Insolvenzverfahren

Katzenjammer nach KTG-Pleite


Fast schon liebenswürdig wirkt der Titel, den der „Aktionärsbrief“ in dieser Woche verliehen hat. Das Informationsblatt für Anleger hat die Aktie der KTG Agrar als „Bär der Woche“ gekürt. Der Vorgang ist jedoch wesentlich dramatischer. Am Dienstag fand die Geschichte des Landwirtschafts-Konzerns ihren vorläufigen Tiefpunkt: Um 13:30 Uhr wurde die Aktie vom Handel ausgesetzt. Eine halbe Stunde später folgte die Meldung, dass Insolvenz angemeldet worden ist.

Unklar bleibt, ob KTG Agrar, wie beantragt, dieses Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung betreiben darf. Dagegen wehrt sich die Deutsche Investoren-Union (DIU). Der Münchener Verein, der Investoren vertritt, hält die Organe der Gesellschaft, allen voran den Vorstandsvorsitzenden Siegfried Hofreiter, nicht für integer genug.

Anleger sollten rechtliche Optionen prüfen

Offen ist auch, wie es mit den Anleihen der KTG Agrar weitergeht. Die Zinszahlung für die 2011 begebene Mittelstandsanleihe Biowertpapier II ist seit 6. Juni 2016 fällig. Es geht aktuell um 18 Mio. €. Die Rückzahlung der gesamten Anleihe über 250 Mio. € steht im Juni 2017 an. Das Anwaltsbüro GRP Rainer Rechtsanwälte Steuerberater weist darauf hin, dass Anleger die Anleihe kündigen dürfen, weil die Zahlung der Zinsen bis 6. Juli 2016 nicht erfolgt ist. Anleger würden dann nicht nur die ausstehenden Zinsen, sondern den gesamten Anleihebetrag zurückfordern, so die Fachleute von GRP. Sie raten den Anlegern, in jedem Fall die rechtlichen Optionen zu prüfen. Möglicherweise könnten Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden.

AbL verlangt Rechenschaft über BVVG-Flächen

Auch an die Politik kommen Forderungen auf. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wünscht sich agrarpolitische Konsequenzen nach der Insolvenz der KTG Agrar. Sie fordert eine Abkehr von der Politik des „Wachsen oder Weichen“. Außerdem verlangt die AbL Rechenschaft darüber, wie viele Flächen des Bundes über die BVVG und des Landes an die KTG Agrar gegangen sind und wie viele Subventionen die KTG Agrar erhalten hat.

In die gleiche Richtung argumentiert Maria Heubuch, Bäuerin und Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments. Sie fordert, dass die Äcker, die bisher Bund und Länder an die KTG verpachtet haben, gezielt an klein- und mittelgroße, bäuerliche Betriebe vergeben werden. Außerdem sollte Neueinsteigern eine Zukunft in der Landwirtschaft erleichtert werden. (db)
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