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Risiken

Von Jörg Foshag, Paris

Zufrieden zeigen sich die französischen Getreideerzeuger. Das neue Importsystem der EU ist termingerecht angelaufen. All diejenigen, die mit Verzögerungen gerechnet haben und sich vorsorglich mit Importlizenzen eindeckten, sahen sich enttäuscht. „Das System der Importkontingente ist da“, stellt das französische Getreideamt Onic mit Genugtuung fest. Jetzt komme es darauf an, das System mit Leben zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass es in gewünschter Weise funktioniert und nicht unterlaufen werde.

Zufrieden zeigen sich die Onic-Verantwortlichen auch darüber, dass Brüssel den Pariser Wünschen entgegengekommen ist. So hat die EU-Kommission das Kontingent für Einfuhren aus Drittländern in vier Vierteljahrestranchen aufgespaltet. Außerdem wurde Sorge dafür getragen, dass eine klare Trennung zwischen den Kontingentimporten und den übrigen Importen gemacht wird. All dies entspricht den französischen Vorstellungen. Die Reaktion der Importeure, die Anfang der Woche sehr rege Importlizenzen nachgefragt haben, wobei das Vierteljahreskontingent deutlich übertroffen wurde, zeigt nach Meinung der Onic, dass eine sorgsame Handhabung des neuen Instruments ratsam ist.

Nun kommt es, so die Onic-Verantwortlichen mit Blick auf den heimischen Markt, darauf an, die neue Chance so zu nutzen, dass die Position der französischen Getreideproduzenten konsolidiert wird. Das Kontingentsystem müsse intelligent angewandt und durch eine entsprechende Exportpolitik ergänzt werden. Die französische Getreidewirtschaft will andererseits eine Politik betreiben, die der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der Qualität und den Erfordernissen der Umwelt gleichermaßen gerecht wird, wie Onic-Generaldirektor Pierre-Olivier Drege versichert. Denn die Pariser Regierung hat der Onic die Umwelt ans Herz gelegt. So sieht sich die Getreidebranche gut gerüstet.

Dennoch sind die französischen Getreideproduzenten nicht ganz frei von Sorgen. Denn die laufende Kampagne wird immer noch unter dem Eindruck starker Importe aus dem Schwarzmeer-Gebiet stehen. Das Kontingentsystem ist vom Handel antizipiert worden. Die Importhäfen sind voll. Die laufende Kampagne wird sich durch die Einfuhren, unter denen die Erzeuger in den vergangenen Jahren stöhnten, genauso auszeichnen wie zuvor. Das neue System wird sich erst „à la longue“ auswirken. Dann wird aber auch die Konkurrenz auf den Drittlandsmärkten, etwa im Mittelmeer-Raum, härter werden. Denn die bisherigen Lieferer in die EU werden nach neuen Marktplätzen Ausschau halten. Zwar ist schwer zu übersehen, wie viel Ware in der Schwarzmeer-Region im Augenblick wirklich verfügbar ist. Aber auf längere Sicht müssen die französischen Exporteure der Konkurrenz dieser Region Rechnung tragen. Weitere Faktoren kommen hinzu. So wird die Position der europäischen Exporteure durch den Anstieg des Euro erschwert. Und nichts deutet darauf hin, dass der Druck auf den US-Dollar nachlassen wird.

Vor diesem Hintergrund fordert die Onic eine dynamische Exportpolitik von Seiten Brüssels. Und Paris scheint bei der Kommission Gehör zu finden. Onic-Präsident Christian Lapointe ist sich jedoch nahezu sicher, dass französischer Weichweizen in dieser Kampagne interveniert werden wird. Auch bei Gerste und selbst bei Mais will er Andienungen an die Interventionen nicht ganz ausschließen. Prognosen sind allerdings nicht möglich. Ein Krieg in Nahost kann einen Strich durch alle Berechnungen machen. Aber wer weiß, vielleicht wird die Kriegsgefahr die Nachfrage nach Getreide ja auch anheizen.
 
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