Gerichtsverfahren

Klagewelle reißt nicht ab

Am Mannheimer Landgericht ist am vorigen Freitag ein weiteres Verfahren gegen die drei großen Zuckerhersteller in Deutschland eröffnet worden. Der Schokoladenhersteller Rübezahl, der Bonbonhersteller Kalfany und der Feinkostproduzent Hengstenberg sowie die Paulaner Brauerei Niehoffs Vaihinger Fruchtsaft und der Lebensmittelhersteller Jung & Schmitt wollen von Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen Schadenersatz, weil sie überhöhte Preise für Zucker wegen fehlenden Wettbewerbs verlangt hätten. Die Kläger stützen sich auf ein Urteil des Bundeskartellamts im Jahr 2014. Die Kartellhüter hatten gegen die Zuckerunternehmen Bußgelder von insgesamt 280 Mio. € wegen Gebiets-, Mengen- und Preisabsprachen verhängt.

Nordzucker profitierte als Kronzeuge von einer niedrigeren Zahlung. In der Verhandlung am Freitag bestreiteten die Anwälte der Zuckerhersteller, dass ihren Kunden ein Schaden entstanden sei. Das sehen die Kläger anders. Sie sind davon überzeugt, jahrelang zu hohe Zuckerpreise gezahlt zu haben. Rübezahl fordert Schadenersatz in Höhe von 3 Mio. €, Hengstenberg rund 1,2 Mio. € und Kalfany rund 1,9 Mio. €. Der Vorsitzende Richter, Andreas Voß, will nun weitere Gutachten einholen, um festzustellen, ob den Klägern ein Schaden entstanden ist und wenn ja, in welcher Höhe. Beide Seiten hatten eigene Gutachten vorgelegt.

Zwei ähnliche Verfahren laufen bereits seit April in Mannheim. So fordert Katjes Schadenersatz in Höhe von 37 Mio. € und Nestlé von 50 Mio. € von Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen. Die Urteile stehen noch wegen Prüfung der Gutachten aus.

Die Angeklagten bezweifeln, dass es ohne Gebietsabsprachen niedrigere Preise gegeben hätte. Denn aufgrund der Frachtkosten seien die Gebiete an die drei Zuckerunternehmen aufgeteilt. Ein Lebensmittelwerk, das wenige Kilometer von einer Südzuckerfabrik entfernt produziere, könne nicht preisgünstiger von Nordzucker beliefert werden, argumentierten die Anwälte beider Unternehmen am Freitag. (da)
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