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Auf der Wissenschaftlichen Akademietagung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Bonn sprach sich DBV-Präsident Gerd Sonnleitner erneut entschieden gegen das von der Bundesregierung vorgeschlagene Kombimodell aus, da es vor allem die Tier haltenden Landwirte in Deutschland im Vergleich zu ihren EU-Konkurrenten "unvermeidlich benachteiligt". Da es grundsätzlich kein optimales und kein gerechtes Entkoppelungsmodell gebe, habe der DBV klare Zielsetzungen und Prioritäten gesetzt, heißt es in einer Pressemitteilung des DBV. Vor dem Hintergrund der deutschen Landwirtschaft müssten in dem Entkoppelungsmodell vor allem die Milch- und Tierprämien auf einzelbetrieblicher Basis in die Betriebsprämie eingehen. Eine Umverteilung auf die Fläche dürfe es nicht vor 2009, bei Milch nicht vor 2012 geben, habe Sonnleitner erklärt. Er habe Zuversicht gezeigt, dass diese Zielsetzungen und Anliegen auch im Bundesrat Anerkennung fänden.

Sonnleitner verwahrte sich laut DBV dagegen, dass dem Berufsstand unterstellt würde, Besitzstände durch eine möglichst lange Beibehaltung des Betriebsmodells wahren zu wollen. Man wende sich jedoch gegen willkürliche Umverteilungen, damit getätigte Investitionen nicht schlagartig entwertet würden, wie dies mit dem im Gesetzentwurf der Bundesregierung entwickelten Kombimodell bezweckt werde. Den Kardinalfehler jeder Entkoppelung sehe Sonnleitner in der Schaffung neuer "Vermögenswerte". Auch ein noch so ausgefeiltes Kombimodell mit Gleitflug in ein regionales Prämienrecht würde handelbare Prämienrechte nicht verhindern. Deshalb habe der Bauernverband sich immer gegen eine Umwandlung der Direktzahlungen in Prämienrechte gewehrt und ihre Bindung an den jeweils aktuellen Bewirtschafter oder Tierhalter wie im Betriebsmodell gefordert.

Sonnleiter habe die Agrarökonomen wie den Wissenschaftlichen Beirat aufgefordert, sich hierzu klarer zu äußern. Denn die Alternative Betriebs- oder Regionalmodell sei keine verteilungspolitische Frage. Vielmehr entstünden erhebliche Auswirkungen auf die Markt- und Angebotsentwicklungen. Das Bild der zukünftigen Landwirtschaft würde sich durch die Entkoppelung erheblich verändern. Auch Marktverzerrungen in erheblichem Ausmaß würden entstehen, wenn zum Beispiel die EU-Mitgliedstaaten völlig unterschiedliche Entkoppelungsmodelle anwenden würden und zugleich von Land zu Land sehr unterschiedliche Teile der Tierprämien gekoppelt blieben. (ED)

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