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Dr. Jürgen Struck zur Milchquotenbörse

Die 27. Milchquotenbörse am 1. April 2009 hat die Erwartungen bestätigt. Ein deutlich erhöhtes Angebot und gesunkene Nachfrage haben die Preise drastisch fallen lassen. Mit einem gewogenen Durchschnittspreis von aktuell nur noch 23 Cent pro kg hat der Wert im Vergleich zum letzten Börsentermin im November 2008 um fast 60 Prozent nachgegeben. Doch mit Ausnahme vieler leer ausgegangener Anbieter sind alle Beteiligten mit diesem Ergebnis zufrieden: Die Quote gilt bei der überwiegenden Mehrheit der Milchviehhalter als Auslaufmodell. In Zeiten der Unterlieferung der sukzessive erhöhten Milchquoten sehen sie keinen Sinn darin, die ohnehin angespannte Liquiditätslage weiter zu belasten. Hier und da soll es noch Anhänger der Quote geben, die eine gewisse strukturkonservierende Wirkung und ihr Überleben sogar über das Jahr 2015 hinaus erhoffen. Im Vorfeld entscheidender Wahlen werden sie von wendigen Politgrößen bedient. So hat wider besseres Wissen die amtierende Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner mit ihren jüngsten Äußerungen, die Quote beizubehalten, zur Verwirrung beigetragen.

Zur Zeit der Einführung der Milchquote im Jahr 1984 gab es in Deutschland rund 380±000 Milchviehhalter. Heute sind es noch etwa 100±000. Die Milchquote hat also den Strukturwandel keineswegs aufgehalten. Ihre Funktion bestand im Wesentlichen in der materiellen Abfederung aussteigewilliger Betriebe.

Keinen Zweifel an der Abschaffung der Quoten lässt dagegen EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. Sie wird nicht müde zu argumentieren, dass die längerfristigen Aussichten für den Milchsektor positiv seien. In einem international wachsenden Markt dürften den Betrieben keine Produktionsbeschränkungen in Form der Milchquote auferlegt werden.

Einen wesentlichen Anteil am deutlich gesunkenen Wert hat sicher eine kürzlich getroffene Entscheidung des Ausschusses für ländliche Entwicklung der Europäischen Union. Danach soll rückwirkend zum 1. Januar 2007 die Investitionsförderung für Stallbauten vom Nachweis einer Milchquote abgetrennt werden. Begrüßt wird dies von den finanzierenden Banken. Sie bewerten die Situation der Einzelbetriebe und deren Entwicklungspotenzial unabhängig von Quoten. Wenn diese ihrer Ansicht nach zu den zukunftsfähigen Betrieben gehören, werde man sie auch durch die gegenwärtige Marktenge begleiten, äußert beispielsweise die Nord LB. Besorgt zeigen sich jedoch auch Banken über die derzeitige Milchpreisentwicklung. Auszahlungspreise um die 20 Cent würden keinen positiven Cashflow zulassen.

Die Milchquote jedoch kann den Milchmarkt nicht beeinflussen. Auf diesem wirken größere Kräfte. Für die betriebliche Entwicklung spielt die Milchquote keine Rolle mehr. Für die verbleibende Zeit stellt sie bestenfalls noch einen Restwert dar.
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