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Horst Hermannsen

zu Mittelberger

Desaster

Dass es mit der Helmut Mittelberger Agrarhandel GmbH, Thurnau, nicht zum Besten steht, ist seit drei Jahren kein Geheimnis. Und doch löst die Pleite Bestürzung aus. Es geht nicht nur um das verwirrende Mittelberger-Imperium. Es geht auch um die Existenz zahlreicher Lieferanten, Spediteure und weiterer Geschäftspartner. Ausfälle von knapp 10 Mio. EUR sind es allein für diesen Bereich. Den Löwenanteil der Insolvenz tragen – wen kann es überraschen – die Banken. Die Linie der Kreditinstitute liegt bei über 20 Mio. EUR. Das bedeutet nicht automatisch einen Verlust in dieser Größenordnung. Schließlich verfügt Mittelberger über wenn auch belastete, so doch interessante Immobilien und Anlagen. Dazu zählen der Standort Niederpöllnitz sowie das Sicherheitslager für Pflanzenschutzmittel in Großboten. Das eigentliche Filetstück jedoch, die Hafenanlage in Bamberg, gehört nicht zur insolventen Agrarhandelsgesellschaft. Der Standort Bamberg ist Privatbesitz des Helmut Mittelberger und lediglich an die GmbH verpachtet.

Die Hauptursachen der Mittelberger-Pleite sind Schieflagen im Rapshandel, die dem Unternehmen vor Jahren Millionen gekostet haben. Davon hat es sich nie mehr erholt. Trotz warnender Hinweise hat sich der Chef des Hauses auf ein gefährliches personelles Abenteuer in seiner Ölsaatenabteilung eingelassen. Die Folgen waren katastrophal und konnten von Mittelberger nur durch Sacheinlagen seines Hafenbetriebs Nürnberg verschleiert werden. Ein weiterer Grund für das Desaster ist ein pikantes Detail im Privatleben des Firmengründers. Damit ist der innere Rückzug der Familie Mittelberger von ihrem Lebenswerk zu erklären.

Seit Monaten werden von dem redlichen Geschäftsführer Norbert Lawatsch Kandidaten für eine Übernahme der Agrarhandel GmbH gesucht. Eine Zeit lang schien es, als habe man mit der Getreide AG, Rendsburg, auf das richtige Pferd gesetzt. Diese Träume sind – zunächst – geplatzt. Banken und Getreide AG konnten keine einvernehmliche Lösung finden. Vertreter der Mittelberger-Gruppe waren bei diesen Verhandlungen nicht mehr gefragt. Übrigens tat auch die Baywa so, als sei sie an einem Deal mit Mittelberger interessiert. Außer Mittelberger selber wusste allerdings jeder, dass die Baywa nie richtig ins Rennen gehen durfte, weil sie bis zur Stunde noch nicht die Auflagen erfüllt hat, die ihr bei der Übernahme der WLZ das Kartellamt stellte, sich nämlich von 60 Mio. EUR Agrarumsatz zu trennen.

Zur Erinnerung: Die Baywa war der Geburtshelfer der GmbH in Thurnau. Der clevere Landwirt Mittelberger errichtete in den 80er Jahren neben seinem Hof Lagerkapazitäten. Die Baywa hat sie in einer Anwandlung unglaublicher Naivität brav angemietet. Nachdem Bauer Mittelberger auf diese Weise rasch lernte, wie man einlagert – und was noch wichtiger ist, wie man handelt und Kontakte pflegt –, hat die Baywa die Lagerverträge gekündigt, und eh man’s gedacht, wurde er ihr schärfster Konkurrent in Oberfranken. Mittelberger hatte stets ein offenes Herz und eine offene Hand für die Landwirtschaft. Seine Erzeugerpreise haben dem konkurrierenden Handel Kopfzerbrechen bereitet.

Die Mittelberger Agrarhandel GmbH ist trotz bemühtem Insolvenzverwalter nicht in gewohnter Form weiterzuführen. Vielleicht aber lässt sich das Fünkchen Hoffnung zur Glut entfachen und die Getreide AG findet mit den Gläubigern einen neuen gangbaren Weg. Inhaberschuldverschreibungen zu 7,5 Prozent eignen sich dafür jedoch nicht. Sie lassen vielmehr Zweifel an Seriosität und Liquidität der Rendsburger aufkommen. Das aber ist das Letzte, was jetzt gebraucht wird.
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