Markus Röser: „Wenn der Landwirt permanent draufzahlt, dann lässt sich Nachhaltigkeit schwer umsetzen.“
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Markus Röser: „Wenn der Landwirt permanent draufzahlt, dann lässt sich Nachhaltigkeit schwer umsetzen.“

Die BASF errichtet ein Netzwerk für die Nachhaltigkeit. In Deutschland sind bald 15 landwirtschaftliche Betriebe eingebunden. Die agrarzeitung (az) sprach mit Markus Röser über die Motive der Beteiligten, die Erfahrungen und die Perspektiven.

agrarzeitung: Warum beschäftigen Sie sich als Anbieter von Pflanzenschutzmitteln mit der Nachhaltigkeit?

Röser: Nachhaltigkeit ist für die gesamte BASF eine der Säulen der Strategie und auch im Pflanzenschutz extrem wichtig. Nachhaltigkeit ist die Basis, um der Landwirtschaft Innovationen zur Verfügung zu stellen. Wir sehen aber auch, dass der gesellschaftliche Druck auf die moderne Landwirtschaft und besonders den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln steigt. Das Bundesamt für Naturschutz etwa macht die Landwirtschaft für den Artenschwund verantwortlich. Hier möchten wir handeln, bevor der Gesetzgeber eingreift.

Wie binden Sie Landwirte ein?

Röser: Es geht uns darum, dass der Landwirt Anforderungen an die Nachhaltigkeit auf freiwilliger Basis erfüllt. Wir suchen einen pragmatischen Weg. Denn mit gesetzlichen Einschnitten können Landwirte noch weniger umgehen. Das sehen Sie besonders gut an den Schwierigkeiten, die mit der Einführung von Greening-Maßnahmen verbunden sind.

Was kostet Nachhaltigkeit den Landwirt?

Röser: Nicht jede Maßnahme muss viel kosten. Es gibt Leistungen, die relativ einfach durchzuführen sind. Wir haben jetzt die Versuche auf unserem Nachhaltigkeitsbetrieb in Quellendorf ausgewertet. Der Ertragsverlust, der durch die Anlage von Lerchenfenstern entsteht, lässt sich mit 4,62 Euro pro Hektar bewerten. Der Aufwand für den Landwirt ist äußerst gering. Er muss bei der Saat einfach nur kurz die Sämaschine anheben. Mit dieser simplen Maßnahme ist auf dem Nachhaltigkeitsbetrieb in Quellendorf die Zahl der Brutpaare binnen drei Jahren fast auf das Dreifache gestiegen.

Und wie lässt sich Nachhaltigkeit bewerten? Da gibt es doch unzählige Ansätze.

Röser: Es wäre hilfreich, wenn sich alle Beteiligten – die Ministerien, Behörden, Agrar- und Industrieverbände sowie die Naturschutzorganisationen – auf relevante Indikatoren einigen könnten. Sie würden eine Orientierung bieten und mehr Planungssicherheit schaffen. Dabei muss nicht jeder Indikator auf Dauer gelten. Jede Kenngröße lässt sich nachjustieren, sobald wir mehr wissen.

Wie viel wissen wir überhaupt zur Nachhaltigkeit? Können wir sicher sein, das Richtige zu tun?

Röser: Um diese Fragen zu klären, haben wir einen Expertendialog Biodiversität ins Leben gerufen. Und dort haben festgestellt, dass es große Wissenslücken gibt. Aber das ist kein Argument für Untätigkeit. Wichtig ist, daswir s wir Stück für Stück vorankommen. Wir müssen auch mal etwas ausprobieren und dann bewerten. Eine typische Frage ist: ‚Verwenden wir eigentlich die richtige Blühmischung?‘ Man sollte nicht auf eine ‚eiermilchlegende Wollmilchsau‘ warten. Jede Maßnahme kann etwas bringen. Es ist durchaus sinnvoll, wenn sich die einen mehr um den Bienenschutz, die anderen um Gewässerschutz oder wieder andere um Lerchenfenster kümmern. Wichtig ist aber auch die ökonomische Bewertung. Denn wenn der Landwirt permanent draufzahlt, dann lässt sich Nachhaltigkeit schwer in der Praxis umsetzen.

Werden solche Nachteile nicht ausreichend durch Prämien ausgeglichen?

Röser: Wir betrachten Nachhaltigkeit nicht primär unter dem Blickwinkel der Prämienoptimierung. Für uns ist entscheidend, dass die Maßnahmen für den Betrieb ökologisch und ökonomisch passen. Dann erst prüfen wir, welche solcher sinnvollen Maßnahmen als Greening gelten können und welche eher in spezielle Agrarumweltprogramme passen würden.

Zur Person
Nachhaltigkeit ist seit drei Jahren ein Schwerpunkt in der Arbeit von Markus Röser (Jahrgang 1969). Der gelernte Industriekaufmann hat nach einem betriebswirtschaftlichen Studium zunächst in der Spezialchemie sowie in der Unternehmensberatung gearbeitet. Mit dem Eintritt in die BASF 2012 hat Röser die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Nachhaltigkeit im Deutschland-Bereich Pflanzenschutz übernommen. Seit 1.Juli leitet er hier die Abteilung Kommunikation, Politik und Nachhaltigkeit. (db)

Welche Erfahrungen machen Sie persönlich in der Nachhaltigkeitsdebatte?

Röser: Spannend finde ich, dass wir hier kein Schwarz-Weiß-Denken haben, das ja sonst beim Thema Landwirtschaft schnell hochkommt. Bei Nachhaltigkeit geht es nicht um klein versus groß, konventionell versus ökologisch oder modern versus idyllisch. Wenn wir als gemeinsames Ziel eine höhere Nachhaltigkeit anstreben, verschwinden diese Gegensätze. Es ist durchaus möglich, eine effiziente und moderne Landwirtschaft zu betreiben und gleichzeitig Artenvielfalt und Naturschutz zu fördern.

Wie geht es bei der BASF mit der Nachhaltigkeit weiter?

Röser: Die Projekte auf unseren Nachhaltigkeitsbetrieben sind auf zehn Jahre angelegt. Hier gewinnen wir unser Know-how, das wir in der Beratung weitergeben wollen. Das Thema Nachhaltigkeit ist mittlerweile in den Genen unseres gesamten Außendienstes verankert.

Das Gespräch führte Dagmar Behme
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