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Daphne Huber-Wagner zum Düngermarkt

Die ersten Frühlingsboten läuten das Ende des langen kalten Winters ein. Auf den Feldern ziehen Düngerstreuer ihre Bahnen. Und so taut auch der Düngermarkt langsam aus seiner Kältestarre auf. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat zuvor über Monate wie ein Eispanzer die teuer gefüllten Düngerläger umschlossen. Dabei hatten Landwirte und Händler bereits im Sommer reichlich Dünger eingelagert, damit sie eben nicht von Preisrisiken kalt erwischt werden.

Eine Vorsichtsmaßnahme mit Folgen. Auf den überhitzten Düngermarkt folgte im 2. Halbjahr 2008 eine Eiszeit mit rapidem Preisverfall, insbesondere für die weltweiten „Leitwährungen“ Harnstoff und Diammonphosphat. Zahlreiche Handelsunternehmen müssen für den teuer eingekauften und noch nicht verkauften Dünger in der Bilanz hohe Verluste ausweisen. Wahrlich keine Empfehlung, um die Gunst der Banken für neue Kredite zu gewinnen – stecken diese doch selbst in der Liquididätsklemme und gehen jetzt in der Kreditvergabe auf Nummer sicher: Je volatiler die (Agrar-) Märkte, desto stabiler muss die Bilanz eines (Handels-) Unternehmens sein, heißt die neue Devise der Finanzhäuser. Jahresabschlüsse, die jahrelang als Sicherheit galten, sind nur noch schmückendes Beiwerk. Heute prüfen Finanzberater die Sicherheit genau und verlangen von den um Darlehen anfragenden Unternehmen professionelles Risikomanagement. Eine Eigenkapitalquote von mindestens 20 Prozent wird für einige Händler zur unüberwindbaren Hürde.

Niemand ist mehr sicher, ob nicht morgen der größte Geldgeber selbst in finanzielle Schieflage gerät. Die frühe Einlagerung, die in guten Jahren als Sicherheit galt, löst sich derzeit von alleine auf. Denn die Risiken der Unternehmen stecken in den Beständen und offenen Positionen. Der Agrarhandel ruft nach neuen Einlagerungsmodellen für das im Juli beginnende Düngejahr 2009/10. Preisverfallsklauseln werden vorgeschlagen, doch muten diese eher wie ein Relikt aus alten Zeiten an, welches in Krisenzeiten wenig Bestand hat. Jetzt gilt es, sich Neuem zuzuwenden.

Der weltweite Einbruch der Düngerpreise seit Herbst 2008 hätte für den deutschen Düngerhandel ein Warnsignal sein müssen. Statt einer Anpassung blieben die Düngerpreise in Deutschland hoch. Die Reaktion der Landwirte folgte prompt. Es kam zu einem kompletten Einkaufsstopp.

Bereits jetzt zeichnet sich für Stickstoffdünger ein Mengenrückgang gegenüber Vorjahr von 20 Prozent ab, für Grunddünger sind es sogar 40 Prozent. Viele Landwirte stellen ihre Düngegewohnheiten um und weichen auf Harnstoff oder Wirtschaftsdünger aus. An den Agrarmärkten herrscht alles andere als eitel Sonnenschein. Wer als Händler derzeit von großen Düngervorräten geplagt wird, der sollte sich bald von der Ware trennen. Er könnte ansonsten sehr kalte Füße bekommen.
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