Report Pflanzenschutz im Frühjahr

Kluges Management wehrt Pilze und Gräser ab


Ältere, weniger gebräuchliche Fungizide helfen gegen durchsetzungsstarke Pilze, weiß Ralf Bartens. Seine Pflanzen lässt er analysieren, um maßgeschneiderte Ratschläge für die Behandlung zu erhalten.
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Ältere, weniger gebräuchliche Fungizide helfen gegen durchsetzungsstarke Pilze, weiß Ralf Bartens. Seine Pflanzen lässt er analysieren, um maßgeschneiderte Ratschläge für die Behandlung zu erhalten.

Bereits seit einigen Jahren beobachtet Ralf Bartens aus Groß-Ellershausen bei Göttingen die zunehmenden Herbizidresistenzen bei Gräsern, speziell bei Ackerfuchsschwanz. Sie zeigen sich schlagbezogen und tauchen nicht flächendeckend auf.

Fruchtfolge und Saattermine haben seiner Erfahrung nach einen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten der Gräser trotz Pflanzenschutzmaßnahmen. Eine enge Fruchtfolge, eine frühe Aussaat im Herbst sowie der wiederholte Einsatz derselben Präparate können das Durchsetzungsvermögen der Gräser unterstützen. Auf seinem Betrieb im südlichen Niedersachsen experimentiert Bartens deshalb mit verschiedenen Strategien, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Fruchtfolge auflockern

Direkt bei der Fruchtfolge anzusetzen ist eine Möglichkeit, gegen das Auftreten der unerwünschten Gräser vorzugehen. Aus diesem Grund hat der staatlich geprüfte Landwirtschaftsleiter die Fruchtfolge aus Weizen, Weizen und Raps auf seinem Betrieb aufgelockert. Ackerbohnen und Luzerne ergänzen den Anbauplan ebenso wie Mais für die Biogasanlage. „Wir haben aber auch Standorte, auf denen Mais nicht vernünftig wächst. Dort fehlt das Wasser“, erläutert Bartens.

Wenig neue Mittel

Im Schnitt haben seine Böden 51 Bodenpunkte. Bei Weizen bedeutet das einen Durchschnittsertrag von 8t/ha. Bei der Bekämpfung des Windhalms greift Bartens zu ähnlichen Mitteln wie bei Ackerfuchsschwanz. Hier versucht er, mit einer späteren Aussaat zusätzlich zur Auflockerung der Fruchtfolge die Gräser in Schach zu halten. „Die Chemie kommt mit der späteren Aussaat besser zurecht, dann wirken die Pflanzenschutzmittel besser“, ist seine Erfahrung.

Landwirtschaftliche Berater haben sich inzwischen auf die Resistenz-Problematik eingestellt. Sie empfehlen die Kombination bekannter Präparate. Auch die Industrie reagiert. „Aber wirklich neue Mittel gibt es auf dem Markt kaum“, beobachtet der kritische Landwirt. Angeboten würden lediglich Kombinationen aus bereits bekannten Boden- und Blattherbiziden.

Häufig stehen die Wirkstoffe dieser Mittel aber bereits auf der Liste der Produkte, deren Einsatz die EU-Kommission einstellen will, so Bartens. Der Grund hierfür ist das hohe Vorkommen in Gewässern und Umwelt. Der Wegfall dieser Mittel bedeutet eine weitere Herausforderung für die Landwirtschaft. Hier will der vorausschauende Niedersachse am Ball bleiben, die auffälligen Wirkstoffe beobachten und sie so wenig wie möglich einsetzen oder ganz auf sie verzichten. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gräser auch anders bekämpft werden können.

Wichtig ist dem Fachmann ein vernünftiges Abwägen zwischen Nutzen und Gefahr eines Präparates. Wenn zukünftig Abgaben auf Pflanzenschutzmittel erhoben werden sollten wie es derzeit die Grünen zur Diskussion stellen, würde Bartens mehr Mais anbauen. „Bei Mais sind die geringsten Maßnahmen notwendig“, sagt er.

Besondere Sorgen bereiten dem Niedersachsen neben den durchsetzungsstarken Gräsern die wachsenden Resistenzen gegenüber Fungiziden. „Der Widerstand der Pilze gegen diese Mittel baut sich sehr schnell auf. Innerhalb weniger Jahre sind sie resistent“, beobachtet Bartens und bietet auch eine mögliche Erklärung: „Das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass besonders die neueren Mittel sehr speziell wirken“, analysiert der Landwirt.


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Flächendeckendes Problem

Bei Fungiziden zeigen sich die Auswirkungen der Resistenzen flächendeckend – anders als bei Herbizidresistenzen, die in der Regel auf einzelnen Schlägen auftreten. Doch bei der Lösung des Problems setzt Bartens auf ähnliche Strategien wie bei den unerwünschten Gräsern: Er reagiert mit der Sortenwahl und Mittelkombinationen. Zudem greift der findige Landwirt noch auf alte Präparate zurück, die heute weniger verbreitet sind. Denn mit dem Einsatz alter Wirkstoffe nimmt man von den jüngeren Mitteln den Resistenzdruck, ist der Landwirt überzeugt.

Passgenaue Empfehlungen

Unterstützung bei den Bemühungen, seine Pflanzen gut zu schützen, bekommt Bartens von dem Dienstleister Argus Monitoring aus dem nordrhein-westfälischen Alsfeld. „Wir schicken Pflanzen von unseren Schlägen mit deren Geschichte – also Vorfrucht, Bodenverhältnisse und Pflanzenschutzmaßnahmen – an das Institut. Dort werden sie untersucht. Dann bekommen wir Empfehlungen zu Maßnahmen mit heilender und vorbeugender Wirkung“, erklärt er. Bereitgestellt wird dieser Service von der Landberatung e.V. in Göttingen.

Auch jenseits der Bekämpfung von Pilzen und Gräsern hat Bartens alle Hände voll zu tun. Denn neben 338ha eigener landwirtschaftlicher Nutzfläche bewirtschaftet er gemeinsam mit drei anderen Betriebsleitern rund 500ha in der Region. Die Feldarbeit erfolgt in Kooperation mit den Kollegen. Die Bodenbearbeitung übernimmt jeder auf einer bestimmten Fläche. Für die Säarbeiten hingegen ist ein Kollege auf der gesamten Fläche zuständig, genauso wie ein weiterer Betriebsleiter für die Pflanzenschutzmaßnahmen. Im Umkreis von rund 13 bis 14 Kilometer befinden sich die Flächen. Auf dem eigenen Betrieb in Groß-Ellershausen ist ein fester Mitarbeiter angestellt. Ehefrau Anke, Sohn Felix und Vater Ernst arbeiten ebenfalls mit. (dg)
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