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Dr. Angela Werner

zur Biotech-Konferenz Abic

Geschlossen

Wissenschaftler aus aller Welt, die sich auf der Internationalen Biotechnologie-Konferenz Abic in Köln zum Erfahrungsaustausch trafen, „stellen sich auf die Hinterpfoten“ und wollen von der Politik und Öffentlichkeit ernst genommen werden. Sie fordern beispielsweise in einem Manifest, dass ihre Ergebnisse zur Pflanzenbiotechnologie vorurteilsfrei in Gesetzgebungsprozesse einfließen. Zu ihrer mangelnden öffentlichen Reputation haben sie aber auch ein Stück selbst beigetragen und die Notwendigkeit einer guten Öffentlichkeitsarbeit unterschätzt.

Sie wenden sich gegen eine einseitige Bewertung der Erkenntnisse. „Wir müssen sagen, was recht ist.“ Das ist richtig so. Aber leider sagen viele Wissenschaftler die Wahrheit in der Öffentlichkeit nur hinter vorgehaltener Hand – wie zum Beispiel, dass Bundesverbraucherministerin Renate Künast in puncto Koexistenz im Gentechnikgesetz Abstände für Mais von 1.000 m vorschlägt, die auf einer wissenschaftlichen Arbeit in Russland aus dem Jahre 1940 basieren. Seitdem ist aber eine Vielzahl von neuen Untersuchungen zu diesem Thema, auch in Deutschland, gemacht worden. Eigentlich sollte sich auch die Politik an den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft orientieren. In den USA wird uns das vorgemacht. Dort fließen neue wissenschaftliche Ergebnisse kontinuierlich in die Regularien mit ein, die dann auch überarbeitet werden.

In Europa ist dies noch nicht gelungen. Dies ist auch eine Frage der fehlenden klugen Kommunikation nach außen. Der oft zitierte Dialog braucht beide Seiten. Wissenschaftler ziehen sich aber nur allzu gerne in ihren „Elfenbeinturm“ zurück und diskutieren ihre Ergebnisse innerhalb der „scientific community“. Auch die Abic-Konferenz hatte etwas von einer geschlossenen Gesellschaft, in der mehr als 700 Teilnehmer aus aller Welt die Nutzung der Biotechnologie unter sich diskutierten. Zwar gab es die zu erwartenden Aktionen von Biotechnologie-Gegnern wie Greenpeace, Attac und Misereor, die unter anderem zu Beginn der Konferenz eine Gegenveranstaltung organisierten, aber der Aufmerksamkeitswert war gering. Die Aktionen spielten sich buchstäblich draußen vor der Tür ab. Kritische Stimmen hätten manche Diskussion sicher belebt.

Auch für interessierte Laien (= Nicht-Wissenschaftler) waren viele Vorträge schwierig zu verstehen. Sicher – die Materie ist komplex. Und ein Charakteristikum von Wissenschaft ist, dass viele Forscher einen Sachverhalt von mehreren Seiten beleuchten. Das ist wie ein Puzzle, jeder steuert einen Teil bei und erst aus den zusammengesetzten Einzelteilen ergibt sich ein Bild. Bloß es fehlt der „Puzzle-Meister“, der dieses Bild auch für Politiker und die Öffentlichkeit zusammensetzt, sichtbar macht, es erklären und in eine Richtung weisen kann. Diese „Puzzle-Meister“ werden vielerorts vermisst. So appellierte ein Berater an die Wissenschaftler der Abic, sich bei den Konferenzen zum Biosafety-Protokoll einzumischen und an den Arbeitsgruppen zu beteiligen. Dort sollen Regeln zum globalen Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) erstellt werden. Auch Schulungen bot er an.

Wissenschaftler sollten endlich ihre Politikscheu ablegen, sich engagiert einmischen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse gemeinsam ins richtige Bild rücken. Wer außer ihnen kann beantworten, was, wie und warum sie etwas erforschen und welchen Nutzen das den Menschen bringen kann. Die Abic-Konferenz, die zum ersten Mal in Europa stattgefunden hat, wäre eine gute Möglichkeit gewesen, sich auch nach außen anders zu präsentieren und aus dem Elfenbeinturm herauszutreten. Schade, dass diese Chance mit der Abic nicht genutzt wurde.
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