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Brigitte Braun-Michels

zum Strukturwandel im Landhandel

Handelsriesen

Die Meldungen der letzten Wochen verschärfen den Blick auf den Strukturwandel in der Landhandelsbranche mehr denn je. Dabei fusionieren nicht nur die großen Genossenschaften zu regelrechten „Agrarkonzernen“. Auch der private Landhandel breitet sich aus oder gibt auf. Das zeigen die jüngsten Beispiele in Sachsen und Thüringen. Durch grobe Managementfehler in Insolvenz geratene Unternehmen sind schnell aufgeteilt. Andere verkaufen ihr Unternehmen rechtzeitig an „Größere“, wenn sie erkennen, dass die Geschäftsführung keine tragfähige Zukunft bietet oder keine Nachfolgeregelung gefunden wird. Längst geht der Strukturwandel in der Landhandelsbranche über kleinere Unternehmen, die nicht mehr wirtschaftlich agieren können, hinaus.

Grundsätzlich, so sehen es Kenner der Branche, ist die Situation für den Handel immer schwieriger geworden. Das ist nicht nur auf zu risikoreiche Spekulationen in der Vergangenheit zurückzuführen. Mit gewachsenen landwirtschaftlichen Unternehmen und steigenden Auftragsgrößen sind die Preise gesunken und somit auch die Spannen geringer geworden.Hinzu kommen stärkere, unberechenbare Schwankungen an den Märkten. Unterm Strich sind die Umsatzrenditen vergleichsweise gering. Die Eigenkapitaldecke in den Unternehmen wird deshalb immer dünner. Zu hohe Kosten durch teure Lagerhäuser oder kleine Fehlspekulationen können oft nicht mehr aufgefangen werden. Damit setzt ein Strukturwandel ein, der von den Banken sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen wird und deren Skepsis gegenüber der Branche fördert.

Damit ist der zweite Hemmschuh genannt. Das Image des Landhandels hat sich bei den Banken zunehmend verschlechtert. Viele Banken sind inzwischen ganz aus der Agrarfinanzierung ausgestiegen, weil man sich auf andere „Kerngeschäftsfelder zurückziehen“ will. Die geringere Wertschätzung des Agrargewerbes hat zudem zur Folge, dass bei den Kreditberatern seltener Fachkenntnisse über die Branche anzutreffen sind. Zum Beispiel werden notwendige spezialisierte Lager für Pflanzenschutz- oder Düngemittel nur sehr gering bewertet, was die Kreditwürdigkeit alles andere als fördert. Ein Teufelskreis tut sich auf.

Auch den ins Strudeln geratenen Banken ist inzwischen das Hemd näher als der Rock. Unternehmertum und Risikofreude sind, wenn sie denn überhaupt finanziert werden, mit so hohen Kreditkonditionen belastet, dass die Motivation für Investitionen rapide sinkt. Insider vermuten deshalb, dass der Trend hin zu den „großen Kolossen“ nicht aufzuhalten ist. Sofern ein moderater Strukturwandel hin zu leistungsfähigeren Betrieben führt, ist das aus Sicht aller Beteiligten eine notwendige Entwicklung. Eine Monopolstellung des Handels werden aber sowohl landwirtschaftliche Erzeuger wie auch die Zuliefererindustrie zu verhindern suchen. Außerdem hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass Größe allein kein Beweis für die Leistungsfähigkeit von Unternehmen ist. Mitunter ist sogar das Gegenteil der Fall. Entscheidend bleiben die Manager in den Unternehmen. Die werden im Rahmen des Ratings auch von den Banken zunehmend gewürdigt. Hier liegen Chancen für gut geführte mittelständische Unternehmen, die diese sich nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen.
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