Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat Verbraucher zu Ihrem Kaufverhalten bezüglich Milch und Milchprodukten befragt, zum Bewusstsein um die aktuelle Situation und die speziellen Probleme der deutschen Milchwirtschaft. Das Ergebnis zeigt: Milch als Ware, Milchbetriebe und auch die Produktion in Milchviehbetrieben sind den Menschen nah und wichtig und aus ihrem Leben kaum wegzudenken. Eine realistische Einschätzung fällt vielen jedoch schwer. Gleichzeitig steigt die Skepsis der Verbraucher sowohl gegenüber den Betrieben als auch der Politik.

Verbraucher und Milchprodukte
Seit 2015 ist das Konsumverhalten der Befragten unverändert: Milchprodukte (97 %) kaufen und verzehren die Konsumenten regelmäßig, nur Obst und Gemüse (99 %) geht häufiger über die Kassenbänder. Die Milch (92 %) steht laut Befragung noch vor Geflügel und Fleisch (90 %). Ein Drittel aller Befragten (33 %) konsumiert „ungefähr einen Liter“ Milch pro Woche, 21 Prozent aller Befragten sagen „ungefähr zwei Liter“ und 30 Prozent sagen, dass sie „mehr als zwei Liter“ die Woche trinken.

Sorge um die Milchwirtschaft

Die Landesvereinigungen der Milchwirtschaft in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die die Studie in Auftrag gegeben haben, sehen in den Ergebnissen vor allem eines: Dass die Verbraucher in Sorge um die Milchwirtschaft sind und die Politik nicht als vertrauensvolle Hilfe betrachten. "Insgesamt zeichnen die Ergebnisse ein sorgenvolles und teilweise sehr skeptisches Bild hinsichtlich der Situation und der Entwicklung moderner Milchwirtschaft in Deutschland", heißt es in einer Mitteilung des niedersächsischen Verbandes.

Während die existenziellen Sorgen der Milcherzeuger in den vergangenen Jahren zunehmend ins Bewusstsein der Verbraucher gerückt sind, zeigt die Befragung, dass andere Aspekte der Milchwirtschaft nach wie vor nicht richtig eingeschätzt: Hierzu zählt beispielsweise der Erlös, den die Milchbauern erzielen. Dieser wird insbesondere von jüngeren Menschen deutlich höher eingeschätzt, als er es in der Realität ist. Auch die Milchpreiskrise wird durch die Befragten eher als rein deutsches Problem eingeordnet und die negativen Auswirkungen der Krise vor allem auf die kleinen Betriebe bezogen.

Tiergerechte Haltung als primäres Kaufkriterium

Gentechnikfreie Herstellung und zertifizierte sowie tiergerechte Haltung nennen drei von vier Befragten als primäres Kaufkriterium. Doch glaubt mehr als die Hälfte der Verbraucher nicht, dass sich „die deutsche Milchwirtschaft stark für das Wohlergehen der Kühe einsetzt und es den Kühen in modernen Milchviehbetrieben gut geht“. 43 Prozent immerhin glauben das. Gegenüber 2015 stieg die Skepsis um 8 Prozent, das Vertrauen sank um 6 Prozent.

Dies ist die zweite Umfrage dieser Art. Wie bereits vor zwei Jahren haben die Landesvereinigungen der Milchwirtschaft in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Forsa, rund 1.000 in Deutschland lebende Personen über 18 Jahren zu ihrer Einstellung zur Milchwirtschaft befragt. Neben Themen, die mit denen von 2015 identisch waren, hat die Umfrage auch neue Aspekte aufgegriffen, wie, unter anderem, die Frage nach der Bedeutung gentechnikfreier oder biologischer Herstellung von Milch und Milchprodukten. (got)
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