Eurotier: Futtermittel

Kein Abfalleimer der Nation

Dr. Klaus-Dietrich Neumann, IFF Braunschweig und Dr. Sarah Sander, TiHo, Hannover diskutieren mit Moderator Bernd Springer, FeedMagazine (v.l.n.r.)
-- , Foto: kbo
Dr. Klaus-Dietrich Neumann, IFF Braunschweig und Dr. Sarah Sander, TiHo, Hannover diskutieren mit Moderator Bernd Springer, FeedMagazine (v.l.n.r.)

Beim Thema alternative Futterquellen für Tierhalter ist vieles vorstellbar. Doch stehen der Umsetzung zahlreiche Hürden im Weg. Zum einen natürlich das Futtermittelrecht, das beispielsweise die Verfütterung von Insekten an Nutztiere (noch) nicht zulässt. Zum anderen muss die Aufbereitung kostengünstig bleiben und am Ende ein hochwertiges Produkt ergeben. Zwischen diesen Leitplanken bewegte sich die Podiumsdiskussion "Futtermittelindustrie als zentrales Element der Kreislaufwirtschaft" gestern auf der Eurotier.


„Es kann uns nicht egal sein, was wir einsetzen", erklärt Dr. Sarah Sander vom Institut für Tierernährung an der Tierärztlich Hochschule aus Hannover. Vor allem muss die Futtermittelindustrie wissen, wie die Produkte vorher behandelt worden sind. So eigneten sich DDGS-Reststoffe aus der Ethanolproduktion als Futtermittel. Manchmal erhalte man zwar gute, hoch verdauliche Chargen. Doch je nach Vorbehandlung könne das Eiweiß auch degeneriert und damit für das Tier nicht mehr verwertbar sein, so Sander.

Hygiene geht vor

Auch Dr. Klaus-Dietrich Neumann vom Forschungsinstitut Futtermitteltechnik (IFF Braunschweig) ist offen für neue Futterquellen. Doch gerade wenn über die Verwertung von Reststoffen gesprochen wird, dürfe nicht an der Sicherheit gerüttelt werden, mahnt er an. "Bei minderhygienischen Produkten besteht immer das Risiko, Pathogene ins Tier zu bringen. Und damit tragen wir das Problem in die Lebensmittelkette. Die Futtermittelindustrie ist kein Abfalleimer der Nation." Bei der Aufbereitung mittels Druck oder Temperatur, um bedenkliche Organismen abzutöten, sei außerdem zu berücksichtigen, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen dürfen.


Hunde machen den Anfang

Bei der Suche nach neuen Verwertungswegen diskutierten die Referneten auch Insekten und Algen. Die Mast von Insekten sei vorstellbar, aber noch nicht genügend erforscht. Auch gebe es futtermittelrechtliche Schwierigkeiten, da Insekten für Nutztiere nicht zugelassen sind. "Es wird aber bereits Futtermittel für Hunde auf Insektenbasis als Premiumprodukt gehandelt", sagt Sander. Das könnte die Initialzündung für eine mögliche Zulassung für lebensmittelliefernde Tiere sein, so eine langfristige Zukunftsprognose der Tierernährungsexpertin.

Auch Algen können als Produkt für die Tierernährung eine Bereicherung sein. Dem steht aber eine mögliche Anreicherung von Schwermetallen im Wege, die so in die Lebensmittelkette gelangen könnten. Die Referenten waren sich einig: Wenn über Futter-Alternativen gesprochen wird, muss die Reihenfolge der Schritte stimmen. Erst ist zu definieren, was genommen werden darf. Dann stehen Überlegung zur Behandlung an. Und als drittes muss man sich Gedanken über die Kosten machen. (kbo)
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