Eurotier: Vermarktung

Junge Landwirte verkürzen Lieferkette

Die Formel für Erfolg hat Schweinehalter Gereon Albers, schnell definiert: Mit einem geringeren Mehraufwand einen höheren Preis erzielen. Wie sich das in der Milchproduktion, Schweinehaltung, bei der Vermarktung und der Entdeckung von Neuland umsetzen lässt, berichteten junge Menschen aus Land- und Ernährungswirtschaft auf dem Young Farmers Day.

Regionalität gewinnt

"In der Schweiz erhält der Erzeuger nichts mehr für seine Produkte. Das ist extrem", berichtet Rene Schönbächler. Er hat 2012 die Milchmanufaktur Einsiedeln gegründet, um näher an Verbraucher zu rückern. Das funktioniere wunderbar. Er könne durch die Selbstvermarktung 30 Prozent mehr Erlös erzielen. Voraussetzung sei aber, dass die Bedingungen stimmten. „Wir haben auf den Megatrend Regionalität gesetzt“, so der Milchbauer. Die bekannteste Marke in der Schweiz sei WhatsApp, aber auf Platz zwei folge das Regio-Siegel. Darüber hinaus hätten sie in einer Marktanalyse festgestellt, dass von Einsiedeln aus 2,5 Millionen kaufkräftige Kunden erreicht werden könnten, da Zürich nur 45 Autominuten Fahrweg entfernt liegt. Das habe den positiven Ausschlag für die Gründung der Milchmanufaktur gegeben. Die Endkunden werden mit einer Schaukäserei, Restaurant und dem Shop mit regionalen Produkten gebunden. "Der Kunde verbindet mit Regionalität Frische und heile Welt. Das machen wir uns zunutze, erklärt Schönbächler seine Strategie. "Für uns ist jeder Lebensmittelskandal beste Werbung."

Guter Partner suchen

Für den Schweinehalter Geron Albers ist der Aufbau einer Marke das Entscheidende. Denn "am Supermarktregal wird entschieden", ob ein Produkt eine Chance hat, erklärt Albers, der auch einer der Sprecher der Jungen ISN ist. Der erste Schritt zum Aufbau einer eigenen Marke war zwar zunächst eine Sackgasse. Dennoch steht Albers weiterhin hinter der Idee der Direktvermarktung. In Kürze soll es neue regionale Produkte geben. Albers gibt allen an der Selbstvermarktung interessierten mit auf den Weg, eine Marke nicht alleine aufzubauen. Er musste feststellen, dass es nicht ganz einfach ist, gute Partner zu finden. So wünscht er sich vor allem mehr Offenheit im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft.

Hoffen auf 2018

Pioniergeist beweist der Jungunternehmer Max Kultscher. Er und seine Kollegen wollen mit Insekten den westlichen Markt erobern. Das Unternehmen Bugfoundation bietet Burger und Kekse auf Insektenbasis oder auch entsprechendes Proteinpulver mit Vanillegeschmack an. Als Start up haben die Jungunternehmer mit mehreren Gründerpreisen schon einmal Rückenwind bekommen. Jetzt fehlt nur noch die Lizenz zum Vermarkten. Die Gründer setzen auf die für 2018 angedachte Marktliberalsierung. Dann könnten Insekten europaweit weiterverarbeitet und verkauft werden. Derzeit ist das nur in Belgien und den Niederlanden erlaubt. "Dann ist für uns sehr viel Platz auf der Wertschöpfungskette", erklärt Kultscher die Motivation für seinen mutigen Schritt. (kbo)
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