Er freut sich, dass Blühflächen als Greeningmaßnahme gelten: Manfred Hudetz.
-- , Foto: Syngenta
Er freut sich, dass Blühflächen als Greeningmaßnahme gelten: Manfred Hudetz.

An einer Vielzahl von Projekten innerhalb des Unternehmens und mit Außenwirkung arbeitet Syngenta. Wie die globale Initiative, die Einführung neuer Produkte und Aktionen vor Ort sich gegenseitig ergänzen, erklärt Manfred Hudetz im Interview mit der agrarzeitung (az).

Mit welchen Erwartungen geht Syngenta in die Pflanzenschutzsaison?

Hudetz: Die Voraussetzungen für das Pflanzenschutzgeschäft sind zufriedenstellend. Wir konnten eine gute Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln durch den Großhandel verzeichnen. Mit Moddus Start haben wir ein neues Konzept bei Wachstumsregulatoren eingeführt, das im Markt gut angenommen wird. Auf Basis der Seguris-Familie sehen wir gute Chancen, unsere Position bei Getreidefungiziden weiter zu verbessern, und in Mais und den anderen Kulturen sind wir dabei. Wir erwarten also weiteres Wachstum. Allerdings müssen wir wie jedes Jahr auf das Wetter schauen, denn das entscheidet am Ende über die Nachfrage beim Landwirt.

Haben Sie besondere Themen in diesem Jahr?

Hudetz: Dieses Jahr wird bei uns sehr intensiv werden. Neben den aktuellen Produkten bereiten wir den Markt für zwei Schwerpunkte vor. Mit der Marke Vibrance führen wir eine neue Technologie im Saatschutz für das Getreide ein und mit dem Wirkstoff Solatenol steht unser zweites Getreidefungizid aus der Carboxamid-Familie zur Zulassung an. Außerdem hoffen wir, endlich die Zulassung für unser Herbstherbizid Atlas zu erhalten.

Was treibt Sie aktuell sonst noch um?

Hudetz: Natürlich beschäftigt mich die Situation im Bereich Zulassung. Mir ist klar, dass der Hinweis auf den drohenden Verlust wichtiger Wirkstoffe wie ein Klagen auf hohem Niveau daherkommt. Fakt ist aber, dass wir mit den Neonicotinoiden erstmals eine Wirkstoffgruppe aufgrund politischer Entscheidungen zumindest vorübergehend verloren haben. Für mich ist das ein Beispiel für das im Pflanzenschutz überstrapazierte Vorsorgeprinzip. Es ist deshalb gut, dass sich aktuell bundesweit annähernd 200 Landwirte an der Aktion ‚Schau ins Feld’ der Aktionsplattform ‚Die Pflanzenschützer‘ beteiligen. Sie zeigen damit der Öffentlichkeit, dass es ohne einen wirkungsvollen Pflanzenschutz auf dem Acker nicht geht.

Zur Person
Seit März 2014 ist Dr. Manfred Hudetz Geschäftsführer der Syngenta Agro GmbH. Der promovierte Agrarwissenschaftler an der Spitze des Pflanzenschutz- und Saatgutunternehmens im hessischen Maintal. Hudetz ist promovierter Agrarwissenschaftler. Er hatte bereits verschiedene Führungspositionen bei Syngenta inne. Unter anderem leitete er den Bereich Saatschutz und hatte die Geschäftsführung der Syngenta-Tochtergesellschaft in Polen und dem Baltikum. Er hat die Geschäftsleitung des Unternehmens mit Sitz im hessischen Maintal von Michael Escher übernommen. (brs)

Ist vor diesem Hintergrund auch die Idee für den ‚Good-Growth-Plan’ von Syngenta entstanden?

Hudetz: Jedem Unternehmen in der Agrarbranche ist klar, dass wir uns in einem sehr kritischen Umfeld bewegen. Mir würde spontan ein halbes Dutzend Themen einfallen, die geeignet sind, um für eine schnelle Schlagzeile herzuhalten. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe von Unternehmen wie Syngenta, das schiefe Bild von Landwirtschaft gerade zu rücken und Antworten zu liefern. Deshalb sind wir weltweit im Rahmen unseres Good- Growth-Plans sechs Verpflichtungen eingegangen, um zu zeigen, dass Themen wie Produktivität, Bodenschutz und Biodiversität wie auch die Arbeit in der Landwirtschaft gut miteinander verbunden werden können.

Wie begegnen Sie Kritikern, die sagen, das sei ‚Greenwashing‘?

Hudetz: Unsere Antwort auf diesen Vorwurf heißt Transparenz. Erstmals haben wir vor drei Wochen einen ersten Fortschrittsbericht zum Good-Growth-Plan vorgelegt. Darin sind die einzelnen Verpflichtungen und Projekte sehr genau beschrieben und Kriterien definiert, gegen die wir unsere Aktivitäten weltweit messen. So konnte Syngenta im ersten Jahr bereits etwa 3600 Referenzbetriebe weltweit gewinnen, in denen wir die Produktivitätsfortschritte messen. Außerdem wurden Projekte zur Bodenschonung auf etwa 800000 Hektar und zur Förderung der Biodiversität auf etwa 700000 Hektar angeschoben. Weltweit haben wir fast fünf etwa 4,7 Millionen Landwirte im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln trainiert.

Welche Aktivitäten gibt es in Deutschland?

Hudetz: Die verbesserte Produktivität können wir gut über unsere Referenzbetriebe mit unserer Hyvido-Hybridgerste darstellen. Hier liegen wir mit einem Mehrertrag von etwa 0,6 Dezitonnen über dem bundesweiten Durchschnitt. Mit dem Projekt ‚Syngenta Bienenweide’ konnten wir über die Jahre schon einige Tausend Landwirte motivieren, Blühstreifen für Bienen und bestäubende Insekten anzulegen. Wir freuen uns deshalb auch sehr, dass Blühflächen im Rahmen des Greenings als förderungswürdig eingestuft wurden. Einen weiteren Schwerpunkt haben wir in Deutschland rund um das Thema ‚Sichere Anwendung‘ gesetzt und ein eigenes Expertenteam gebildet, das über die aktuellen Entwicklungen in zahlreichen Vorträgen und Seminaren informiert.

Wie gehen zusätzliche Aufgaben zusammen mit den Strukturveränderungen in Ihrem Unternehmen?

Hudetz: Im Augenblick schließen wir die Integration der SW Seed bei Raps und Getreide ab. Damit waren auch einige Strukturanpassungen in den Bereichen Warenversorgung, Technik und Marketing verbunden. Ich denke, wir konnten dies gut lösen, sodass wir gut aufgestellt sind. Wir haben ja noch viel vor.

Die Fragen stellte Brigitte Stein.
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