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Bernd Springer

zum Landmaschinenmarkt

Zäh

Deutsche Landmaschinenhändler suchen händeringend nach Kunden, die ihnen Umsatz bescheren. Die schlechte Einkommenssituation des zu Ende gehenden und noch mehr der zurückliegenden Jahre hat tiefe Spuren im Investitionsverhalten der Agrarbetriebe hinterlassen. 8 Prozent weniger Umsatz als im ohnehin schon schwachen Jahr 2003 konnten die Händler bis Ende September diesen Jahres verbuchen. Für die restlichen, noch nicht ausgewerteten Monate wird keine durchgreifende Verbesserung erwartet.

Im Gegensatz dazu ist der Geschäftsverlauf zumindest der Landtechnik-Hersteller, die einen bedeutenden Exportanteil aufweisen, in diesem Jahr gut zufriedenstellend. Die Märkte in Europa laufen größtenteils rund. In den neuen EU-Mitgliedstaaten kommen die Geschäfte in Gang. Doch auch in wichtigen westeuropäischen Märkten wurde kräftig investiert. Knapp 10 Prozent Umsatzsteigerung in Frankreich, 15 Prozent in Italien, fast 6 Prozent in Großbritannien und um 10 Prozent in Spanien sind Werte, von denen die Landmaschinenhändler in Deutschland nur träumen. Leidensgenossen finden sie allerdings in den Niederlanden, Dänemark und Finnland, wo viele Landwirte wegen der schlechten Einkommen Investitionen zurück stellen.

Die weltweit agierenden Maschinenhersteller profitieren auch von der blendenden Einkommenssituation der Farmer auf dem nordamerikanischen Kontinent. Rekordernten bei Mais und Sojabohnen sorgen trotz rückläufiger Preise für klingelnde Kassen. Die Märkte für Schlachtvieh und Milcherzeuger sind stabil und sorgen für gute Preise. Und staatliche Beihilfen tun ein Übriges, um den Farmern den Kauf eines neuen Traktors oder Mähdreschers schmackhaft zu machen. Ebenfalls erfreulich ist die Situation in Südamerika, wo besonders in Brasilien der Agrarsektor brummt und die Nachfrage nach Landtechnik ankurbelt.

Auf dem deutschen Landmaschinenmarkt machen Hersteller und Händler ihren potenziellen Kunden mit technischen Innovationen, neuartigen Finanzierungskonzepten und erweiterten Serviceangeboten die Kaufentscheidung schmackhaft. Allerdings kämpfen sie dabei auf einem hohen Niveau: Auch wenn in der deutschen Landwirtschaft einige Jahre etwas weniger für Landtechnik ausgegeben wird, entsteht kein echter Investitionsstau. Der Maschinenpark auf den Höfen hat ausreichende Kapazitäten und ist in gutem Zustand. Gleichzeitig nimmt die überbetriebliche Maschinennutzung zu. Und in diesem Sektor – bedient von Lohnunternehmern und Maschinenringen – ist das Landtechnikgeschäft nicht ganz so zäh wie die Verkäufe an die Landwirtschaft. Die Anforderungen an eine zügige Arbeitserledigung sowie einen effizienten Einsatz von Maschinen und Arbeitskräften sorgen für einen hohen Innovationsbedarf, der von den Herstellern gerne bedient wird.
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