544 Mitarbeiter des Bundeskartellamtes haben im vergangenen Jahr bei 88 Unternehmensdurchsuchungen 3.500 Aktenordner sichergestellt. Das Ergebnis: 208 Mio. € mussten Unternehmen wegen unerlaubter Preisabsprachen an die Behörde zahlen – deutlich weniger als im Rekordjahr 2014, als 1,1 Mrd. € an Bußgeldern geflossen waren. Das teilte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, am Mittwoch in Bonn mit.

In der Agrarbranche hatte vor allem ein Fall für Aufsehen gesorgt: Die Entflechtung der beiden größten deutschen Bio-Molkereien Andechser und Söbbeke. Beide müssen künftig wieder als voneinander unabhängige Wettbewerber am Markt auftreten.

Milchmarkt im Blick

Auch in der Zuckerbranche war der Ton alles andere als süß. Im Nachgang zu diversen Bußgeldverfahren aus 2014 planen zahlreiche Unternehmen der zuckerverarbeitenden Industrie Schadensersatzklagen gegen die kartellbeteiligten Unternehmen Pfeifer & Langen, Südzucker und Nordzucker.

Während im letzten Jahr die zunächst durch das Kartellamt untersagte und dann von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel doch erlaubte Übernahme von Kaiser`s Tengelmann durch Edeka für Furore gesorgt hat, gibt es nun Bewegung auf dem Milchmarkt. Das Bundeskartellamt will angesichts des Preisverfalls bei der Milch die Geschäftsbeziehungen zwischen Landwirten und Molkereien grundsätzlich genauer unter die Lupe nehmen. Dabei dürfen deutsche Landwirte sogar in bestimmten Fällen Kartelle schließen sowie Preise und Geschäftsbedingungen mit Zulieferern und Abnehmern absprechen, obwohl dies in der Bundesrepublik grundsätzlich verboten ist. (sp)
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