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Jörg Foshag

zur Dürre in Frankreich

Große Opfer

Die Weiden sind vertrocknet. Das Heu wird knapp. Ein Teil der Getreideernte kann abgeschrieben werden. In den großen Tierhaltungen stirbt das Geflügel. In den Flüssen verenden die Fische. Die Rinderhaltung bangt, von dem BSE-Schock kaum erholt, um den Bestand der Herden. Die Landwirtschaft zählt zu den großen Opfern der Hitzewelle.

Nach Angaben des französischen Geflügelhalterverbandes CFA hat die Sommerhitze in den riesigen Geflügelfarmen der Bretagne, des Loire-Tals und Mittelfrankreichs schon rund 1,5 Millionen Hühner und Truthühner und eine Million Legehennen getötet. Wenn das Thermometer mehrere Tage lang über 35 Grad steigt, wird es schwierig, die Tiere vor dem Ersticken zu bewahren, selbst wenn die Anlagen ständig belüftet und mit Wasser besprüht werden. In der Rinderhaltung fehlt rund die Hälfte des Viehfutters. Allein in der Region Midi-Pyrenäen beträgt das Defizit 800.000.t Futtermittel. Die betroffenen Betriebe sind gezwungen, Viehfutter zuzukaufen. Die Rechnung wird hoch werden. Dazu kommt, dass die Landwirte oft Schwierigkeiten haben, das Futter aus den Getreideregionen in die Mangelgebiete zu bringen. Die Schweinehalter, die zunächst sehr viel weniger betroffen waren als die Geflügelhalter, sind beunruhigt. Denn auch hier tötet die Hitzewelle. Dabei sind die Sekundärschäden der anhaltenden Dürre noch gar nicht zu übersehen.

Die Verluste der französischen Landwirtschaft werden heute bereits auf 1 Mrd. EUR veranschlagt. Der Bauernverband FNSEA weist darauf hin, dass die betroffenen Landwirte im Durchschnitt 22.000 EUR verlieren. Das entspräche den Einkünften eines Jahres. Der Blick richtet sich auf den Katastrophenfonds, der die Landwirtschaft gegen nicht versicherbare Risiken absichern soll. Aber dieser Garantiefonds, der zur Hälfte von der Landwirtschaft und zur anderen Hälfte vom Staat gespeist wird, reicht bei weitem nicht aus, um die Ausfälle zu decken. Immerhin soll mit den ersten Zahlungen im September begonnen werden. Es ist absehbar, dass auf den französischen Landwirtschaftsminister Hervé Gaymard und auf die gesamte Regierung von Jean-Pierre Raffarin große Forderungen zukommen werden. Jungbauernpräsident Jérôme Despey stellt fest: „Die Lage ist ernst und stellt die Zukunft zahlreicher Betriebe in Frage. Wir werden kein Grünfutter mehr haben, um die Tiere im Herbst zu füttern, wenn die Trockenheit weiter zunimmt.“ Die Jungbauern rufen in der „ungewöhnlichen Situation nach ungewöhnlichen Maßnahmen“.

Tatsache ist freilich, dass die Schäden von Hitze und Regenmangel so zahlreich und breit gestreut sind, dass der Spielraum der Regierung nicht groß ist. Denn nicht nur die Landwirtschaft ist betroffen. Die Schäden der immer wieder aufflammenden Großbrände in Südfrankreich sind enorm. Für die Energiewirtschaft besteht die Gefahr, dass Kraftwerke ausfallen, und der ganze Gesundheitsbereich ist überlastet. Die französischen Bauern zählen auch auf die Hilfe der europäischen Partner, wie es sie auch für die Hochwasserschäden in Deutschland gegeben hat. Doch auch hier ist zu bezweifeln, dass die Ausfälle wettgemacht werden können. Die Pariser Regierung kommt unter Druck. Aber eines will sie nicht wieder tun: Eine „Dürresteuer“, wie sie im Jahr 1976 zur Finanzierung von Hilfsgeldern an die Landwirtschaft erfunden wurde, soll es nicht wieder geben. Diese Steuer hat damals viel Ärger bereitet und dem Image der Landwirte letztlich geschadet.
 
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