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Jörg Foshag

zu Frankreichs Exportchancen

Konkurrenz

Gute Nachrichten für Frankreichs Getreidewirtschaft: Die noch nicht abgeschlossenen Erntearbeiten versprechen große Mengen und gute Qualitäten. Die diesjährige Erntemenge an Weichweizen schätzte das französische Getreideamt Onic kürzlich auf 36,6 Mio. t, 25 Prozent mehr als im schlechten vergangenen Jahr. Ein abschließendes Urteil kann zwar erst abgegeben werden, wenn die Ernte voll eingebracht ist. Aber schon jetzt spricht die Onic von „viel–versprechenden“ Qualitäten bei Weichweizen. Klar ist in jedem Fall, Frankreich wird im kommenden Wirtschaftsjahr wieder genügend Weichweizen haben, um exportieren zu können. Und die Vermarktung im Wirtschaftsjahr 2004/2005 wird „normaler“ ausfallen als im durch niedrige Mengen gekennzeichneten Vorjahr. Die französischen Getreideerzeuger müssen aber mit einer harten Konkurrenz rechnen.

Denn nicht nur Frankreich, sondern auch die gesamte Europäische Union wird über höhere Weizenmengen verfügen. Und dies wird auch für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie für die großen Weizenproduzenten in Übersee gelten. Auch wenn die Position Russlands vor dem Hintergrund schwächerer Weizenqualitäten nicht so stark sein dürfte wie ursprünglich erwartet, wird die Getreidebranche doch mit einem scharfen Wettbewerb rechnen müssen. Onic-Generaldirektor Daniel Perrin gibt den Produzenten seines Landes den Rat, sich im kommenden Wirtschaftsjahr besonders um die Drittlandsmärkte zu kümmern. Denn diese Märkte dürften entscheidend sein. Perrin nimmt an, dass sich das Schwergewicht der Europäischen Union nach dem Beitritt von zehn neuen Mitgliedern stärker nach Osten verlagert. Dies wird aus seiner Sicht nicht ohne Rückwirkungen auf die Handelsbeziehungen bleiben. Nicht ausgeschlossen, dass die französischen Exporteure einen schwereren Stand haben werden.

Ob die Drittlandsmärkte einen Ausweg bieten, wie der Onic-Generaldirektor annimmt, wird sich zeigen müssen. Denn auch auf diesen Märkten besteht ein harter Konkurrenzkampf und die Position der Europäer ist durch den starken Euro geschwächt. Um den irakischen Markt balgen sich die Amerikaner und Australier. Auch der wichtige ägyptische Markt wird umkämpft werden. Die französischen Erzeuger haben diesen Markt besonders im Visier.

Denn Ägypten ist mit einem Importbedarf von rund 6 Mio. t Weichweizen der weltweit größte Weichweizenimporteur und deshalb besonders umworben. Der ägyptische Markt hat aus der Sicht des Spitzenverbandes der französischen Weizenerzeuger (AGPB) den Vorteil, dass er für regelmäßige Lieferungen gut ist – im Gegensatz zu den Märkten der Maghreb-Staaten Marokko und Algerien, deren Importbedarf stark von der eigenen Produktion abhängt. In der Kampagne 2002/2003 hat Frankreich 2,5 Mio. t Weichweizen an Ägypten verkauft. Aber im vergangenen Wirtschaftsjahr kamen die Lieferungen mit Ägypten erst im Juni zum Zuge, mit einer Bestellung von 120±000 t. Die nächste Kampagne soll wieder den großen französischen Exporterfolg bringen. Noch ist die französische Getreidewirtschaft zuversichtlich.
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