Report Düngemittel

Klärschlamm als günstige Phosphatquelle


Hermann Grupe (l.) und Dieter Jenrich bedauern, dass sie nicht noch mehr organischen Dünger auf ihren schweren Böden ausbringen können.
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Hermann Grupe (l.) und Dieter Jenrich bedauern, dass sie nicht noch mehr organischen Dünger auf ihren schweren Böden ausbringen können.

Seitdem Dieter Jenrich und Hermann Grupe Hühnertrockenkot (HTK) auf ihren Böden in Eschershausen bei Holzminden einsetzen, können sie eindeutig bessere Bodenbedingungen erkennen. Das Bodenleben ist stärker ausgeprägt. Schon seit ihrer Ausbildung wissen sie: Auf schweren Böden muss Mist ausgebracht werden, damit die Durchwurzelung des Bodens verbessert wird. Deshalb lassen sie auch das gehäckselte Stroh auf dem Acker liegen und arbeiten es ein. Dasselbe passiert mit dem Rübenblatt. Zudem steht das Nährstoffreservoir der Pflanze mit organischem Dünger besonders in trockenen Sommermonaten besser zur Verfügung – abgesehen von dem regenreichen Juni in diesem Extremwetterjahr.

Mais in die Biogasanlage

So erklären sie sich auch die stabileren und gleichmäßigeren Erträge bei ihrem Getreide. Abhängig von den Inhaltsstoffen bringen sie alle zwei oder drei Jahre maximal 3 t Hühnertrockenkot je Hektar im Frühjahr zu Mais und Zuckerrüben auf die Flächen aus. Auch vor der Rapssaat kann er noch auf die Felder gegeben werden. Zusätzlich werden nach Bedarf Phosphor, Kali und Stickstoff (N) gedüngt. Klärschlamm von umliegenden Klärwerken bietet die Phosphatquelle. Mit einem gewissen Strohanteil hat der Dünger eine erdige Konsistenz. „Er fühlt sich an wie nasse Sägespäne“, beschreibt Grupe die Substanz. Biogassubstrat liefert ebenso Nährstoffe. Mit der Lieferung ihres Maises für die Energieerzeugung steht den beiden Landwirten eine bestimmte Menge an Substrat zu. Im wachsenden Getreide- oder Maisbestand setzen sie die Gärsubstrate ein. Zuvor geben Bodenproben Aufschluss über den tatsächlichen Nährstoffbedarf des Schlages.

Den Handel und Transport des HTK organisiert der Maschinenring Hameln. In den Gebieten mit einem hohen Aufkommen an tierischen Wirtschaftsdüngern im Nordwesten Deutschlands wickeln sie den Kauf von HTK mit allen Formalitäten gemeinsam ab.

Proteingehalt muss stimmen

Bereits jetzt können sie ihren Favoriten nur eingeschränkt auf ihren Flächen einsetzen. In der Düngebilanz sind nicht mehr als 60 kg N-Überschuss vorgesehen. „Dabei kommt organischer Dünger nicht nur der Kulturpflanze zugute. Ein Teil wandert auch in den Humusaufbau“, wissen die beiden Fachleute. „Es fehlt am Schluss Stickstoff für einen ausreichenden Proteingehalt im Korn, um die Anforderungen der Mühlen an Back- oder Qualitätsweizen zu erfüllen. Der im Humus gebundene Stickstoff ist nicht auswaschungsgefährdet, sondern unter unseren Bedingungen besonders wertvoll. Die schweren Böden können es gut gebrauchen.“ Noch mehr Einschränkung droht ihnen, wenn die neue Düngeverordnung in Kraft tritt: In den Entwürfen ist eine Strohausgleichsdüngung teilweise nicht mehr erlaubt. Das heißt, nach der Ernte darf kein stickstoffhaltiger Dünger mehr ausgebracht werden. Ziel dieses Verbots ist es, den Stickstoffgehalt im Boden zu reduzieren. „Mit diesem geplanten Verbot wird quasi die Gute Landwirtschaftliche Praxis verboten“, bemängelt Grupe. „Auf unseren Böden besteht keine Gefahr von N-Auswaschungen. Wir benötigen diesen Dünger, um die Strohrotte zu verbessern. Ohne regional unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten ist diese Verordnung nicht nachzuvollziehen. Außerdem könnten wir die Gebiete mit dem hohen Aufkommen an tierischem Dünger deutlich entlasten.“


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Schwacher Gerstenpreis

Die Strohrotte muss bei Inkrafttreten dieser Verordnung mit aufwendigen mechanischen Maßnahmen vorangetrieben werden. „Das belastet die Umwelt und verursacht aufgrund des Energieverbrauchs und der Abgase Umweltschäden. Schlecht verrottetes Stroh legt Stickstoff aus der ersten Gabe fest und verursacht Bodenverdichtungen“, ist sich Grupe sicher. „Eigentlich soll die Umwelt mit der neuen Verordnung geschützt werden. Das Gegenteil ist der Fall“, ist der Landwirt überzeugt. Das Bodengefüge lässt nach und die Erosionsgefahr wächst. „Außerdem werden die Erträge deutlich schrumpfen“, ergänzt Jenrich. Neben den geplanten geringeren Stickstoffgaben und den damit verbundenen erwarteten geringeren Eiweißgehalten bei Weizen – die Produktion von Qualitätsweizen ist damit in Gefahr – stehen weitere Einschränkungen für die Landwirte ins Haus. Bei Gerste befürchten die Berufskollegen ein niedrigeres Hektolitergewicht und damit ebenfalls Preisabschläge. Angefangen haben sie mit dem HTK zeitgleich zum Beginn des Maisanbaus für Biogasanlagen. Ein Grund war, dass Mais als Humuszehrer gilt. Darüber hinaus wurde die Milchviehhaltung bei Jenrichs 2006 aufgegeben. Eigener organischer Dünger fiel nicht mehr an. „Es handelt sich um einen vergleichsweise günstigen Mehrnährstoffdünger“, weiß Jenrich. „Trotz des höheren Aufwands für das Ausbringen bleibt aufgrund der im HTK enthaltenen Nährstoffe gegenüber Mineraldünger ein deutlicher wirtschaftlicher Vorteil.“ Mit Grupe arbeitet der Landwirtschaftsmeister seit 13 Jahren zusammen. Aktuell bewirtschaften die beiden Landwirte 560 ha. Sie brauchen keine Verträge, keine besondere Gesellschaftsform. Sie bewirtschaften ihre Flächen gemeinsam, als wenn es ein einziger Betrieb wäre. Und vertrauen sich dabei. Jeder hat seine Schwerpunkte:

Den Einkauf von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln übernimmt Grupe. Jenrich entlastet seinen Berufskollegen auf dem Feld, wenn er seinen Aufgaben als Landtagsabgeordneter in Hannover nachkommt. „Aber ich sitze genauso gerne und oft auf dem Trecker oder dem Mähdrescher“, freut sich der Diplom-Agraringenieur über den willkommenen Ausgleich zur Büroarbeit. Jenrich kann während seiner „Freizeit von der Landwirtschaft“ seinen Aufgaben als Vorsitzender des Maschinenrings Hamel und im Vorstand des Landesverbands der Maschinenringe Niedersachsen nachkommen. So werden alle Aufgaben immer erledigt. Den Verkauf seines Getreides übernimmt jeder Betriebsinhaber selbst. (dg)
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