Report Anbaustrategien Kartoffeln

Interview mit Dr. Carl-Stephan Schäfer


Carl-Stephan Schäfer lobt die Anstrengungen der Behörden, die den Pflanzgutexport ermöglichen.
-- , Foto: BDP
Carl-Stephan Schäfer lobt die Anstrengungen der Behörden, die den Pflanzgutexport ermöglichen.

Das russische Embargo für europäische Lebensmittel ist eine Folge der politischen Spannungen zwischen Russland und der EU. Pflanzkartoffeln sind davon zwar ausgenommen. Lieferungen sind mit komplizierten Auflagen verbunden. Ein genaueres Bild zeichnet Carl-Stephan Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter.

agrarzeitung: Wie verläuft das Prozedere denn jetzt genau?

Schäfer: Pflanzkartoffeln sind von dem politischen Embargo der Russischen Föderation für Lebensmittellieferungen aus der Europäischen Union ausgenommen. Die russische Seite besteht jedoch auf einer stichprobenartigen phytosanitären Kontrolle des einzuführenden Pflanzgutes durch russische Inspektoren im Erzeugungsland. Dies geht über die Regelungen der International Plant Protection Convention, IPPC, hinaus, die lediglich ein Audit des phytosanitären Systems des Erzeugerlandes vorsehen. Nach erfolgtem Audit sollten die im Ursprungsland ausgestellten phytosanitären Zeugnisse anerkannt werden. Wir sind sehr froh, dass es durch die gemeinsamen Anstrengungen der russischen und deutschen Behörden gelungen ist, auch weiterhin den Export von Pflanzkartoffeln sicherzustellen. Wir befinden uns weiterhin im Gespräch mit den Behörden in Russland und in Deutschland, um nach Möglichkeiten zu suchen, den künftigen Export auf der Grundlage eines Systemaudits durchzuführen.

Worauf untersucht Rosselkhoznadzor die Pflanzgutpartien?

Schäfer: Das Pflanzgut wird auf das Vorhandensein von Quarantänekrankheiten sowie die Erfüllung der Anforderungen an die Beschaffenheit des Pflanzgutes – wie Virus, äußere Fehler, anhaftende Erde – untersucht. Sollten Mängel festgestellt werden, ist das Pflanzgut vom Import ausgeschlossen. Qualitätskrankheiten werden im Saatgutrecht geregelt. Hier gibt es unterschiedliche Qualitätsnormen für die jeweiligen Pflanzgutkategorien.

Warum wurde in diesem Jahr so häufig nachträglich bemängelt?

Schäfer: An einigen wenigen Pflanzgutproben wurden Qualitätsmängel festgestellt. Die übrigen Beanstandungen bezogen sich nach unserer Kenntnis auf Unstimmigkeiten bei den die Partien begleitenden Papieren. Dabei ging es um formale Schwierigkeiten, bedingt durch abweichende Angaben je nach Bundeslandsherkunft. Nach unseren Informationen konnten aber letztendlich alle Partien importiert und auch in Verkehr gebracht werden. In einzelnen Fällen war bei Vorhandensein von Qualitätsmängeln eine Abstufung der Pflanzgutkategorie erforderlich – ein üblicher Vorgang. An dieser Stelle möchte ich jedoch ausdrücklich betonen, dass unsere Mitgliedsunternehmen große Sorgfalt bei der Auswahl der Waren walten lassen. Russland ist ein guter und zuverlässiger Kunde, an den wir nur höchste Qualität liefern.

Von einem gemeinsamen Vorgehen der EU-Länder ist keine Rede mehr?

Schäfer: Wir bedauern das sehr. Als im Jahr 2013 zum ersten Mal der Wunsch nach dem Einsatz von russischen phytosanitären Inspektoren in der EU laut wurde, hatten wir uns für eine gemeinsame Haltung der Mitgliedstaaten eingesetzt. Nachdem aber einzelne Mitgliedstaaten auf die Forderungen der russischen Seite eingegangen waren und von der Forderung eines Systemaudits Abstand genommen haben, ließ sich diese Position nicht mehr halten.

Die niederländische Staatssekretärin unterstützt die Exporte ausdrücklich. Und die Bundesregierung?

Schäfer: Nicht nur das niederländische Ministerium unterstützt seine Exporteure. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium vom Minister über die Staatssekretäre bis hin zur höheren administrativen Ebene im Ministerium setzt sich mit hohem Engagement für unsere Anliegen ein. Die Schaffung der Stabsstelle 05 ‚Koordinierung Export‘ zeugt von dieser Unterstützung. Dafür sind wir allen Beteiligten sehr dankbar.

Wie entwickeln sich die deutschen Pflanzkartoffelexporte?


Schäfer:
Genaue Zahlen liegen uns nicht vor. Neben Deutschland liefern auch die Mitgliedsstaaten Niederlande, Finnland, Polen und Frankreich. Der Bedarf in Russland ist hoch. Deutsche Sorten eignen sich in besonderer Weise für den Anbau unter den klimatischen Verhältnissen in Russland. Nach unserer Kenntnis laufen die deutschen Exporte sehr gut.

Die Fragen stellte Brigitte Stein
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