Restrukturierung

KTG Agrar geht in Insolvenz


In Zahlungsschwierigkeiten: Siegfried Hofreiter
-- , Foto: KTG
In Zahlungsschwierigkeiten: Siegfried Hofreiter

Wie das Unternehmen heute mitteilt, soll die Restrukturierung und Sanierung der KTG Agrar SE im Rahmen der Möglichkeiten des ESUG (Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) durchgeführt werden. Dazu sei Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim zuständigen Amtsgericht Hamburg eingereicht worden. Das Gericht hat Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Sozietät BRL Boege Rohde Luebbehuesen zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

Rechtsanwalt kommt in den Vorstand

Ziel des eingeschlagenen Verfahrens sei eine „zukunftsfähige Restrukturierung zur Fortführung der Unternehmensgruppe“, so die KTG Agrar. Gläubiger sollen eng eingebunden werden. Dazu werde die Gesellschaft in den nächsten Monaten einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Hierfür wird der Aufsichtsrat einen Chief Restructuring Officer (CRO) in den KTG-Vorstand berufen. Vorgesehen ist Rechtsanwalt Jan Ockelmann aus der Sozietät Johlke Rechtsanwälte.

Jetzt geht es um Löhne und Tochtergesellschaften

Nach Angaben des KTG-Vorstands wird der operative Betrieb fortgeführt, insbesondere die Einbringung der Ernte auf über 45.000 ha. Zur Deckung der Löhne und Gehälter soll eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet werden. Die Töchter der KTG Agrar, hier ist insbesondere der ebenfalls börsennotierte Biogasanbieter KTG Energie AG zu nennen, seien von der Insolvenz nicht betroffen, versichert die KTG Agrar. Der Vorstandsvorsitzende der Energietochter Dr. Thomas Berger berichtete allerdings heute von Gesprächen mit Lieferanten, Kreditversicherern und Banken, um ein unabhängiges Fortbestehen zu gewährleisten.

Zinszahlung ist nicht erfolgt

Auslöser für die wirtschaftliche Schieflage war die Fälligkeit von Anleihezinsen der im Jahr 2011 begebenen Anleihe KTG Biowertpapier II. Die Inhaber-Teilschuldverschreibung hat ein Volumen von 250 Mio. € und ist mit jährlich 7,125 Prozent verzinst. Die am 6. Juni 2016 anstehende Zinszahlung in Höhe von 17,8 Mio. € konnte nicht erfolgen.

Bissige Kommentare in den Finanzmedien

Die Frankfurter Börse setzte heute vorübergehend Aktie und Anleihe der KTG Agrar vom Handel aus. Heute um 16:40 Uhr liegt der Aktienkurs bei nur noch 0,48 €. Ende Mai war das Papier noch mit 11,80 Euro bewertet. Die Kommentare in den Finanzmedien sind bissig. „KTG-Anleihe verdörrt wohl im Depot“, titelt die Wirtschaftsredaktion von n-tv die Pleite. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zitiert Branchenkenner, die den KTG-Slogan „Wir ackern fürs Leben“ umgetauft hatten in „Wir ackern ums Überleben“. „Das Drama hat ein Ende“, heißt es unterdessen bei 4investors zu der wochenlangen Hängepartie. (db)
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