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Brigitte Stein zur RMX in Hannover

Nur selten werden Jubiläen so leise begangen, wie dies die RMX Hannover jetzt tut. Immerhin werden seit zehn Jahren Futures auf Schweine und Kartoffeln in Hannover angeboten. Die Gründung der Börse wurde maßgeblich von der Agrarbranche mit angeschoben. Ein Absicherungsinstrument für schwankende Preise und eine blühende Entwicklung der Aktien wurde versprochen.

Die Bilanz nach zehn Jahren ist allerdings ernüchternd und bei weitem kein Grund zum Feiern. Die aktuellen Umsätze mit den einzelnen Kontrakten übertreffen die Umsätze aus der Anfangszeit nicht. Lediglich die Verarbeitungskartoffeln polieren die Statistik seit zwei Jahren auf. Damals stellte die Terminbörse Euronext den Kontrakt auf Verarbeitungskartoffeln ein, weil er aus deren Sicht zu wenig Umsatz brachte.

Eigentlich erfahren Agrarrohstoffe gerade aktuell eine nie gekannte Aufmerksamkeit. Die Preisentwicklung beschäftigt die Massenmedien. Fondsgesellschaften werben mit ihren Commodity-Fonds und den spekulativ interessanten Agrarpreisen. Das Thema ist angekommen. Die Umsätze der Warenterminbörsen weltweit profitieren, auch über Optionen und Derivate – außer an der RMX in Hannover. Führende Fondsgesellschaften halten auch in Anbetracht der geringen Umsätze Abstand. Die Börse gilt in deren Augen als „zu exotisch“, hat das Wort „Spekulation“ schon immer abgelehnt und sich auf bescheidenem Niveau eingerichtet.

Unterdessen wurde in den vergangenen zwei Jahren mit enormem finanziellen Einsatz das Geschäftsfeld des Kredithandels an der RMX entwickelt. Hierauf richtet sich nun das ganze Augenmerk der Geschäftsführung. Vordergründig soll der nach Börsenregeln solide organisierte Handel mit Krediten das Vertrauen der Bankenwelt erobern, um dann – quasi im Schlepptau – die Futures doch noch bei den Banken zu platzieren. Diese absurde Idee soll vermutlich nur das operative Desinteresse der Geschäftsführung am weltweit boomenden Markt für Agrarfutures vertuschen.

Nur: Der Handel mit Krediten scheint keineswegs zu florieren. Nicht einmal die Aktionäre der RMX erhalten Auskunft über getätigte Umsätze. Viel wird es auch nicht sein: Die angepeilte Zielgruppe der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken hat schlichtweg kein Interesse. Schon längst verfügen diese Unternehmensgruppen über eigene, bewährte Instrumente, ihre Refinanzierung sicherzustellen. Es ist geradezu Verschwendung, wenn sich die RMX zunehmend auf ausgerechnet diesen Geschäftsteil kapriziert und die Gunst der Stunde bei Agrarcommodities verstreichen lässt. Dann werden in Hannover voraussichtlich auch weiterhin kleine Brötchen gebacken.

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