Report Pflanzenschutz

Interview mit Prof. Holger B. Deising


Holger Deising: „In Berlin wird die Saat für einen wissensbasierten Pflanzenschutz der Zukunft gelegt."
-- , Foto: Uni Halle
Holger Deising: „In Berlin wird die Saat für einen wissensbasierten Pflanzenschutz der Zukunft gelegt."

Ende August diskutieren Experten aus aller Welt bei ihrem internationalen Kongress in Berlin, wie der integrierte Pflanzenschutz weiterentwickelt und etabliert werden kann. Der Tagungspräsident Holger Deising nennt im Gespräch mit der agrarzeitung (az) die Bedeutung für die Landwirtschaft.

agrarzeitung: Der Internationale Pflanzenschutzkongress findet erstmals in Deutschland statt. Welche Impulse erwarten Sie?

Deising: Die DPG ist eine der größten phytomedizinischen Gesellschaften der Welt. Wir haben in Berlin die Chance, das auch sichtbar zu machen. Es kommen immerhin die besten Wissenschaftler der Welt. Sie bilden das Spektrum von der Molekularbiologie bis zur Agrarwissenschaft, von der Grundlagenforschung bis zum praktischen Anbau ab. Wir erwarten einen regen Austausch zwischen den unterschiedlichen Ausrichtungen und Disziplinen. Eine weitere Brücke bietet die Vielfalt der geografischen Herkunft. Die Wissenschaftler stammen aus den unterschiedlichsten Kulturen. Da sind die Kolleginnen und Kollegen aus den USA, aber auch aus Südamerika und China, für die es völlig normal ist, gentechnische Methoden anzuwenden. Sie treffen auf die Zurückhaltung in Europa. Unabhängig von solchen Differenzen: Dieser hochkarätige internationale Kongress bietet Chancen für die Gründung von Kooperationen, auch mit der Pflanzenschutz- oder Saatgutindustrie, die methodisch oder thematisch getragen sein können.

Wo legt die DPG als Veranstalter in diesem Jahr Schwerpunkte?

Deising: Der Kongress steht unter dem Titel ‚Food for all through appropriate plant protection‘ – also übersetzt ‚Nahrung für alle durch angemessenen Pflanzenschutz‘. Das ist eines der wichtigsten globalen Zukunftsthemen. Spannende Diskussionen sind in Deutschland zu erwarten, denn hier wird der Nutzen, den der chemische Pflanzenschutz bietet, oft nicht gesehen. Durch die Betonung möglicher Restrisiken wird zu oft der Fortschritt im Pflanzenschutz verhindert. Das Ziel muss aber eine wissensbasierte und objektive Einschätzung neuer Technologien sein, und dafür ist ein internationales Forum eine ideale Plattform.

Tagungspräsident
Prof. Dr. Holger B. Deising ist als 1.Vorsitzender der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft (DPG) Tagungspräsident des 18. Internationalen Pflanzenschutzkongresses (IPPC), der vom 24. bis 27. August in Berlin stattfindet. Es werden bis zu 2000 Teilnehmer erwartet. Deising ist Pflanzenschutz-Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. (db)

Gibt es Besonderheiten in Berlin?

Deising: Uns als Veranstaltern liegt besonders das Angebot für junge Wissenschaftler am Herzen. Die DPG hat eine hervorragende Nachwuchsarbeit. Deswegen unterstützen wir die Teilnahme möglichst vieler Doktorandinnen und Doktoranden, die bei dem Kongress ihre Arbeit vorstellen können. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können als ‚Student Reporters‘ spannende Themen darstellen und im Treffpunkt ‚Junior Scientists World Café‘ über weltweit bedeutende Themen des Pflanzenschutzes debattieren. Ich denke, dass insbesondere hier die Saat für einen wissensbasierten Pflanzenschutz der Zukunft gelegt wird.

Welche Kongressthemen sind für landwirtschaftliche Praktiker von Interesse?

Deising: Wir hoffen, dass durch den internationalen Austausch auch neue Lösungen für die Praxis vorgestellt werden. In diesem Zusammenhang ist die DPG sehr erfreut darüber, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr und mehr auf die praktische Relevanz ihrer Forschung Wert legen. Und ich glaube, dass einige Themen des Kongresses durchaus von aktuellem Interesse für Landwirte und Berater sein könnten. Dazu gehören die Resistenz gegen Schadorganismen in bestimmten Sorten und die Trockenstresstoleranz.

Das Gespräch führte Dagmar Behme
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