Insolvenz

KTG-Töchter unter Beobachtung


Am Mittwoch dieser Woche hat Creditreform als Reaktion auf den Insolvenzantrag der KTG Agrar SE das Rating des Tochterunternehmens KTG Energie AG mit dem Zusatz „watch" – sinngemäß „unter Beobachtung" – versehen. Die Leistungs- und Finanzierungsbeziehungen zwischen KTG Agrar und KTG Energie sollen überprüft werden, heißt es bei Creditreform. Bereits Anfang Juni war wegen der Zahlungsschwierigkeiten von KTG Agrar das Rating des Biogasanbieters auf B herabgestuft worden, was bedeutet: „ausreichende Bonität, höheres Ausfallrisiko". Zuvor wurde die Bonität als befriedigend und das Ausfallrisiko als mittel eingestuft.

Hoffnung auf Normalisierung

Zahlreiche Töchter
Der Geschäftsbericht 2015 der KTG Agrar SE zählt 89 vollkonsolidierte Tochtergesellschaften auf. Darunter befinden sich etwa 50 Agrarbetriebe in Ostdeutschland und Litauen mit zusammen 46.000 ha. Von Bedeutung sind außerdem die Bio-Zentrale Naturprodukte und die Ölmühle Naturoel Anklam. Schließlich hat sich das Tochterunternehmen KTG Energie AG an 20 Standorten auf Biogas spezialisiert. Die gesamte Gruppe hat 2015 mit rund 800 Mitarbeitern einen Umsatz von 327 Mio. € erzielt. (db)
Dessen ungeachtet bemüht sich Dr. Thomas Berger, Vorstandsvorsitzender von KTG Energie, um Beruhigung. Der operative Betrieb sei von der Insolvenz nicht betroffen, beteuert er. „Wir hoffen, dass sich das Ganze jetzt wieder normalisiert und man sich bei uns auf den Anlagenbetrieb konzentriert", sagte er am Donnerstag in einem Interview mit der Börsen Radio Network AG. Allerdings stellt sich die Frage, welche Bedeutung Siegfried Hofreiter spielt, der in der KTG Energie AG im Aufsichtsrat sitzt.

Eine weitere Tochtergesellschaft der KTG-Gruppe ist die 2011 erworbene Ölmühle Anklam, die mittlerweile als NOA Naturoel Anklam AG firmiert. Raps wird dort noch angenommen, berichtet die Ostsee-Zeitung.

Fehlende Information

Nicht mehr zur KTG-Gruppe gehört die Tiefkühlsparte einschließlich der Marke „Frenzel". Sie wurde 2015 veräußert, heißt es im Geschäftsbericht der KTG Agrar. Zum Zeitpunkt des Verkaufs hatte die KTG Agrar jedoch nicht über den Vorgang informiert. Ebenso fehlten Hinweise darauf, dass der vor einem Jahr angekündigte Einstieg eines chinesischen Investors nie erfolgt ist. Diese mangelhafte Kommunikation ist eines der Gründe, warum die Deutsche Investoren-Union (DIU) ein Insolvenzverfahren ohne Beteiligung des bisherigen Managements fordert. Der Münchener Verein, der Investoren vertritt, hält die Organe der Gesellschaft, allen voran den Vorstandsvorsitzenden Siegfried Hofreiter, nicht für integer genug.

Schutzgemeinschaft vertritt Anleiheinhaber

Auch Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bezeichnet die Kommunikation der Gesellschaft als „suboptimal". Die SdK vertritt die Anleiheinhaber der KTG Agrar SE im kommenden Insolvenzverfahren. Zur Zukunft der Biogastochter äußert Bauer, dass die KTG Energie nicht „zwingend in den Insolvenzstrudel der KTG Agrar SE gezogen" werden müsse. Dies hänge maßgeblich davon ab, wie genau die Verflechtungen aussehen und ob die KTG Agrar weiterhin Substrate für die Biogasanlagen liefern werde. Schließlich komme es auf das Verhalten der finanzierenden Banken der KTG Energie an.  (db)
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