Erfährt Unterstützung für das Clearfield-System von den Saatgutanbietern: Michael Hess, BASF Deutschland.
-- , Foto: BASF
Erfährt Unterstützung für das Clearfield-System von den Saatgutanbietern: Michael Hess, BASF Deutschland.

Auf innovativen Pflanzenschutz setzt die BASF Crop Protection. Der intensive Dialog darüber ist eine notwendige Ergänzung. Optimistische Erwartungen begründet Deutschland-Chef Michael Hess im Interview mit der agrarzeitung (az) nicht mit dem Wetter.

Wie sind die Erwartungen an das deutsche Pflanzenschutzgeschäft 2015?

Hess: Nach dem vergleichsweise milden Winter gab es kaum Auswinterungen. Die Kulturen haben sich sehr gut entwickelt. Das sind beste Voraussetzungen für hohe Erträge. Alles in allem kann man also von einer guten Ausgangslage für das Pflanzenschutzgeschäft sprechen.

Auch wenn das Frühjahr regional zu trocken war?

Hess: Ich bin jetzt seit über 25 Jahren im Agrarmarkt und ich habe zu Silvester den Vorsatz gefasst, nicht übers Wetter zu reden. Egal, ob es im Frühjahr zu nass oder zu trocken ist, gleicht sich das in unseren Breitengraden meist ganz gut aus.

Können Sie aus den Vorbestellungen schon Trends ableiten?

Hess: Wir sehen den Trend, dass die moderne Landwirtschaft auch in diesem Jahr intensiv wirtschaften wird. Sie hat hohe Qualitätserwartungen und setzt dafür gezielt Produktionsmittel wie innovativen Pflanzenschutz ein.

Es ist aber auch zu hören, dass wegen der niedrigeren Getreidepreise die Intensität zurückgeht.

Hess: In Deutschland beobachten wir nicht, dass aufgrund volatilerer Commodity-Preise gespart wird. Hier wird in Qualität investiert. Und dann muss man die Preise auch relativieren. Sie liegen immer noch über dem langjährigen Mittel.

Im vergangenen Jahr waren innovative Fungizide knapp, auch Ihr Mittel Adexar. Sind die Engpässe überwunden?

Hess: Wir sind in diesem Jahr insgesamt gut aufgestellt – vor allem, weil wir deutlich in die Anlagenausweitung investiert haben. Natürlich ist nicht immer vorhersehbar, wie sich die regionale Nachfrage nach speziellen Artikeln entwickelt. Engpässe versuchen wir dennoch zu vermeiden. Speziell für Adexar und Osiris sieht die Warenverfügbarkeit sehr gut aus.

Zur Person
Michael Hess leitet seit 2012 die Geschäftseinheit Pflanzenschutz Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux der BASF SE. Der 52-Jährige ist gelernter Landwirt und studierter Agraringenieur. Berufliche Stationen führten ihn von der Agrartechnikindustrie über internationale Pflanzenschutzunternehmen 2000 zur BASF. Dort leitete Hess zunächst den Deutschland-Vertrieb und nahm anschließend eine Reihe von verschiedenen Führungspositionen im europäischen Vertrieb ein. (db)

Was wird die nächste Innovation bei Fungiziden?

Hess: Wir werden in Deutschland bis 2020 eine Vielzahl neuer Produktlösungen im Bereich Fungizide in allen Kulturen auf den Markt bringen können. Im kommenden Jahr erwarten wir die Zulassung von Ceriax. Es handelt sich um ein weiteres, breit wirksames Getreidefungizid mit dem Wirkstoff Xemium, der auch in Adexar enthalten ist, in Kombination mit den Wirkstoffen Epoxiconazol und F500.
Außerdem wird BASF das Produktportfolio für Sonderkulturen deutlich erweitern. Wir haben sehr stark in Gemüse, Obst- und Weinbau investiert – ich bin sehr stolz, dass wir in dem Bereich über ein großes Know-how verfügen und mit Abstand bei Fungiziden der Marktführer sind.

Wie geht es mit Clearfield weiter?

Hess: Nach der Einführung des Clearfield-Systems 2012 haben wir gemerkt, dass wir mehr Dialog brauchen. Jetzt, fast drei Jahre später, sind wir alle sehr froh und auch ein bisschen stolz darauf, wie weit wir im Dialog gekommen sind. Ermutigend ist außerdem, dass die Saatgutpartner mitziehen und jedes Jahr neue Sorten auf den Markt bringen. BASF wiederum wird 2016 das Clearfield-System um ein weiteres Herbizid ergänzen. Außerdem wollen wir das System auf Leguminosen ausdehnen.

Wie ist die Zulassungssituation im Pflanzenschutz? Haben sich die Staus aufgelöst?

Hess: Wir haben uns alle mehr von der zonalen Zulassung versprochen. Der Aufwand ist sowohl für die nationalen Behörden als auch für uns als Hersteller wesentlich höher geworden. Eigentlich sollte die zonale Zulassung den Aufwand senken! Wenn wir für Deutschland eine Zulassung bekommen, dann heißt das noch lange nicht, dass dies auch in Österreich der Fall ist – nach der vorgeschriebenen Frist von vier Monaten für die gegenseitige Anerkennung. Wir erleben sehr oft, dass Nachforderungen kommen. Dies führt zu Planungsunsicherheit für alle Beteiligten und letztendlich auch für den Landwirt selbst, dem der Zugang zu Produktinnovationen länger verwehrt bleibt. Ab August kommen die Verzögerungen durch die vergleichende Bewertung hinzu. Die wird in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich praktiziert.

Sind biologische Lösungen ein Ausweg? Was tut sich im biologischen Pflanzenschutz?

Hess: Wir sind seit der Übernahme von Becker Underwood auch hier gut aufgestellt. Für den europäischen Markt interessant aus diesem Bereich Functional Crop Care sind als bereits etablierte Lösung Nematoden-Produkte zu nennen. Sie kommen zum Beispiel in den Unterglaskulturen in den Niederlanden zum Einsatz. Aber es gibt auch ganz interessante Versuche mit dem Einsatz als Beizmittel für Raps. Da haben wir erstaunliche Ergebnisse erzielt und sind beeindruckt, welche Wirkungen im biologischen Pflanzenschutz möglich sind. Wir prüfen derzeit, ob diese gute Wirkung der ersten Testphase sich auch langfristig beweist. Um mehr Aussagen zu treffen, brauchen wir noch mehrere Jahre.

Das Gespräch führte Dagmar Behme.
stats