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Jörg Foshag

zur Onic-Analyse

Exportpflege

Der Wandel ist frappierend. Alle Marktanalysen und Prognosen, die vor den Sommerferien gegeben wurden, sind Makulatur. Die Hitzewelle hat tiefe Spuren hinterlassen und besonders am Getreidemarkt eine kräftige Hausse ausgelöst. Nach Angaben des französischen Getreideamtes Onic liegt die Getreideproduktion Frankreichs in diesem Jahr um 20 Prozent unter dem Volumen des Vorjahres. Bei Mais dürfte der Rückgang rund 30 Prozent betragen. Die Onic wartet aber nicht nur mit negativen Ergebnissen auf. Die Qualität der Getreideernte bei Weichweizen wird von ihr als exzellent gefeiert.

Aber die Getreidehersteller müssen ihre Strategie umstellen. Denn Hitze und Trockenheit haben den Markt umgekrempelt.

Die Onic will trotz der geringeren Mengen dafür sorgen, dass die Exportkunden bedient werden. Denn sie will über den Tag hinaus disponieren. Die Hausse der Preise wird so, wie sie sich in den vergangenen Wochen zeigte, nicht bleiben. Auch künftig wird man auf die Auslandsmärkte angewiesen sein. Und diese wollen gepflegt werden. Das weiß niemand besser als die französische Getreidewirtschaft, die sich mit der starken amerikanischen Konkurrenz auseinander setzen muss. Wie weit die Sorge der Onic für die Auslandsmärkte sei es in der Europäischen Union, sei es in den Drittländern geht, zeigt das Plädoyer der Onic-Verantwortlichen für die Mobilisierung der Interventionsbestände. Auch der in Frankreich nicht sonderlich populäre deutsche Roggen, der einen Großteil der europäischen Interventionsbestände ausmacht, hat aus französischer Sicht dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Wir werden in jedem Fall gewinnen, selbst wenn deutsche oder niederländische Händler die Roggenbestände übernehmen. Denn dann werden sie weniger Getreide auf unserem Markt kaufen so die erstaunliche Feststellung von Onic-Generaldirektor Daniel Perrin. Die Aussage wäre nicht denkbar, wenn es genug Ware gäbe.

Für die gesamte französische Landwirtschaft gilt die Gewinnperspektive jedoch nicht. Auf dem Lande herrscht eine niedergeschlagene Stimmung. Denn außer den Getreideproduzenten sind fast alle Sparten der Agrarwirtschaft von den Schäden der Hitzewelle betroffen. Die Getreideerzeuger sind vermutlich zu Recht davon überzeugt, dass die derzeitige Hausse an den Märkten den Rückgang der Erträge nicht ausgleichen wird. Auch die Hilfen, die ihnen der Staat verspricht, werden die Ausfälle nicht wettmachen. Die Beträge, die derzeit diskutiert werden, liegen weiter unter der bisher bekannt gewordenen Schadensbilanz, die 1,5 Mrd. EUR oder mehr betragen wird.

Überdies hat der ländliche Raum darunter zu leiden, dass die Disparitäten zwischen den Regionen und auch zwischen einzelnen Betrieben neu aufgebrochen sind. Denn die Schäden verteilen sich nicht gleichmäßig. Dies führt automatisch zu Ärger und Reibereien. Zudem verschärft sich der Wettbewerb. Genossenschaften haben Mühe, ihre Mitglieder bei der Stange zu halten. Denn diese geben ihre Ware vorzugsweise am Markt ab. Bei der aufnehmenden Hand wird die härtere Konkurrenz dafür sorgen, dass sich die Konzentration beschleunigt, meinen Experten der französischen Getreidewirtschaft. Nicht auszuschließen ist, dass es durch die gedrückte Stimmung schon sehr bald wieder zu Protestaktionen kommen wird. Auch langfristig sind die Folgen der Hitzewelle nicht abzusehen.
 
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