Private bayerische Molkereien

Kein Zurück zur Milchquote


Die aktuelle Situation am Milchmarkt gibt Anlass zur Besorgnis und auf den verschiedensten Ebenen wird nach einer Lösung gesucht. Auch die verbindliche Vorgabe von Vertragsbestandteilen wie Menge und Preis sind im Gespräch. In diesem Zusammenhang betonten die Mitglieder des Verbandes der Bayerischen Privaten Molkerien (VBPM) auf ihrer Jahresversammlung in München den Stellenwert der unternehmerischen Freiheit – sowohl der Milcherzeuger als auch der Molkereien.

Überangebot durch Absatzeinbruch

Sicher ist, dass aktuell zu viel Milch auf dem Markt in Europa zur Verfügung steht. Das Überangebot wurde primär durch Einbrüche auf der Absatzseite ausgelöst. Das Ende der Quote spielt hier lediglich eine untergeordnete Rolle. Durch politische Entscheidungen, wirtschaftliche Entwicklungen und nicht zuletzt auch durch gesunkene Öl- und Rohstoffpreise sind wichtige Kunden wie Russland, China und Nordafrika ganz oder teilweise weggebrochen. Die derzeitigen nationalen Regulierungsgedanken stehen nach Ansicht von Robert Hofmeister, dem Präsidenten des VBPM, im Gegensatz zu der von der Politik gewollten Liberalisierung der Märkte. Diese Maßnahmen würden nach seiner Meinung auch nicht greifen. Er fordert vielmehr verlässliche und stabile Rahmenbedingungen. Auch Susanne Nüssel, die Geschäftsführerin des VBPM sprach sich gegen eine Rückkehr zu einer, wie auch immer gearteten Quotenregelung aus. A und B-Quoten hätten auch in anderen Wirtschaftsbereichen keinen nachhaltigen Erfolg gebracht.

EU-Milchproduktion über Vorjahresniveau

Die Milchanlieferung hat in Deutschland - bezogen auf die Monate Januar bis März von 2015 auf 2016 - nach Schätzungen lediglich um 3,8 Prozent zugenommen. In der gesamten EU 28 wird im gleichen Zeitraum mit einer Steigerung von 5,5 Prozent gerechnet. Auf Wochenbasis wächst die Milchanlieferung in Deutschland derzeit nur noch um 0,3 Prozent. Nach Aussagen der Mitglieder des VBPM hat das Milchaufkommen in Bayern bereits seinen Höhepunkt erreicht und in einigen Regionen geht die Milchmenge bereits zurück. Ein deutliches Zeichen, dass der Markt zu greifen beginnt, so Robert Hofmeister.

Mittelfristig gute Marktaussichten

Prof. Bernhard Brümmer von der Georg-August-Universität in Göttingen sind die Marktaussichten bei Milch mittel- und langfristig positiv. Allerdings, so räumte er ein, haben die hohen Erzeugerpreise den Jahren 2013/2014 zu einer erheblichen Produktionssteigerung geführt, die in der EU schließlich zu einem Weltmarktpreisniveau führten. „Wir sind beim Interventionspreis angelangt; tiefer können die Erlöse kaum noch sinken", stellte Brümmer fest.

Maßnahmen für Milcherzeuger notwendig

Unabhängig von allen mittel- und langfristig positiven Prognosen ist die Situation der Milcherzeuger auch aus der Sicht der Molkereien besorgniserregend. Der VBPM fordert daher die Politik auf, alle Maßnahmen zu ergreifen, die den Milcherzeugern helfen, das Preistal zu überwinden. Bereits in der Agrarministerkonferenz im April wurden hier einige Möglichkeiten im Protokoll festgehalten. Von Seiten der privaten Molkereien in Bayern stehen Liquiditätshilfen, Steuererleichterungen und die Ausbildungsförderung im Vordergrund.

Kein zusätzliches Geld aus EU-Haushalt

Ulrike Müller, Mitglied des EU-Parlaments machte jedoch deutich klar: „Im EU-Haushalt ist kein Geld mehr für zusätzliche Hilfen für die Milchbauern vorhanden". Den nationalen Regierungen würde jedoch Hilfsleistungen zugebilligt. Auch nach ihrer Meinung wird es kein Zurück mehr zur Quote durch „die Hintertüre" geben.

Der Bayerische Privatverband vertritt die Interessen von knapp 40 Mitgliedern. Im Freistaat nehmen die privaten Molkereien eine starke Stellung ein, sie verarbeiten mehr als 50 Prozent der ca. 8 Mio. t in Bayern erzeugten Milch. (HH)
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