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Brigitte Braun-Michels

zur Malzindustrie

Flexibel

Die Braugerste ist noch nicht vom Halm und keiner der Marktbeteiligten kann genau einschätzen, welche Gerstenmenge in welcher Qualität letztendlich die Lagerhallen füllt. Dennoch sind, in freudiger Erwartung guter Ergebnisse, die Preisverhandlungen in vollem Gange. Und während die Erzeuger sich mit Angeboten um 130 EUR/t franko Mälzerei alles andere als zufrieden zeigen, machen die Mälzer eine ganz andere Rechnung auf. Sie beklagen niedrige Preise für ihre Produkte. Selbst beim aktuellen Braugerstenpreisniveau geht, aus Mälzersicht, die Rechnung für das Jahr 2005 nicht auf. Fachleute beziffern das Defizit der Malzindustrie im Jahr 2005 auf über 40 Mio. EUR.

Warum die Malzpreise sich derzeit auf einem niedrigen Niveau befinden, lässt sich aus der Statistik nicht erklären. Einer Nachfrage von rund 2 Mio. t in Deutschland stehen ein inländisches Angebot von 1,6 Mio. t und Nettoimporte von rund 0,4 Mio. t gegenüber. Der Markt ist somit ausgeglichen. Der Preis dürfte von daher einen stabilen Verlauf zeigen. Dass dem nicht so ist, führen Experten auf Prognosen zurück, die schon jetzt marktwirksam sind. In Regionen, die bisher Malz importiert haben – dazu zählen zum Beispiel die osteuropäischen Länder und Russland –, werden derzeit neue Malzfabriken gebaut. Damit werden die Exportmöglichkeiten in Zukunft vermindert. Außerdem geht europaweit der Bierkonsum zurück. Das nutzen vor allem Großbrauereien als Argumente für niedrige Preise. Die Konzentration in der Brauereibranche tut das ihrige, den Druck auf die Malzindustrie zu verschärfen. Die Zeiten, in denen Mälzer und Brauer sich im persönlichen Kontakt auf Preise verständigt haben, von denen beide Parteien meinten, gut leben zu können, gehören zunehmend der Vergangenheit an. Großkonzerne schicken ihre Einkäufer übers Land, die das Malz von dem Anbieter einkaufen, der die Ware günstig – an Weltmarktbedingungen orientiert – anbietet. Die Malzindustrie wird dem auf Dauer nur durch Konzentration in den eigenen Reihen etwas entgegenzusetzen haben. Mälzer, die sich dieser Entwicklung stellen, arbeiten an der Sicherung ihrer Absatzmärkte und suchen nach Möglichkeiten, ihre Kapazitäten zu erweitern. Andere sichern sich ihre Produktion in der Nische. Ob die Braugerstenerzeugerpreise vor diesem Hintergrund ihre Vorzüglichkeit gegenüber anderen Getreidearten immer in ausreichendem Maße wahren können, erscheint fraglich. Setzt sich die jetzt eingeleitete Entwicklung fort, dürfte dieser Markt zunehmend den Schwankungen des Weltmarktes ausgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich ab, dass Erzeuger, die den Anbau beherrschen und Alternativen erkennen, flexibel in ihrem Anbauverhalten reagieren (müssen). Damit die Braugerstenerzeugung in Deutschland ihren Boden behält, sollten die Mälzer auch ihren Beitrag dazu leisten. Sie könnten zum Beispiel mit fundierter Marktberichterstattung über die Weltmarktentwicklung das Anbauverhalten der Landwirte marktkonform steuern. Denn mit einem marktgerechten Anbau und einer in der Struktur erstarkten Malzbranche wäre sowohl Erzeugern als auch Mälzern gedient.
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