Report Pflanzenschutz in der Saison

Jede Maßnahme steht auf dem Prüfstand

Franziska Möhl ist regelmäßig mit Volker Scheidtweiler auf dem Acker, hier auf den eigenen Versuchsparzellen.
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Franziska Möhl ist regelmäßig mit Volker Scheidtweiler auf dem Acker, hier auf den eigenen Versuchsparzellen.

Seit 2013 ist der Hof von Volker Scheidtweiler „Demonstrationsbetrieb Integrierter Pflanzenschutz“. Die Frage, was sich dadurch für ihn geändert habe, beantwortet der Betriebsinhaber kurz und bündig mit: „Nicht wirklich viel“. Bei ihm sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schon immer auf das Nötigste beschränkt gewesen. „Wir wollen auch nicht besser als die anderen sein, sondern Pflanzenschutzmittel noch gezielter einsetzen, damit uns die verfügbaren Mittel so lange wie möglich erhalten bleiben“, so der Praktiker, der in Mechernich am Nordrand der Eifel Ackerbau betreibt.

Steuerung per GPS

Mit seiner Pflanzenschutztechnik wird Scheidtweiler einem Vorzeigebetrieb gerecht. Alle Traktoren sind mit GPS-System ausgerüstet und die Fahrgassen auf den Feldern liegen durch die exakten RTK-Signale fast immer an der gleichen Stelle. Die Hightech-Pflanzenschutzspritze mit einer Arbeitsbreite von 27m besitzt eine automatische Teilbreiten-Schaltung, um Überlappungen zu vermeiden. Zu Beginn jeder Behandlung fährt Scheidtweiler einmal um das Feld herum und die Sektionskontrolle schaltet während der anschließenden Spritzung die Düsen automatisch ein oder aus.

Exakte Beobachtungen stehen vor jeder Maßnahme, auch ohne dass jede Laus gezählt oder die Schadschwellen für Unkräuter mit dem Zählrahmen ermittelt werden. Zusammen mit Franziska Möhl, der zuständigen Projektbetreuerin der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, werden die Schläge regelmäßig begutachtet und mögliche Maßnahmen diskutiert. Während der Vegetationszeit kommt alle zwei Wochen zusätzlich ein spezialisierter Pflanzenschutzberater der Kammer hinzu. Die Entscheidung, ob und wie eine Behandlung durchgeführt wird, trifft allerdings letztendlich der Betriebsinhaber.

Eigene Versuche

Mit sechs Berufskollegen aus dem Kreis Euskirchen und einem Fachberater trifft sich Scheidtweiler zudem regelmäßig zu einem Erfahrungsaustausch auf seinen Flächen. Anhand von Treppenversuchen, bei denen jeweils eine Maßnahme ausgelassen wird, lässt sich überprüfen, ob der Einsatz von Fungiziden oder Wachstumsreglern sinnvoll war. In diesem Jahr waren die Maßnahmen richtig platziert, jedenfalls bis zur Abschlussbehandlung. Doch als die Ähren schon draußen waren, kam der Dauerregen und gezielter Pflanzenschutz war kaum noch möglich. An der Null-Parzelle ließ sich zwar beobachten, dass die Weizenbestände ohne eine Behandlung gegen Rost zusammengebrochen wären. Der extreme Witterungsverlauf lässt nach Ansicht des Landwirts jedoch keine Schlüsse für künftige Fungizidstrategien zu.

Fungizide nach Bedarf

Üblicherweise umfasst die Fungizidstrategie bei Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste mindestens zwei Maßnahmen, bei der Gerste die zweite in der Regel mit angepassten Aufwandmengen. Im Weizen sind meistens drei Behandlungen fällig – in Extremjahren können es vier werden, bei einem trockenen Frühjahr reichen auch mal zwei. Wachstumsregler sind in allen Getreidearten und im Raps obligatorisch. Intensität, Aufwandmengen und Mittelwahl hängen von der Witterung, Sorten oder Vorfrucht ab. Zwei Behandlungen sind im Getreide üblich: die erste meistens im März, um die untere Halmbasis zu stärken, die zweite in der Hauptvegetation. Bei Gerste kombiniert Scheidtweiler häufig die erste Anwendung mit einem Fungizid, um ein Ährenknicken zu verhindern.


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Seit Jahren ohne Pflug

Mit Herbiziden behandelt der Landwirt das Getreide in der Regel im Herbst, nur beim späten Rübenweizen erst im Frühjahr. Doch auch nach den Herbstanwendungen machen starker Befall mit Klette oder Ackerfuchsschwanz bisweilen eine Nachbehandlung im Frühjahr notwendig. Der Betrieb setzt seit Jahren auf pfluglose Bodenbearbeitung, und in diesem Zuge ist die Trespe zu einem Problem geworden. Die Bekämpfung ist schwierig, in Gerste so gut wie unmöglich und auch im Weizen lässt sie sich im Herbst kaum packen. Im Frühjahr sind Maßnahmen möglich. Dann ist aber unter Umständen der Ackerfuchsschwanz weit entwickelt und macht bei Ungräsern eine zweigleisige Strategie mit höherem Mittelaufwand nötig. Da die Trespe vom Rand in die Bestände einwandert, kam an Feldrändern sogar der Pflug wieder zum Einsatz.

„Durch das pfluglose System ist Glyphosat ein wichtiger Baustein für unsere Pflanzenschutz-strategie, denn Grubber und Scheibenegge stoßen witterungsbedingt und je nach Unkrautpopulation an Grenzen. Wir setzen das Mittel aber gezielt und nur vor der Aussaat und zur Beseitigung von Ausfallgetreide und Altverunkrautung ein. Ich hoffe, dass uns der Wirkstoff noch lange erhalten bleibt“, bewertet Scheidtweiler den in der Öffentlichkeit umstrittenen Wirkstoff.

Insektizide kommen individuell zum Einsatz. In diesem Jahr war der Läusedruck massiv und die zweite Fungizidmaßnahme wurde mit einem Insektizid kombiniert. In der Regel reicht aber eine Behandlung aus. Damit in der Gerste keine Viren übertragen werden, setzt er bereits im Herbst die entsprechende Maßnahme. „Bei Insektiziden lassen sich mit intensiver Beobachtung die Aufwandmengen zwar reduzieren, bei starkem Druck können aber auch im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes zusätzliche Maßnahmen notwendig werden“, weiß der Praktiker aus Erfahrung.

Besondere Aufmerksamkeit widmet Scheidtweiler der Kontrolle im Raps, der bereits seit mehr als 45 Jahren im Betrieb intensiv angebaut wird. Hoch ist der Schädlingsdruck. Um den voraussichtlichen Befall abzuschätzen, sind Gelbschalen aufgestellt, deren Ergebnisse in die aktuellen Warnhinweise des Pflanzenschutzdienstes mit einfließen.

Neuer Rapsschädling unterwegs

Scheidtweiler berichtet aus der zurückliegenden Saison, dass es mit dem Erdfloh und dem Stängelrüssler keine Probleme gab. Dafür etabliert sich mit dem Schwarzen Kohltriebrüssler in der Region ein neuer Schädling. Bevor er erkannt wurde, hatte er Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent im Raps verursacht. Der Druck mit Rapsglanzkäfer war in diesem Jahr durch die lange Kältephase im Frühjahr jedoch kleiner als üblich und einige Flächen konnten unbehandelt bleiben. Darüber ist der Landwirt froh, denn wegen der zunehmenden Resistenzen des Rapsglanzkäfers gegen Insektizide gilt es, die vorhandenen Wirkstoffe nur bei Bedarf einzusetzen.

Auf Schlägen mit Problemunkräutern erhält der Raps eine Herbizidbehandlung im Vorauflauf, denn „beim Raps muss ich schon vorher wissen, was nachher eventuell kommen kann“, so Scheidtweiler. Standard im Raps sind außerdem der Einsatz von Wachstumsreglern im Herbst sowie die Blütenbehandlung gegen Sklerotinia. Prinzipiell tabu sind zur Blüte für den Landwirt jedoch Insektizide im Raps.

Scheidtweiler gibt gerne seine Erfahrungen weiter. In diesem Jahr informierten sich 75 Pflanzenschutzspezialisten aus verschiedenen europäischen Ländern im Rahmen eines vom Julius-Kühn-Institut und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) veranstalteten EU-Workshops auf seinem Betrieb über die praktische Umsetzung des Integrierten Pflanzenschutzes in Deutschland. (St)
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