KTG-Insolvenz

Investoren bezweifeln Integrität


Die Deutsche Investoren-Union (DIU) lehnt ausdrücklich den Vorschlag ab, dass die KTG Agrar das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchführt. Stattdessen solle das Verfahren ohne die Einbindung des Managements eröffnet werden. Der Münchener Verein, der Investoren vertritt, hält die Organe der Gesellschaft, allen voran den Vorstandsvorsitzenden Siegfried Hofreiter, nicht für integer genug. Die DIU begründet ihre Zweifel damit, dass noch im Geschäftsbericht von Mitte Mai keinerlei Hinweis auf die angespannte Liquiditätssituation der Gesellschaft enthalten gewesen sei, die Anfang Juni zu Tage trat. Dort habe es geheißen, dass die KTG Gruppe vor dem Hintergrund der angestrebten Rekapitalisierung „gut aufgestellt“ sei.

Fehlende Klarheit in Aussagen und Bilanzen

Außerdem bemängelt die DIU die Kommunikation über den im Juni vor einem Jahr groß angekündigten Einstieg der chinesischen Fosun-Gruppe, der aber offenbar geplatzt ist. „Die Gesellschaft hat den Kapitalmarkt über diesen Vorgang nie informiert, so dass unvoreingenommene Anleger den Eindruck haben mussten, dass der Einstieg längst erfolgt war“. Weiterhin moniert die DIU fehlende Klarheit in der Konzernbilanz zu Darlehen. „Es entsteht der Eindruck, dass ein erheblicher Teil der über Mittelstandsanleihen eingeworbenen Gelder nicht zur Weiterentwicklung des operativen Geschäfts verwendet wurden, sondern zu einer Darlehensvergabe zweckentfremdet wurden“, konkretisiert der Investorenverein seinen Verdacht.

Bauernbund rät Verpächter zur Wachsamkeit

Unterdessen hat der Bauernbund Brandenburg davor gewarnt, aus der KTG-Pleite voreilige Schlüsse zu ziehen. „Der Ausverkauf der brandenburgischen Landwirtschaft an auswärtige Kapitalanleger geht weiter. Vermutlich bleibt im Rahmen des Insolvenzverfahrens sogar die KTG in ihrer ökonomisch ineffizienten Großstruktur erhalten“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel, Ackerbauer aus Barsikow in der Prignitz.

Den Schaden hätten die vielen Gläubiger, etwa die Verpächter der Flächen, deren Ansprüche jetzt kaum mehr realisiert werden könnten. Wer sein Land an verschachtelte Agrargesellschaften verpachte, gehe ein hohes Risiko ein, so Kiesel: „Die wichtigste Lehre aus dem KTG-Desaster ist, Pachtverträge künftig mit bäuerlichen Familienbetrieben abzuschließen.“ Die KTG Agrar bewirtschaftet allein in Brandenburg mehr als 17.000 ha. (db)
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