Laut den Juni-Ergebnissen des Konjunkturbarometers Agrar des Deutschen Bauernverbandes (DBV) fällt das geplante Investitionsvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Drittel geringer aus. Es geht hochgerechnet auf ein Jahr von 6,1 auf 4,0 Mrd. € zurück. Nur 27 Prozent der Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten investieren; vor einem Jahr waren es noch 34 Prozent. Die Zurückhaltung betrifft alle Investitionsbereiche und Betriebszweige.

Innerhalb des geschrumpften Investitionsvolumens nimmt der Bereich Ställe und Stalltechnik 2,6 Mrd. € (gegenüber Vorjahr minus 1,4 Mrd. €) ein. Mit 0,6 Mrd. € sind die Maschineninvestitionen ebenso rückläufig (minus 0,3 Mrd. €) wie die Investitionen in erneuerbare Energien mit ebenfalls 0,6 Mrd. € (minus 0,2 Mrd. €). Auf geplante 0,2 Mrd. € sind die Pläne für außerlandwirtschaftliche Investitionen gefallen (minus 0,3 Mrd. €). Dabei handelt sich es vornehmlich um Investitionen in Wohngebäude.

Aktuell ist der Konjunkturindex gegenüber der vorangegangenen Erhebung (März 2015) von 21,2 auf 20,2 Punkte leicht zurückgegangen. Im Juni 2014 lag dieser Wert noch bei 30,7 Punkten. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.

Ackerbau- und Veredlungsbetriebe zuversichtlich

Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation hat sich im Juni weiter verschlechtert, besonders im Osten Deutschlands. Die aktuelle Preissituation am Milchmarkt hinterlässt deutliche Spuren in den Futterbaubetrieben. Ihre wirtschaftliche Situation wird gegenüber dem Frühjahr deutlich schlechter eingeschätzt. Ackerbau- und Veredlungsbetriebe dagegen gehen von einer leicht verbesserten wirtschaftlichen Situation aus.

Die Zukunftserwartungen haben sich in allen Betriebsformen seit dem Frühjahr kaum verändert. Mit dem Wert von 3,16 wird die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt der Betriebe kritischer beurteilt als die aktuelle Lage (2,95 auf der Notenskala von 1 bis 5). Im Mehrjahresvergleich ist in den Acker- und Futterbaubetrieben eine besonders große Skepsis über die wirtschaftliche Zukunft anzutreffen.

Hohe Pacht- und Milchpreise - niedrigere Ernteerwartungen

Hauptgründe für die aktuell verschlechterte Stimmungslage sind die gegenüber dem Frühjahr stark gefallenen Milchpreise sowie niedrigere Ernteerwartungen. Den größten belastenden Einfluss schreiben die Landwirte unverändert hohen Pachtpreisen zu.

Im Jahresvergleich haben vor allem die Milch- und Schweinepreise die Stimmung der Landwirte eingetrübt. Die Erwartungen an die Ernte sind erheblich schlechter als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Entlastungen sehen die Landwirte dagegen vor allem bei Treibstoffen und Energie. Schlechter werden die politischen Rahmenbedingungen bewertet. Offensichtlich tragen die anstehende Novellierung der Dünge-Verordnung, die Regelungen zum Mindestlohn, die Bürokratie der aktuellen Agrarreform sowie die kritische öffentliche Diskussion über eine moderne Landwirtschaft derzeit zusätzlich zur Verunsicherung der Landwirte und ihrer starken Investitionszurückhaltung bei. (az)
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