Von der Insolvenz der KTG Agrar werden kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe in Ostdeutschland kaum profitieren. Bei einem möglichen Verkauf von Einzelflächen oder ganzen Betrieben werden häufig andere Investoren den Zuschlag bekommen, erwartet die Bundesregierung.

Losgrößen überschreiten Kaufkraft von Landwirten

Freiwerdende KTG-Flächen sollen an Junglandwirte verkauft werden, fordern die Grünen.
-- , Foto: Steffen Bach
Freiwerdende KTG-Flächen sollen an Junglandwirte verkauft werden, fordern die Grünen.
In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen verweist das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) auf Erfahrungen mit Flächenverkäufen des Unternehmens im Jahr 2014 in Litauen und im vergangenen Jahr in Deutschland. Die dabei angebotenen Losgrößen hätten in der Regel die Kaufkraft der ortsansässigen Landwirte überschritten. Das Ergebnis sei, dass bei einer Zerschlagung der KTG die Flächenkonzentration eher zunehmen werde. Allerdings seien die agrarstrukturellen Auswirkungen noch nicht absehbar, da der Verlauf des eingeleiteten Insolvenzverfahrens offen ist.

Pachtzahlungen in wenigen Fällen im Verzug

Weiterhin gibt das BMEL in der Antwort auf die Anfrage Auskunft über begünstigte Flächenkäufe der KTG Agrar. Die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) hat seit 2005 insgesamt rund 1.100 ha Agrarfläche an Tochtergesellschaften der KTG Agrar verkauft. Die Kaufpreise summierten sich auf rund 6,1 Mio. €. Zudem hätten rund 30 Tochterunternehmen der KTG Agrar etwa 3.200 ha Acker- und Grünland von der BVVG gepachtet. In wenigen Fällen seien die Tochterunternehmen mit ihren Pachtzahlungen im Verzug, so das Ministerium.

Grüne wollen Junglandwirte bevorzugen

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, möchte die Förderung von „Riesen-Agrarkonzernen“ beenden. Freiwerdende Flächen müssten „sinnvoll für eine bäuerliche Landwirtschaft genutzt werden“. Junglandwirte sollen bei der Neugründung von Betrieben unterstützt werden, so Ostendorff in einer Reaktion auf die Antwort der Bundesregierung.

NOA Naturoel Anklam AG beantragt Insolvenzverfahren

Unterdessen hat die KTG Agrar SE, Hamburg, am späten Mittwochabend bekannt gegeben, dass ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft, die NOA Naturoel Anklam AG, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Stralsund gestellt hat. Hintergrund der Insolvenzantragstellung sei eine streitige Steuernachforderung, heißt es zur Begründung. Die KTG Agrar SE hält 100 Prozent der Anteile an der NOA Naturoel Anklam AG und hat insgesamt rund 1,9 Mio. € über Eigenkapital, Genussrechte und Darlehen in die NOA Naturoel Anklam AG investiert. (db/SB)
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