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Daphne Huber-Wagner

zur Roggenausschreibung

Feingefühl

Die geringe Erntemenge an Futtergetreide erforderte in diesem Herbst von der EU-Kommission schnelles Handeln. Vor allem bei Gerste und Roggen war es dringend notwendig, den vorderen Bedarf von Roggen und Gerste zur Mischfutterherstellung zu decken. So beschloss die EU-Kommission Ende August, 730.000 t Roggen und 82.500 t Gerste aus Interventionsbeständen auf dem EU-Binnenmarkt bis zum 18. Dezember zu verkaufen. Doch wer erwartet hatte, bei dieser Binnenmarktausschreibung, besonders bei Roggen, ein Schnäppchen zu machen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Denn die EU-Kommission wusste um die Brisanz einer solchen Ausschreibung. So zog sie bereits bei der ersten Zuschlagsrunde Mitte September die Preiszügel an und setzte den Mindestpreis für Roggen auf 110,21 EUR/t ab Lager fest. Auch nach der fünften Gebotsrunde sieht sie wenig Veranlassung, diesen Preis zu ändern, abgesehen von einer geringfügigen Veränderung auf 110,30 EUR/t in der abgelaufenen Woche. Und das ist auch gut so. Denn damit haben sich die Befürchtungen von Marktteilnehmern vor Beginn der Binnenmarktausschreibung nicht bewahrheitet, dass der Verkauf von Interventionsware die Entwicklung auf dem freien Markt stören könnte. Vielmehr beruhigten sich die Gemüter recht schnell und die Mehrheit der Marktteilnehmer bescheinigt mittlerweile der EU-Kommission, dass sie mit dem Mindestpreis sehr gut den durchschnittlichen Marktpreis getroffen habe. So wird Futterroggen beispielsweise in Südoldenburg mit 126,- EUR/t frachtfrei bewertet.

Erwartungsgemäß stießen die ersten drei Ausschreibungstermine auf großes Interesse bei den Mischfutterherstellern. Nun lässt das Interesse etwas nach, weil die attraktiven Lagerstandorte für die Veredelungsgebiete nahezu geräumt sind. Bislang wurden für rund 185.000 t Roggen Zuschläge erteilt, ohne den Verlauf auf dem freien Markt nennenswert zu stören. Vielmehr hat die Binnenmarktausschreibung zu einer gewissen Stabilisierung des Roggenpreises geführt, was sich wiederum günstig auf die Mischfutterpreise auswirkte.

Die Kommission hat bisher bei dieser Ausschreibung großes Feingefühl bewiesen. Die Roggenausschreibung ist ohnehin nur einem bestimmten Teilnehmerkreis zugänglich, da der Roggen lediglich zu Futterzwecken verwendet werden darf. Beim Kauf der Interventionsware muss zum Beispiel ein Sicherungszuschlag von 30,- EUR/t hinterlegt werden. Dieser wird erst zurückbezahlt, wenn die geforderten Nachweise über die Futterherstellung erbracht wurden. Ein völlig legitimer Vorgang, an den sich auch mittelgroße Agrarhandelsbetriebe gewöhnen müssen, die sich über diesen großen Aufwand beschweren. Wenig begeistert über die Binnenmarktausschreibung sind Bieter aus anderen EU-Staaten. Sie verweisen auf die hohen Frachtkosten, die sie für den Roggen aus Deutschland bezahlen müssen. Eine Teilnahme an der Binnenmarktausschreibung bringe für sie keine Vorteile gegenüber dem Kauf von freier Ware. Allerdings müsste auch dieser Roggen aus Deutschland bezogen werden.

Die laufende Binnenmarktausschreibung hat auf jeden Fall das wichtigste Ziel insofern erreicht, als der dringendste vordere Bedarf gedeckt werden kann. Auf keinen Fall war die Aktion preistreibend. Sie lieferte auch keinen Grund dafür, dass es sich lohnen könnte, Ware zu Interventionszwecken zurückzuhalten. Einer geplanten Neuauflage könnte also entspannt entgegengesehen werden.
 
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