82 kg Lebensmittel wirft jeder Bundesbürger pro Jahr weg. Dabei ist das Wegwerfverhalten keineswegs über die Bevölkerung gleichverteilt. Das ergab eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Die Ökonomen haben Daten des Bundesumweltministeriums nach Altersgruppen ausgewertet. Das Ergebnis: 92 Prozent der Deutschen im Alter von 21 bis 51 Jahren werfen Essen weg, etwa vier von zehn tun das sogar ein Mal pro Woche. Dagegen wirft ein Drittel der Menschen, die vor 1945 geboren wurden, nach eigenen Angaben Lebensmittel nie in den Müll. In der Nachkriegsgeneration bis zum Jahrgang 1954 sind es rund 27 Prozent.

Die meisten wissen, dass sie Essbares entsorgen

Der Blick auf die Generationen mache deutlich, dass das Wegwerfverhalten von der Einstellung zu und dem Wissen über den Umgang mit Lebensmitteln abhänge. Ältere wertschätzten Essen mehr als jüngere Menschen und hätten mehr Erfahrung in der Speiseplanung und -verarbeitung. Jeder Deutsche wirft nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) etwa ein Fünftel dessen weg, was er insgesamt verbraucht. Dabei sei den meisten Verbrauchern durchaus bewusst, dass auch solche Lebensmittel weggeworfen werden, die eigentlich noch verzehrt werden könnten, so das IW.

Foodwatch nicht einverstanden

Die Angabe über 82 Kilo Lebensmittel-Müll pro Person kritisiert Foodwatch. Denn da würden auch Knochen oder Bananenschalen hineingerechnet, von denen niemand erwarte, dass sie auf dem Teller landen. Insofern sei es aus Sicht des Vereins auch falsch, anzugeben, dass 61 Prozent der Lebensmittelabfälle in Haushalten anfielen. "Die Daten von Unternehmen basieren nur auf freiwilligen Angaben. Zahlen zu Abfällen aus der Landwirtschaft wurden gar nicht berücksichtigt" erklärt Oliver Huizinga von Foodwatch. Er fordert gesetzliche Vorgaben für den Handel, die Industrie und die Landwirtschaft.


2012 wurden insgesamt in Deutschland 11 Mio. t Lebensmittel von Industrie, Handel, Großverbraucher und Privathaushalten als Abfall entsorgt. Es gibt unterschiedliche Initiativen, um das zu ändern. Bis 2030 will Deutschland die Lebensmittelverschwendung pro Kopf um die Hälfte reduzieren – das ist eines der Nachhaltigkeits-Ziele der Vereinten Nationen. Da es aber keine umfassende nationale Strategie zur Zielerreichung bis 2030 gibt, soll die Bundesregierung eine entsprechende gesetzliche Initiative erarbeiten. In wie fern gesetzliche Initiativen beim privaten Endverbraucher aber wirkungsvoll sind, sei fraglich, so die Meinug des IW. (az)



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