az-Länderserie Südafrika

Kleinbauern fehlen Land und Know-how

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Dennoch kennzeichnet Südafrika nach wie vor ein starkes soziales Ungleichgewicht trotz der Abschaffung des Apartheid-Systems 1994. Das zeigt sich auch in der Agrarwirtschaft: kapitalintensive Landwirtschaft einerseits und kleinbäuerlich geprägte Subsistenzwirtschaft andererseits. Mit Profit wirtschaftende Betriebe befinden sich nach wie vor im Besitz von weißen Farmern, die auch Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen sind. So hat Südafrika beispielsweise als erstes afrikanisches Land gentechnisch veränderte (GV-)Pflanzen zugelassen, die vor allem im Anbau von Sojabohnen und Baumwolle zu finden sind. Eine Umverteilung durch eine Landreform an die schwarze Bevölkerung ist bislang allerdings nicht geglückt.

Dem afrikanischen Kontinent wie auch der Republik Südafrika wird ein großes Potenzial in der Agrarproduktion zugeschrieben. Denn klimatisch ist dort der Anbau nahezu aller bekannten Acker- und Sonderkulturen möglich. Der begrenzende Faktor ist jedoch vor allem das Wasser. 80 Prozent der Landesfläche werden als semiarid oder arid eingestuft. Zudem sind die Niederschläge ungleich verteilt. Ungleich verteilt sind auch die Agrarflächen. Etwa 2,9 Mio. landwirtschaftlichen Kleinst- und Subsistenzbetrieben stehen etwa 40000 kommerziell gemanagte und modern aufgestellte Agrarbetriebe gegenüber, die rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften. Die meisten davon befinden sich im Besitz der weißen Minderheit, die lediglich 8 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Aber mehr als 30 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

Über eine Landreform strebte die südafrikanische Regierung eine Umverteilung der Flächen an. Bis 2014 sollten rund 30 Prozent der ehemals von weißen Farmern bewirtschafteten Flächen an Schwarze übertragen werden. Der Erfolg blieb jedoch aus: Nur 8 Prozent der Flächen wurden umverteilt; viele werden nicht gut bewirtschaftet, weil den schwarzen Neu-Farmern sowohl Know-how als auch die Finanzmittel für Betriebsmittel im Ackerbau fehlen. Darüber hinaus sind auch die Bodenpreise in den vergangenen Jahren massiv gestiegen.

In der tierischen Produktion ist die Republik dagegen mit Milch als Haupterzeugnis modern aufgestellt. Die Milchindustrie ist in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich gewachsen. So ist das Land der größte Erzeuger von Milchprodukten in ganz Afrika. Mehr als 3000 Milchproduzenten verarbeiten 3,4 Mio. t Milch. Die Herdengröße rangiert dabei um die 300 Tiere bei einer durchschnittlichen Milchleistung pro Kuh und Jahr von 3400 kg. In der Fleischproduktion spielt Geflügel die erste Geige, aber alle Fleischarten haben in den vergangenen Jahren ein Wachstum zu verzeichnen. Denn auch der Fleischkonsum der Südafrikaner ist deutlich gestiegen.

Die Weinproduktion mit fast 4000 Weinen ist einer der größten Wachstumsmärkte der südafrikanischen Landwirtschaft. Ein Großteil der südafrikanischen Weinexporte fließt in BRIC-Partnerstaaten, insbesondere nach Russland. Aber auch in Deutschland wächst die Anzahl der Liebhaber südafrikanischer Weine. Ein weiterer wichtiger Zweig ist der Gemüse- und Obstanbau. Bei Zitrusfrüchten ist Südafrika der drittgrößte Exporteur weltweit. Fast zwei Drittel aller in Europa konsumierten Zitrusfrüchte stammen aus Südafrika.

Auch die südafrikanische Zuckerrohrproduktion geht überwiegend in den Export. Rund 18,3 Mio. t Zuckerrohr werden im Land selbst raffiniert und mehrheitlich exportiert. Südafrika ist der zehntgrößte Zuckerexporteur der Welt. Den größten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt steuern aber der Dienstleistungssektor und nach wie vor der Bergbau bei. Südafrika ist der weltgrößte Produzent von Edelmetallen wie Gold und Platin, auch Diamanten werden dort noch immer abgebaut. (AW)


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