgliedsunternehmen auf dem Wege zur Schaffung „zukunftsfester Verbandsstrukturen“ mitzunehmen. Das haben die deutlichen Abstimmungsergebnisse zu den Fusionsdokumenten eindeutig gezeigt, so Wildt. Der 52-Jährige ist Geschäftsführer der Lobensteiner Landhandels- u. Dienste GmbH in Saalburg-Ebersdorf.

Was passiert danach?

Wildt: Momentan wird bei der wohl erforderlichen Kapazitätsausweitung abgewartet, inwieweit in Planung befindliche länderspezifische Förderprogramme für den umweltschonenden Einsatz dieser Düngung den Dienstleistungssektor mit einbeziehen. Nach uns vorliegenden Informationen wollen die einzelnen Bundesländer dabei unterschiedliche Wege gehen. So wird in Mecklenburg-Vorpommern über einen Förderbetrag von 48 Euro je Applikationshektar beim Einsatz umweltrelevanter Technik gesprochen. In Nordrhein-Westfalen existiert bereits ein Programm, welches auf eine Förderung – Stichwort ‚verlorener Zuschuss‘ – beim Erwerb entsprechender Auf- und Einbringungsgeräte hinausläuft. Hier sind die Lohnunternehmen definitiv mit dabei.

Spüren Sie die angespannte Erlössituation landwirtschaftlicher Betriebe im Auftragseingang?

Wildt: Hier sind die Signale nicht eindeutig. Auf der einen Seite könnte bei den Landwirten das Geld fehlen, um die Aufträge an Dritte zu bezahlen. Auf der anderen Seite – und das zeigen die Erhebungen zu den landwirtschaftlichen Investitionsvorhaben – fehlen die finanziellen Mittel in der Landwirtschaft selbst, um in zusätzlich erforderliche Ausbringungskapazitäten zu investieren.

Kritik an der Landwirtschaft bekommen Ihre Mitgliedsfirmen bei der Feldarbeit zu spüren. Wie informieren Sie die Bevölkerung über Belastungen von Ortsdurchfahrten oder Pflanzenschutzmaßnahmen?

Wildt: Hier möchte ich auf eine aktuelle Kampagne des Bundesverbandes Lohnunternehmen, kurz BLU, in den unsere Mitgliedsunternehmen eingebunden sind, verweisen. Der BLU hat im letzten Herbst diese Kampagne unter dem Titel „LU-Einsatz mit Vernunft und Sachverstand – 10 Punkte für Image und Akzeptanz“ gestartet. Das ist auch aus unserer Sicht ein Stück gezielter Öffentlichkeitsarbeit, mit der sowohl nach innen als auch nach außen in Form einer verbandlichen Selbstverpflichtung aufgetreten wird.

Und wie können Sie Wettbewerber in Schach halten?

Wildt: Von ‚Wettbewerber in Schach halten‘ möchten wir nicht sprechen. Unter Berufskollegen setzen wir besser auf eine gute Kommunikation untereinander, besser noch auf Kooperation.

Welche Auswirkungen hätte ein Glyphosatverbot?

Wildt: Nach den jüngsten Abstimmungen dazu im Deutschen Bundestag sowie der doch positiven Signale hinsichtlich einer Zulassungsverlängerung seitens der EU rechnen wir eher nicht mit einem durchgängigen Verbot. Einschränkungen beim Glyphosateinsatz, wie bei der Sikkation, sind ja bereits wirksam geworden. Was den Haus- und Gartenbereich betrifft – da wären zumindest Einsatzbeschränkungen oder auch -verbote denkbar. Einige große Einzelhandelsketten haben ja bereits glyphosathaltige Mittel aus den Regalen genommen. Für verschiedene, in der landwirtschaftlichen Praxis seit Jahren bewährte und umfangreich angewandte Verfahren wie die pfluglose Bestellung bleibt Glyphosat unverzichtbar.

Die Fragen stellte Daphne Huber-Wagner
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