Report Düngemittel

K+S bleibt vorerst eigenständig


Am neuen Legacy-Standort in der kanadischen Provinz Saskatchewan peilt K+S ab Ende 2017 eine Jahreskapazität von rund 2 Mio. t Kaliprodukten an.
-- , Foto: K+S
Am neuen Legacy-Standort in der kanadischen Provinz Saskatchewan peilt K+S ab Ende 2017 eine Jahreskapazität von rund 2 Mio. t Kaliprodukten an.

Mit einem Paukenschlag am frühen Montagmorgen beendete der Kaliproduzent Potash das monatelange Gezerre um den Kauf von K+S. Die Kanadier informierten die Kasseler Führungsriege davon, dass sie ihr Übernahmeangebot von 41 €/K+S-Aktie zurückziehen. Am Firmensitz von K+S in Kassel-Wilhelmshöhe macht sich Erleichterung breit: „Dieser Schritt schafft Klarheit. Wir sind stark bei Kali und bei Salz“, sagte Norbert Steiner, K+S-Vorstandsvorsitzender, in einer ersten Reaktion. Seit Bekanntgabe der freundlichen Übernahme durch Potash in diesem Sommer hatte Steiner keinen Zweifel daran gelassen, dass er das Potash-Angebot, welches einen Marktwert des Düngerherstellers von rund 8 bis 10 Mrd. € darstellte, für völlig unterbewertet hält und nicht annähernd dem fundamentalen Wert des Unternehmens entspreche.

Arbeitsplätze sind gesichert

Doch der deutsche Potash-CEO Jochen Tilk ließ sich durch die Abwehrhaltung Steiners zunächst nicht von seinem Vorhaben abbringen. Vielmehr versuchte er mit Zugeständnissen wie Arbeitsplatzgarantie für die K+S-Mitarbeiter sowie Einhaltung von Umweltauflagen, die hessische Landesregierung hinter sich zu bringen. Die Pläne Tilks gingen nicht auf. Trotz aller Streitigkeiten zwischen der schwarz-grünen Landesregierung in Wiesbaden über die Einleitung von salzhaltigen Abwässern in die Flüsse Weser und Werra durch K+S, stellte sich sogar der Juniorpartner Bündnis 90/Die Grünen hinter die Kalibauregion und erteilte den Übernahmeplänen eine Absage. „Potash hatte das Angebot mit strategischen Vorteilen am Weltmarkt begründet. Das hätte bedeuten können, dass die Kanadier vor allem einen Mitbewerber vom Markt drängen wollten, ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze und die Umwelt in Hessen“, heißt es in der Landtagsfraktion der Grünen in Wiesbaden.

Konjunkturschwäche in China

Zur Begründung seines Rückzugs in dieser Woche resümierte Potash-Chef Tilk: „Angesichts der fehlenden Unterstützung seitens des K+S-Managements sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es nicht länger im Interesse unserer Aktionäre liegt, den Zusammenschluss weiterzuverfolgen.“ Aber noch einen weiteren ernst zu nehmenden Grund für die gesamte Branche nannte Tilk für seine Absage. Das sind die äußerst schlechten Prognosen, die derzeit die globalen Kalimärkte belasten.

Vor allem der jüngste Konjunktureinbruch in China könnte dazu führen, dass das Land weitaus weniger Kalidünger auf dem Weltmarkt einkaufen dürfte als in den vergangenen Jahren. Rückläufige Bestelleingänge werden auch aus Brasilien und Nordamerika gemeldet. Darauf müssen sich alle Kaliproduzenten einstellen. Rückläufige Kalipreise und eine Drosselung der Kapazitäten sind die Folge. Solche Vorhersagen nimmt der Branchenprimus Potash mit seiner jetzt getätigten Vollbremsung ernst. Seine noch zu Jahresbeginn euphorischen Aussichten von weltweiten Kaliverkäufen in Höhe von 8,6 Mio.t mussten bereits auf 8 Mio.t nach unten korrigiert werden. Steiner bleibt angesichts dieser Prognosen nach der überraschenden Wende im Übernahmepoker nur wenig Zeit zum Durchatmen.

Zwar hatten sich die Aktionäre des Dax-Konzerns im September nach einer Befragung gegen eine Übernahme entschieden. Doch pochen sie weiterhin auf eine ordentliche Rendite. Nach dem Rückzug von Potash ist der Aktienkurs von K+S um 25 Prozent eingebrochen. Damit liegt der Wert des Unternehmens deutlich unter den von Potash gebotenen 41 €/Aktie. Steiner wird nun versuchen, so schnell wie möglich wieder zum Alltag zurückzukehren. Das heißt auf der einen Seite, im Unternehmen weiter zu sparen und Produktionsprozesse auf den Prüfstand zu stellen.

Vorblick auf 2020

Auf der anderen Seite muss er Vollgas geben, um die geplante Inbetriebnahme der Kalimine Legacy wie geplant im Sommer 2016 auf den Weg zu bringen. Hinzu kommt die Umsetzung der „Salz 2020“-Strategie in den Geschäftsbereichen Kali und Salz. Für das laufende Geschäftsjahr 2015 erwartet K+S ungeachtet der drohenden Schwäche auf den Kalimärkten eine deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerung. Die Landesregierungen in Hessen, Thüringen und Niedersachsen, in denen K+S Kali fördert, bleiben dem Kasseler Konzern auf den Fersen. „Uns ist wichtig, dass K+S in umweltverträgliche Entsorgungsmöglichkeiten investiert und sicherstellt, dass die Ewigkeitslasten finanziert werden. Wir erwarten, dass das Unternehmen sich an Auflagen und Vereinbarungen hält und seine Bemühungen verstärkt, die Produktionsabfälle zu vermindern, die Versenkung absehbar zu beenden, die Belastung der Werra zu reduzieren und die Haldenabdeckung zu beginnen“, lauten die Forderungen der Grünen in den Landtagen. Diese Anliegen ohne Gewinnverlust zu erfüllen, daran wird das Traditionsunternehmen künftig gemessen. (da)
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